Outfit und Ort matchen? So geht Destination Dressing
Rotes Kleid vor blauem Meer? Soll das Outfit perfekt zum Reiseziel passen, geht es um mehr als Farben. Was hinter Destination Dressing steckt - und wie man sich im Urlaub wirklich gut anzieht.
Wirkt am besten nicht nur gut auf Fotos, sondern fühlt sich auch gut an: das Lieblingsoutfit für den Urlaub.picture alliance / Westend61
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Mit weißem Kleid in Griechenland, Klamotten in Erdtönen im Gepäck für Marokko und Boho-Chic für die Reise nach Ibiza: In den sozialen Medien scheint es bisweilen für jedes Reiseziel einen eigenen Dresscode zu geben. Warum eigentlich?
„Kleidung ist auch Kommunikation“, sagt Anna Sophie Müller. Sie ist Dozentin für Textil und Mode an der Europa-Universität Flensburg. „Sie bietet nicht nur Schutz vor Sonne und Blicken, sondern ist sehr oft Teil der eigenen Inszenierung.“ Kein Wunder also, dass etwa Influencer mit ihren Reiseoutfits beeindrucken. „Dennoch kratzt das von ihnen vermittelte Bild meist nur an der Oberfläche“, sagt Müller.
Statt schon im Vorfeld zu entscheiden, was am Urlaubsort getragen werden sollte, kann Offenheit spannender sein. „Reisen ist eine wunderbare Gelegenheit, die eigenen Klischees zu überprüfen“, so Modewissenschaftlerin Müller. Echtes Interesse führt zu Begegnungen und kulturellem Austausch. Suchen Sie etwa nach lokalen Designerinnen und Designern, Boutiquen und textilen Frauenkooperativen.
Die so erworbenen Stücke haben dann eine Geschichte. „Das macht sie zu kostbaren Urlaubserinnerungen, die einen wertschätzenden Platz im Schrank erhalten“, sagt Müller. Bewusstes Destination Dressing, so der oft genutzte Fashionbegriff, findet jenseits von Social Media und Likes statt, sodass das weiße Kleid vor blauem Meer mitunter plötzlich banal erscheint.
Packen mit Stil
Sinnvoll ist es dennoch, den Inhalt des eigenen Gepäcks vor der Reise auf den Urlaubsort abzustimmen. Das geht etwa „mit wenigen, gut kombinierbaren Kleidungsstücken, die zum Klima des Reiseziels passen“, sagt die Stil- und Modeberaterin Andrea Lakeberg.
Lockeres, Luftiges aus Baumwolle oder Leinen in hellen Farben und bequeme Schuhe oder Sandalen sind in warmen Gefilden angenehm zu tragen. „Bei Städtetrips wie nach Paris oder Rom ist ein eleganter, bequemer Blazer ein Must-have. Sommerstrick, Stoffhosen, Kimonos und fließende Kleider passen zu den meisten europäische Metropolen wie Promenaden“, sagt Lakeberg. Auf auffällige komplizierte Schnitte oder enge Jeans kann man hingegen meist gut verzichten. Und zu kurze oder zu knappe Stücke sind jenseits von Pools und Stränden schon aus Sonnenschutzgründen, aber auch in traditioneller geprägten Regionen, nicht immer angemessen.
Auch „Sprüche-T-Shirts, Prints mit Nummern oder Abenteuerlogos, kurzärmlige Hemden, Karomuster oder Dreiviertelhosen wirken fast immer fehl am Platz“, so Lakeberg. Erfordert der Urlaub keine Outdoor- bzw. Wanderausrüstung, sind Männer ihr zufolge mit hochgekrempelten Leinenhemden oft gut angezogen. „Mit etwas Mut zur Pastellfarbe ernten Sie zusätzlich anerkennende Blicke.“
Platz für Neues im Koffer lassen - und im Kopf
Und wie sieht es bei den Accessoires aus? „Alles bis auf Sonnenhut und -brille zu Hause lassen“, rät Lakeberg. Geübte Destination Dresser reisen ohnehin am besten mit ordentlich Platz im Gepäck - und finden die schönsten Stücke vor Ort. „Lassen Sie internationale Ketten links liegen“, rät die Stylistin. Und: „Vieles, was auf Märkten oder in Strandshops verdächtig günstig angeboten wird, ist minderwertige, schwitzige Importware.“
Ihr Tipp stattdessen: Beobachten Sie wie sich Einheimische und Ihre Miturlauber kleiden. So bekommen Sie ein Gefühl, welche Looks und Kleidungsstücke authentisch sind. Doch Vorsicht: Nicht alle muss kopiert werden. Lesen Sie den „Urlaubsraum“, sagt Modedozentin Müller. Besonders Trachten oder religiös geprägte Kleidung verlangen ihr zufolge tiefere Auseinandersetzung für einen respektvollen, gegenseitigen Austausch.
In Fashionfragen gibt es für die Textilwissenschaftlerin eine immer gültige Antwort: „Mode ist Mode, weil Mode nicht Mode bleibt.“ Im Urlaub transportiert sie ein Sehnsuchts-Lebensgefühl, ein kurzer Status quo in einer sich rasant wandelnden Welt. Luxus-Designer-Kollektionen und selbst Fast-Fashion-Looks, die vorgeben, den Stil eines Landes einzufangen, mögen toll aussehen. Doch gemessen an dem, was die Region wirklich zu bieten hat, bleiben sie oft nicht mehr als leere Hüllen.