Panorama

Auch Zoos haben ein Problem mit Überalterung

In Tierparks gibt es immer mehr betagte Tiere und zu wenig Platz für Nachwuchs. Forscher halten mehr gezielte Tötungen für nötig.

Von dpa

21.01.2026

Galapagos-Schildkröte Mommy wurde mit fast 100 Jahren noch Mama.Matt Rourke/AP/dpa

Galapagos-Schildkröte Mommy wurde mit fast 100 Jahren noch Mama.Matt Rourke/AP/dpa

© Matt Rourke/AP/dpa

Nicht nur Gesellschaften, auch Zoos haben einer Studie zufolge Probleme mit Überalterung. Das gefährde die Erhaltung gefährdeter Arten, warnt das Team um Marcus Clauss von der Universität Zürich. Gezielte Tötungen seien nötig, um Platz für Jungtiere zu schaffen und so die weitere Fortpflanzung zu garantieren. 

„Wenn ich permanent neue Gehege bauen könnte, wäre diese Maßnahme vermutlich nicht nötig“, sagte Clauss der Deutschen Presse-Agentur. „Aber wenn ich in einer Welt mit begrenzten Gehegeplätzen alle Tiere bis ins hohe Alter halte, habe ich keinen Platz für die nächste Generation.“

Jungtiere sind süß und Publikumsmagneten - doch wohin mit ihnen, wenn sie größer werden? Holger Hollemann/dpa

Jungtiere sind süß und Publikumsmagneten - doch wohin mit ihnen, wenn sie größer werden? Holger Hollemann/dpa

© Holger Hollemann/dpa

Durchschnittsalter steigt seit Jahrzehnten

Die Forschenden haben 774 Säugetierpopulationen von Huftieren über Primaten bis zu Raubtieren in europäischen und nordamerikanischen Zoos über einen Zeitraum von 53 Jahren betrachtet. Über alle Arten hinweg sahen sie eine Zunahme von Populationen mit mehr älteren als jüngeren Tieren. Das Durchschnittsalter sei stetig gestiegen. Der Anteil sich noch fortpflanzender Weibchen sei in Europa bei 69 Prozent und in Nordamerika bei 49 Prozent der in Zoos gehaltenen Arten gesunken.

Eine alternde Population sei weniger widerstandsfähig etwa gegenüber Tierseuchen, warnen die Experten. Kleinere Gruppen mit weniger als 150 Tieren und wenig Fortpflanzung könnten bei einem Ausbruch ganz verschwinden. „Die Gefahr ist nicht, dass in zehn Jahren alle Zoo-Tiere weg sind“, sagte Clauss. „Aber der Trend ist so auffällig, dass man eine neue Strategie braucht.“ 

Die Tötung einiger Paviane im Tiergarten Nürnberg sorgte für viel Aufsehen.Daniel Karmann/dpa

Die Tötung einiger Paviane im Tiergarten Nürnberg sorgte für viel Aufsehen.Daniel Karmann/dpa

© Daniel Karmann/dpa

Akzeptanz in der Bevölkerung ist ein Problem

Es müsse mehr getan werden, damit gezielte Tötungen zum Wohl der nächsten Generation gesellschaftlich akzeptiert würden. „Die Zahlen zeigen, dass diese Option nicht oft genug gewählt wird“, so Clauss. In Deutschland gab es im Sommer 2025 zum Beispiel Proteste, weil im Tiergarten Nürnberg zwölf Paviane wegen Platzmangels getötet wurden. 

Erste Wahl sei es immer, ältere Tiere anderswo zu platzieren, aber die Zahl der Plätze sei begrenzt, teilte der Zoo Zürich mit. Deshalb seien gezielte Tötungen nötig. „Tötungen erfolgen immer gesetzeskonform, tierwohlgerecht und nach gründlicher Prüfung aller Optionen.“

Junge Tiere gibt es in Zoos anteilig immer seltener.Andreas Arnold/dpa

Junge Tiere gibt es in Zoos anteilig immer seltener.Andreas Arnold/dpa

© Andreas Arnold/dpa

Gorillas zählen zu den Arten, deren Erhalt hohe Priorität hat.Lilli Förter/dpa

Gorillas zählen zu den Arten, deren Erhalt hohe Priorität hat.Lilli Förter/dpa

© Lilli Förter/dpa

Viele Tiere werden im Zoo deutlich älter als im Mittel in der Wildbahn. -/Zoo Wuppertal/dpa

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© -/Zoo Wuppertal/dpa

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