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Handy am Beckenrand? Bademeister ermahnen Eltern

Ein kurzer Blick der Eltern aufs Handy – und schon kann ein Kind im Wasser lautlos ertrinken. Dabei liegt die Aufsichtspflicht nicht beim Bademeister, wie mehrere Schwimmbäder warnen.

Von dpa

05.07.2026

Mitarbeiter von Freibädern beobachten immer wieder Eltern, die auf ihr Handy statt auf ihr Kind im Wasser schauen. (Archivbild)Christoph Reichwein/dpa

Mitarbeiter von Freibädern beobachten immer wieder Eltern, die auf ihr Handy statt auf ihr Kind im Wasser schauen. (Archivbild)Christoph Reichwein/dpa

© Christoph Reichwein/dpa

Es braucht nicht viel, damit aus einem Familienausflug ins Freibad ein Notfall wird: Kinder können innerhalb von Sekunden lautlos im Wasser ertrinken, während Eltern in ihr Smartphone vertieft sind. Etliche Schwimmbäder in Nordrhein-Westfalen versuchen, für diese Gefahr zu sensibilisieren, etwa mit Plakaten.

Die Aufsichtspflicht liege auch im Schwimmbad bei den Eltern, betont Ralf Großmann, Sprecher des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister (BDS) mit Sitz in Wesseling. „Der Schwimmmeister greift zwar sofort ein, wenn etwas passiert“, sagt Großmann, „aber er kann nicht die persönliche Aufsicht über jedes einzelne Kind übernehmen. Das ist weder rechtlich noch praktisch möglich.“ 

„Ein Schwimmbad ist keine Betreuungseinrichtung“

Auch in den Bädern der Stadt Köln beobachte man zunehmend, dass Kleinkinder und Kinder im Grundschulalter ohne unmittelbare Aufsicht ihrer Eltern unterwegs seien, sagt Judith Jussenhofen, Sprecherin des städtischen Betreibers KölnBäder. An einem sommerlichen Wochenende greife das Team allein in Kölns größtem Freibad, dem Stadionbad, regelmäßig zehn bis fünfzehn Kinder ohne erkennbare Aufsichtsperson auf. 

Häufig würden die Kinder von Mitarbeitenden sogar im Wasser angetroffen, während die Eltern auf der Liegewiese anderweitig beschäftigt seien. „In den allermeisten Fällen spielt dabei das Smartphone eine Rolle“, so Jussenhofen. 

In einigen Fällen hätten sich Mitarbeiter nach mehrfachen Ausrufen und längeren Wartezeiten ohne Reaktion gezwungen gesehen, die Polizei oder das Jugendamt einzuschalten. „Ein öffentliches Schwimmbad ist keine Betreuungseinrichtung, in dem Kinder abgegeben werden können, während sich die Eltern entspannen“, betont Jussenhofen. 

Die Stadt Duisburg erklärt auf Anfrage, dass man zwar nicht bestätigen könne, dass die Nutzung von Mobiltelefonen zu einer signifikanten Zunahme von Zwischenfällen oder Unfällen in den städtischen Bädern führe. Wenn Eltern ihrer Aufsichtspflicht jedoch nicht nachkämen und dadurch eine Gefährdung entstehe, schreite das Personal ein. In gravierenden Fällen würde man auch einen Verweis aus dem Bad aussprechen.

Initiative soll Aufmerksamkeit schaffen

Um auf die Problematik aufmerksam zu machen, greifen die Freibäder zu verschiedenen Maßnahmen. Unter anderem in Essen setzt man auf Plakate der Initiative Augenblick, die Eltern und Begleitpersonen für ihre Aufsichtspflicht sensibilisieren soll, wie ein Sprecher der Stadt Essen erklärt. 

Die Initiative warnt unter anderem mit Bannern und Flyern davor, dass Kinder in einem unachtsamen Moment innerhalb von nur 20 Sekunden lautlos ertrinken können. Auf den Bannern stehen Texte wie „Papa du warst mein Held. Bis dein Handy wichtiger war als ich.“. 

In Köln setzt der städtische Betreiber ebenfalls auf Hinweisschilder und Plakate. Auch Lautsprecherdurchsagen kommen demnach zum Einsatz - außerdem ein Maskottchen, das durch die Freibäder geht und Familien direkt anspricht.

BDS: Aufklärung statt Verbot

Die Mitarbeiter der Bäder würden Eltern oft direkt ansprechen, sagt BDS-Sprecher Großmann. Manche fühlten sich im ersten Moment vielleicht angegriffen, die meisten reagierten jedoch verständnisvoll. „Wenn man erklärt, dass es ausschließlich um die Sicherheit ihres Kindes geht, verstehen es die meisten.“ 

Ein generelles Handyverbot hält der Bund Deutscher Schwimmmeister aber nicht für den richtigen Weg. Man setze stattdessen auf Aufklärung und Eigenverantwortung.

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