dpa

Wirtschaftslage in Niedersachsen bleibt fragil

Leicht verbesserte Zahlen, aber keine echte Erholung: Die Unternehmen in Niedersachsen bleiben in einer neuen Umfrage zurückhaltend. Warum der jüngste Aufschwung auf wackligen Beinen steht.

Von dpa

09.10.2026

Von einem nachhaltigen Aufschwung kann nach Einschätzung der IHK Niedersachsen weiter keine Rede sein. (Symbolbild)Julian Stratenschulte/dpa

Von einem nachhaltigen Aufschwung kann nach Einschätzung der IHK Niedersachsen weiter keine Rede sein. (Symbolbild)Julian Stratenschulte/dpa

© Julian Stratenschulte/dpa

Die Wirtschaft in Niedersachsen hat sich im dritten Quartal leicht stabilisiert. Von einem nachhaltigen Aufschwung kann nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammer Niedersachsen (IHKN) aber weiter keine Rede sein. Der IHK-Konjunkturklimaindikator stieg gegenüber dem Vorquartal von 84 auf 87 Punkte. Der langjährige Durchschnitt liegt bei 101 Punkten. Es handelt sich demnach um den zweiten Anstieg in Folge. 

„Die Zahlen werden etwas besser, die Substanz dahinter noch nicht“, teilte IHKN-Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt mit. Der Standort kränkele weiter. Für einen nachhaltigen Schub brauche es mehr Wettbewerbsfähigkeit, mehr Investitionen und spürbare Verbesserungen der Rahmenbedingungen. „Die Unternehmen brauchen dringend Entlastungen, die nicht nur angekündigt, sondern auch umgesetzt werden“, erklärte Bielfeldt. 

Ein Drittel der Unternehmen erwartet Verschlechterung 

Die zuletzt nach oben korrigierten Wachstumsprognosen spiegeln sich der IHKN zufolge bisher nicht in den Einschätzungen der Unternehmen wider. 21 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage im dritten Quartal als gut. 55 Prozent der Betriebe sind unverändert zufrieden, fast ein Viertel stuft die Lage als schlecht ein. Im Vorquartal hatten 19 Prozent von einer guten und 26 Prozent von einer schlechten Geschäftslage berichtet. 

„Die Zahlen werden etwas besser, die Substanz dahinter noch nicht“, sagt IHKN-Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt. (Symbolbild)Holger Hollemann/dpa

„Die Zahlen werden etwas besser, die Substanz dahinter noch nicht“, sagt IHKN-Hauptgeschäftsführerin Maike Bielfeldt. (Symbolbild)Holger Hollemann/dpa

© Holger Hollemann/dpa

Auch der Blick nach vorn bleibt verhalten. Nur 11 Prozent erwarten eine bessere Geschäftsentwicklung, 56 Prozent rechnen mit einer gleichbleibenden Lage. Ein Drittel der Betriebe geht von einer Verschlechterung aus. Die Zahlen haben sich im Vergleich zum zweiten Quartal nur minimal verändert. 

Vorsichtig positive Signale kommen der Umfrage zufolge aus der Industrie. Die Auftragseingänge, Auftragsbestände und Exporterwartungen entwickelten sich besser als im Vorquartal. Das sorge für eine leichte Stabilisierung. Die Firmen zeigten sich bei Investitionen und Neueinstellungen aber zurückhaltend. Die Bauwirtschaft profitiere aktuell von Infrastrukturmaßnahmen, das Gastgewerbe von einer insgesamt „zufriedenstellenden Sommersaison“. Der Einzelhandel leidet hingegen weiter unter der schwachen Nachfrage der Verbraucher. 

Fast 2.000 Antworten ausgewertet 

Als größte Risiken nennen die Betriebe Energie- und Rohstoffpreise. Dahinter folgen der Umfrage zufolge wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen, die schwache Nachfrage im Inland, hohe Arbeitskosten und der Fachkräftemangel. Die Ergebnisse beruhen auf einer Befragung von Mitte September bis Anfang Oktober. Ausgewertet wurden fast 2.000 Unternehmensantworten. Die IHK Niedersachsen ist die Dachorganisation der Industrie- und Handelskammern im Land und vertritt nach eigenen Angaben mehr als 530.000 Unternehmen.

Karte