280.000 Kilometer Stau – Autofahrer in NRW brauchen Geduld
Baustellen und sanierungsbedürftige Brücken sorgen in NRW für immer längere Staus. Die Autobahnen seien an der Belastungsgrenze, sagt der ADAC - und fordert schnelles Handeln.
Fahrzeug an Fahrzeug: Auto- und Lastwagenfahrer haben 2025 in NRW noch einmal mehr Zeit im Stau verbracht. (Archivbild)Rolf Vennenbernd/dpa
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Baustellen, Unfälle, marode Brücken: Autofahrer haben in Nordrhein-Westfalen im vergangenen Jahr noch einmal länger im Stau gestanden. Insgesamt 280.000 Kilometer Stau hat der ADAC auf den NRW-Autobahnen gemessen, drei Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Außerdem lösten sich Verkehrsstörungen langsamer auf als in der Vergangenheit: Auf 168.000 Stunden habe sich die Dauer der Verkehrsstörungen summiert - acht Prozent mehr als 2024, teilte der ADAC mit. Damit erreichten die Staus erstmals wieder annähernd das Niveau von 2019 vor der Corona-Pandemie.
„Extrem hohe Pendlerströme und ein starker Lkw-Transitverkehr bringen das Autobahnnetz zu den Stoßzeiten an die Belastungsgrenze“, sagte der Leiter des Fachbereichs Verkehr und Umwelt beim ADAC Nordrhein, Roman Suthold.
Baustellen bleiben weiterhin das Hauptproblem
Auch für dieses Jahr sei auf den Straßen keine Entspannung in Sicht. Es gebe einen gewaltigen Sanierungsstau. „Das Ergebnis sehen wir heute: Bröckelnde Brücken, kaputte Fahrbahnen und Engpässe, so weit das Auge reicht“, sagte Suthold.
In keinem anderen Bundesland werde so viel an den Straßen gearbeitet wie in NRW. Weit mehr als die Hälfte aller baustellenbedingten Verkehrseinschränkungen sei in NRW registriert worden. „Die Maßnahmen sind leider alternativlos, ohne Baustellen geht es nicht voran. Aber sie sorgen auch für maximalen Staufrust bei den Pendlern.“
Künftige Stau-Hotspots sieht der Verkehrsexperte etwa im Ruhrgebiet auf der A1 zwischen dem Kreuz Dortmund/Unna und dem Kamener Kreuz, auf dem Kölner Autobahnring (A1/A3/A4) oder zwischen Düsseldorf und Leverkusen. Überall dort stehen große Bauprojekte an.
Die Wiehltalbrücke auf der A4 zwischen Köln und Olpe bezeichnet der ADAC als „Sorgenkind“. (Archivbild)Rolf Vennenbernd/dpa
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Sorge um marode Brücken
Eine große Unbekannte seien die maroden Brücken: Etwa 30 Prozent der 6.152 Autobahnbrücken in NRW sind laut ADAC sanierungsbedürftig. Die größten Sorgenkinder seien die Wiehltalbrücke auf der A4 zwischen Köln und Olpe und die Bonner Nordbrücke auf der A565. „Wenn Brücken an zentralen Verkehrspunkten für Lkw oder sogar Pkw gesperrt werden müssen, hat das auch erhebliche Auswirkungen auf umliegende Autobahnen, Bundes- und Landstraßen“, betonte Suthold.
Die Politik müsse dafür sorgen, dass genügend Geld für dringende Sanierungsprojekte zur Verfügung stehe. „Autofahrer brauchen die Gewissheit, dass weitere Brückensperrungen vermieden und Engpässe schnellstmöglich ausgebaut werden“, forderte der ADAC-Verkehrsexperte.
Wie werden die Zahlen gemessen?
Die Messungen des ADAC beruhen auf Positions- und Geschwindigkeitsinformationen von Lkw-Flotten und Smartphone-Apps. Dabei wurden Staus und stockender Verkehr gezählt. Als Stau gilt ein Ereignis, wenn auf einem Autobahnabschnitt über eine gewisse Zeit die Geschwindigkeit unter 20 Stundenkilometer fällt, bis 40 Stundenkilometer spricht man von stockendem Verkehr. In die Längenbilanz fließen nur Störungen ab einem Kilometer ein, jeweils mit ihrer maximalen Ausdehnung.