Drama „Neues Land“ zwischen Transformation und Tragödie
Ein ehemaliges Braunkohlerevier wandelt sich in einen idyllischen Ort für Ausflügler und Urlauber. Für eine Familie war und ist alles Heimat - doch viel liegt im Verborgenen.
Das ZDF zeigt „Neues Land“ am Montag um 20.15 Uhr. (Handout)Steffen Junghans/ZDF/dpa
© Steffen Junghans/ZDF/dpa
Es ist die perfekte Urlaubskulisse: tiefblaues Wasser, Strände, Marinas und weiße Boote im Sonnenlicht. An den Ufern gibt es neu gebaute Hotels und Menschen, die unter großen Schirmen sitzen und sich nach Ruhe und Erholung sehnen. Doch da sind auch Maschendrahtzäune, die ein gefährliches Sperrgebiet abgrenzen. Schilder, die vor Lebensgefahr warnen, rot gefärbtes Wasser und Risse in Wänden. Und da ist das kleine Neukirch, dessen Bürgermeister Walter Sedlitz (Jörg Schüttauf) gefährlich optimistisch zwischen Tourismus-Boom, Ignoranz und heiler Welt wandelt. Wo einst Braunkohlebagger wühlten, hat sich die Region längst neu erfunden. Doch zu welchem Preis?
Eine Region und Familie im Umbruch
Der Film „Neues Land“ erzählt die Geschichte einer Familie, die im ehemaligen sächsischen Braunkohlerevier mit den Herausforderungen des Strukturwandels kämpft und in der es ein dunkles Geheimnis gibt. Walter Sedlitz ist nicht nur das Ortsoberhaupt, er ist auch Hotelier. Ein Mensch, der viel zu oft „wir finden schon eine Lösung“ sagt und unangenehme Fakten gern weglächelt. Als seine Tochter Ina (Jördis Triebel) nach vielen Jahren nach Neukirch zurückkommt, beginnt die Fassade zu bröckeln. Sie überträgt ihren Erbteil am Familienhotel an ihre Nichte Mara (Lucy Gartner) - und macht als erfahrene Geologin entlang des neu angelegten Neukircher Sees besorgniserregende Beobachtungen.
Das ZDF zeigt „Neues Land“ am Montag (26. Oktober) um 20.15 Uhr. Regie führte die Österreicherin Esther Rauch, das Drehbuch schrieben Khyana el Bitar und Dörte Franke.
Blick auf Biografien und Verständnis von Heimat
Luftaufnahmen zeigen die Transformation, die das „Mitteldeutsche Revier“ infolge des gesetzlich verankerten Kohleausstiegs bis spätestens 2038 durchläuft. Eine Region in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, wo der Strukturwandel auf die Biografien der Menschen und ihrem Heimatverständnis Einfluss nimmt. Genau dort wurde „Neues Land“ gedreht. Die Nähe zu den Orten und Menschen „schafft eine Genauigkeit und Authentizität, die man der Geschichte ansieht und anmerkt“, sagen die Produzentinnen Henriette Lippold und Katharina Rietz.
Früher Land der Abraumbagger, heute Strandidylle
Mara, die ihre Zukunft in Neukirch sieht, will wissen, was mit dem künstlichen See ist, an den die Menschen ihre Zukunft gebunden haben. Sie steht am Ufer, das längst instabil ist, und sagt: „Es ist schon krass. Da, wo jetzt der See ist, hat meine Oma früher gebaggert.“ In ihrem Gutachten dokumentiert Ina Sedlitz schlechte Werte, ein mögliches Trinkwasserproblem und einen sich ständig bewegenden Boden. Alles gerät ins Wanken, dann geschieht ein Unglück und lässt das sprichwörtliche Kartenhaus einstürzen.
„Wir haben damals alle von der Kohle gelebt hier. Es war dreckig, und es war hart, aber wir haben das Beste daraus gemacht. Und dann kam die Wende. Und das war alles nichts mehr wert. Und dann war’s vorbei mit der Kohle und deine Mutti ist daran zerbrochen. Und jetzt kommst du und nimmst uns auch noch den See“, sagt Walter Sedlitz zu seiner Tochter. Er fürchtet inzwischen auch die Aufdeckung eines lange verdrängten Familiengeheimnisses, das auch Maras Vater (Ronald Zehrfeld) wie seinen Augapfel gehütet hat.
Der Fernsehfilm „Neues Leben“ erzählt eine rührende Familiengeschichte vor dem Hintergrund des Kohleausstiegs und dessen Folgen für Land und Leute. Jörg Schüttauf brilliert als profitgieriger Unternehmer und Bürgermeister, der vieles gut meint, aber das meiste schlecht macht. Es geht um heile Welten und unbequeme Wahrheiten und um eine Vergangenheit, die die Zukunft bestimmt. „Mir war es bei dem Film aber ein Anliegen, eine ganz konkrete Familie zu zeigen und zu erzählen, was diese gesellschaftlichen Strukturen mit ihr gemacht haben“, sagt Regisseurin Esther Rauch über den Film.