Das macht die Serie „Trying“ so liebenswert
Wie Nikki und Jason will man durch schwierige Zeiten gehen: Das Paar erlebt in der Apple-TV-Serie „Trying“ Kinderlosigkeit, Adoption und das chaotische Familienglück. Nun erscheint die fünfte Staffel.
Nikki und Jason erleben in der Apple-TV-Serie „Trying“ Kinderlosigkeit, Adoption und das chaotische Familienglück. Apple TV/dpa
© Apple TV/dpa
Da sind diese wunderbaren Menschen wieder - Nikki und Jason. Und schon nach wenigen Minuten in der fünften Staffel der Apple-TV-Serie „Trying“ geht einem das Herz auf vor Rührung und angesichts der Liebe, die die Macher und Darsteller der Serie vermitteln. Die Serie ist ein Hort der im Kern intakten Beziehungen und guten Gefühle - dabei geht es eigentlich um das schwere Thema Kinderlosigkeit und Adoption.
Vier Staffeln sind bereits verfügbar und Staffel 5 erscheint ab 8. Juli - jeweils eine neue Folge mittwochs. Ein Überblick für alle, die die Serie kennenlernen wollen:
Darum geht es in der Serie
Nikki (Esther Smith) und Jason (Rafe Spall) sind humorvolle, vor allem aber auf ihre eigene Weise tolpatschige Londoner, die zum Beginn der Serie versuchen, Eltern zu werden. Über drei Staffeln wird ihr Weg der Akzeptanz der Unfruchtbarkeit und in ein Adoptionsverfahren begleitet.
So viel spoilern muss man an der Stelle, um auf die aktuelle Staffel zu sprechen zu kommen: Nikki und Jason werden letztlich Adoptiveltern von zwei Geschwistern. Diese sind mittlerweile Teenager und wie alle Kinder in dem Alter auf der Suche nach ihrer Identität - in dem Fall auch nach ihrer Herkunft.
Das macht „Trying“ zu einer besonderen Serie
Auch wenn das Hauptthema Kinderlosigkeit und Adoption es nicht vermuten lässt, dies ist eine Comedy-Serie. „Sie ist durchgehend lustig, aber ihr Humor ist in der Realität verwurzelt“, ordnet Hauptdarsteller Rafe Spall, der Jason spielt, im Interview der Deutschen Presse-Agentur ein.
Es steht immer die Liebe und der Zusammenhalt des Paares sowie seiner erweiterten Familie im Fokus. Selbst in den traurigen Momenten schafft es das Paar durch seinen Humor und seinen Blick aufs Leben, sich selbst ein Anker zu sein und optimistisch weiterzugehen.
https://www.youtube-nocookie.com/embed/LcjklMyqegw
Mit fortschreitender Handlung über fünf Staffeln hinweg wird immer mehr das „trying“ im Allgemeinen zum Fokus der Serie: Das Versuchen, das Beste aus der jeweiligen Lebenssituation zu machen. Ob aus den Herausforderungen des Adoptionsprozesses, den Konflikten innerhalb ihrer erweiterten Familie oder dem Alltag mit Kindern - einfach des ganzen Lebens.
„Das Leben steckt voller Schwierigkeiten. Ständig treten Dinge auf, die das Leben herausfordernd, hart, kompliziert und traurig machen. Doch wenn man den Rückhalt einer großartigen Familie hat, sich weiterhin einbringt und es immer wieder versucht – ganz im Sinne des Serientitels „Trying“ –, dann ist man erfolgreich, selbst wenn man ständig scheitert“, erläutert Spall. „Ich bin selbst Elternteil. Ich mache ständig Fehler. Den Figuren in der Serie geht es genauso, aber sie bleiben dran – und ich glaube, genau das macht Elternschaft aus: einfach für die anderen da zu sein.“
Als Zuschauer darf man erwarten, aus den allermeisten Folgen mit einem warmen Gefühl im Herzen herauszugehen. Wer allerdings in einer ähnlichen Lage wie das Serienpaar anfangs steckt, sollte sich auch auf einige mitfühlende, schwere Momente einstellen.
Diese Schauspieler prägen die Serie
Tragend für die Serie sind Esther Smith als Nikki und Rafe Spall als Jason. Sie sind auch im echten Leben ein Paar und haben ein gemeinsames kleines Kind. Das merkt man: Die beiden harmonieren als Serienpaar sehr gut und die Figuren, die sie darstellen, sind einfach liebenswert. Für Spall ist das einer der Gründe für den Erfolg: „Die Sendungen, die wir gerne sehen, haben Charaktere, mit denen wir einfach gerne Zeit verbringen.“
Ein Highlight ist quasi jeder Auftritt von Nikkis unnahbarer Schwester Karen (Siân Brooke) und ihrem Partner, dem egozentrischen Scott (Darren Boyd). Beide sind im sozialen Umgang gelinde gesagt schwierig und man wundert sich, wie die beiden zusammen sein können. Aber auch sie verbindet eine tiefe Zuneigung - und dass sie eben den anderen ertragen, was vielleicht keinem anderen gelingen könnte. Außerdem manövriert sich das etwas überzeichnete Paar immer wieder in die absurdesten Situationen.
Ab der zweiten Staffel wird die Weltauffassung der Serie erweitert: Mit Princess (erst Eden Togwell, dann Scarlett Rayner) und Tyler (Mickey McAnulty, dann Cooper Turner) kommen zwei Kinder dazu. Insbesondere ab Staffel vier, als sie Pubertierende sind, wird bewusst auch ihr Blick auf die Welt erzählt - und das ist ein großer Gewinn.
Ein besonderer Twist nach Staffel drei
Man konnte skeptisch sein, als nach einem augenscheinlichen Finale in Staffel drei die Serie fortgesetzt wurde - mit einer Handlung sechs Jahre weiter in der Zeit. „Es ist ein Konzept, das man nicht sehr oft sieht. Und ich glaube, es ermöglicht den Charakteren eine enorme Weiterentwicklung“, sagt Hauptdarsteller und Produzent Spall rückblickend.
„Auch ich persönlich habe mich in den letzten zehn Jahren sehr gewandelt; ich bin heute ein ganz anderer Mensch als vor zehn Jahren“, erläutert er im dpa-Interview. „Ich denke, damit eine Serie Bestand hat, müssen sich die Charaktere weiterentwickeln und verändern – und das Mittel des Zeitsprungs trägt dazu ganz wesentlich bei.“
Achtung, Spoiler: Das sollte nur lesen, wer Staffel vier gesehen hat
Die letzte Staffel endete mit einer Überraschung für Tochter Princess: Nachdem sie ihre lange abwesende leibliche Mutter erst erfolglos gesucht hatte, entdeckt sie, dass ihre Adoptivmutter Nikki sie schon längst getroffen hat. Und dann steht Kat (Charlotte Riley) auch noch vor ihrem Haus.
Nun bauen Princess und Kat eine sachte Beziehung zueinander auf - und unweigerlich muss auch die ganze Sippe Kat in ihrer Familie willkommen heißen. Nikki steht der leiblichen Mutter, die einst ihre kleinen Kinder verlassen hat, überaus skeptisch gegenüber und will Princess vor Enttäuschungen bewahren: „Sie ist nicht so mutig, wie ihr Augen-Make-up vermuten lässt.“ Allerdings gehört zum Teil der Wahrheit auch: Nikki hat Angst, als Mutter ersetzt zu werden.
Aber Nikki und Jason wären nicht diese beiden wunderbaren Menschen, wenn sie nicht alles versuchen würden, um auch diese Situation zu meistern - voller Liebe.
https://www.youtube-nocookie.com/embed/8-_Oxuozsw4