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Große Taschen, schwere Stoffe: Wenn Mode der Haltung schadet

Klar, stehen soll sie uns. Und womöglich auch im Trend sein. Doch Kleidung beeinflusst nicht nur wie wir aussehen, sondern auch wie wir uns fühlen – und bewegen. Und da kann manches schiefgehen.

Von dpa

26.01.2026

XXL ist angesagt: Doch große und schwere Taschen können zu Rückenschmerzen führen.Gerald Matzka/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

XXL ist angesagt: Doch große und schwere Taschen können zu Rückenschmerzen führen.Gerald Matzka/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

© Gerald Matzka/dpa-Zentralbild/dpa-tmn

Wer sich in seinen Klamotten wohlfühlt, der steht meist aufrechter, bewegt sich freier, erscheint selbstbewusster. Und das sieht nicht nur gut aus – sondern wirkt sich auch positiv auf die Rückenmuskulatur aus. 

Andererseits können Modetrends auch Fehlhaltungen unbewusst fördern. Darauf weist der Neurochirurg Munther Sabarini von der Avicenna Klinik Berlin hin: „Haltung ist kein Zufall, sie entsteht im Alltag – und Mode spielt dabei eine größere Rolle, als vielen bewusst ist“, so der Mediziner.

Taschen lieber quer tragen

Ein Accessoire spielt dabei eine tragende Rolle: die Tasche. Trägt man sie in groß und etwa als XL-Shopper regelmäßig einseitig mit schwerem Inhalt, neigt sich der Oberkörper unbewusst zur Gegenseite. Die Schultern ziehen sich hoch und die Wirbelsäule verliert ihre natürliche Ausrichtung. „Auf Dauer entstehen muskuläre Disbalancen, die Nacken- und Rückenschmerzen begünstigen“, so Sabarini. 

Besser ihm zufolge: Taschen, die quer über den Rücken getragen werden, oder Rucksäcke mit guter Passform. Sie verteilen das Gewicht gleichmäßiger und unterstützen eine aufrechte Haltung.

Schuhe und Schnitte machen einen Unterschied

Auch die Schnitte und Materialien unserer Kleidung können sich auf unsere Haltung auswirken. Sehr enge Kleidung schränkt etwa Bewegungen ein und begünstigt Schonhaltungen. Schwere Stoffe können zusätzlichen Zug auf Schultern und Rücken ausüben. 

Günstiger für die Bewegungsfreiheit und eine entspannte Haltung: locker geschnittene Stücke. Und: die passenden Schuhe dazu.

Die sollten – anders als man womöglich meinen könnte – nicht unbedingt möglichst flach sein. Denn durch sehr flache Modelle ohne ausreichende Dämpfung werden Stöße beim Gehen nahezu ungefiltert bis in die Wirbelsäule weitergeleitet. Das Gegenteil ist aber auch nicht besser: Hohe Absätze verändern die Statik des Körpers. Das Becken kippt nach vorn, ein Hohlkreuz wird begünstigt. Beide Varianten können die Belastung für Bandscheiben und Muskulatur erhöhen. 

Eine gute Idee, nicht nur aus modischer Perspektive: Öfter mal die Schuhe wechseln. „Abwechslung im Schuhschrank ist aus medizinischer Sicht sinnvoll, da sie verhindert, dass sich der Körper an einseitige Fehlhaltungen anpasst“, so Sabarini. Gut tragen lassen sich auch Sneaker mit flexibler Sohle. Haben die eine gute Dämpfung, fördern sie ein natürliches Abrollen des Fußes.

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