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Wie eine Sanitäterin einen „Hubschrauber mit Seele“ baut

Zwischen Gartenhütte und Feuerschale restauriert eine junge Frau einen ausrangierten Helikopter. Warum ihr Herz an der alten Maschine hängt - und sie trotzdem nie abheben wird.

Von Mirjam Uhrich (dpa)

30.01.2026

Ihre Liebe zu einer Fernsehserie hat Merle Lorenzen auf eine ungewöhnliche Idee gebracht.Kai Morschlatt/dpa

Ihre Liebe zu einer Fernsehserie hat Merle Lorenzen auf eine ungewöhnliche Idee gebracht.Kai Morschlatt/dpa

© Kai Morschlatt/dpa

Wo früher Erdbeeren im Garten wuchsen, bastelt Merle Lorenzen jetzt an ihrem Hubschrauber. Genauer gesagt an „Henriette“, einem ausrangierten Helikopter der Bundeswehr aus dem Jahr 1968. „Das ist Lilienthals größter Gartenzwerg“, sagt die 29-Jährige lachend. 

Der Rettungshubschrauber steht mitten in einer Wohnsiedlung in Lilienthal (Landkreis Osterholz), zwischen Feuerschale, Gartenhütte und den Backsteinhäusern der Nachbarn. Von außen ist er nahezu originalgetreu, eigentlich fehlen nur noch die Rotorblätter. „Die Bell UH-1D ist ein Klassiker“, schwärmt Lorenzen. „Es ist halt noch ein Hubschrauber mit Seele.“

Der Hubschrauber steht mitten im Garten einer Wohnsiedlung.Kai Morschlatt/dpa

Der Hubschrauber steht mitten im Garten einer Wohnsiedlung.Kai Morschlatt/dpa

© Kai Morschlatt/dpa

Eine Lieblingsserie mit Folgen

Der Helikopter ist bekannt aus Filmen und Serien. So ist auch Lorenzen zu ihrem besonderen Oldtimer gekommen. „Ich bin von klein auf Serienfan von den Rettungsfliegern gewesen“, erzählt die Rettungssanitäterin. Die Serie lief bis 2007 im ZDF. Ein Detail hatte es ihr dabei besonders angetan. „Diese orange Seitentür, die war einfach immer ikonisch.“

Vor vier Jahren erfüllte Lorenzen sich ihren Traum und kaufte die Seitentür, die wegen der Witterung inzwischen allerdings eher grau- als orangefarben ist. „Dann hat eins zum anderen geführt“, meint die 29-Jährige. Sie war so begeistert, dass sie immer mehr Teile online erstand - am Ende sogar einen kompletten Hubschrauber.

In jeder freien Minute schraubt die 29-Jährige an dem Hubschrauber.Kai Morschlatt/dpa

In jeder freien Minute schraubt die 29-Jährige an dem Hubschrauber.Kai Morschlatt/dpa

© Kai Morschlatt/dpa

Seitdem durchforstet die Lilienthalerin alte Unterlagen, holt sich Rat von Handwerkern und von Mitarbeitern eines Fliegerhorst-Museums. Wenn der Winter vorbei ist, möchte sie die Maschine weiter lackieren, konservieren und irgendwann auch den Rotor aufsetzen. In dem Hubschrauber stecken all ihre Leidenschaft, ihr Erspartes und ihre Freizeit. „Natürlich ist da Herzblut drin.“

Ohne Hilfe geht’s nicht

Ihre Partnerin Mareike Baltrusch unterstützt sie, so gut sie kann. Beide verbindet das Interesse für die Technik. Nicht selten fahren sie gemeinsam quer durch die Republik bis zum Bodensee, um ein passendes Ersatzteil zu ergattern. „Oft braucht man auch mal mehr als zwei Hände dabei, und da versuche ich, so gut es geht mitzuhelfen“, sagt Baltrusch. Auch ihre Eltern, in deren Garten der Helikopter steht, packen mit an. 

Seit ein paar Monaten helfen noch vier Schüler. Wenn der Unterricht vorbei ist, gehen sie ab und zu in den angrenzenden Garten und schrauben mit Merle Lorenzen an der Maschine. „Ein bisschen unglaublich, dass direkt neben der Schule im Vorgarten irgendwo ein Helikopter steht“, sagt Jan. „Es ist immer wieder erstaunlich, wie groß das Teil eigentlich ist.“ 

Inzwischen helfen auch einige Schüler mit, den Hubschrauber zu restaurieren.Kai Morschlatt/dpa

Inzwischen helfen auch einige Schüler mit, den Hubschrauber zu restaurieren.Kai Morschlatt/dpa

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Der 14-Jährige kümmert sich vor allem um die Elektronik. „Das fasziniert mich“, meint Jan. Dabei saß er selbst noch nie in einem Hubschrauber. „Es wär schon mal interessant, so was zu fliegen.“

Warum der Helikopter niemals fliegen wird

Doch „Henriette“ wird nie mehr in die Luft steigen. Knöpfe und Schalter funktionieren längst nicht mehr, Kabel sind durchschnitten. „Das ist eine alte Dame“, meint Lorenzen liebevoll. All die Technik im Innenraum wiederherzustellen, wäre zu aufwendig und kostspielig. 

Die 29-Jährige winkt ab. „Ich habe eine gewisse Höhenangst“, gesteht sie. „Mir reicht das schon aus, wenn ich obendrauf bin und der Wind dann mal weht und die Maschine ins Wackeln kommt.“ Stattdessen soll der Hubschrauber in ein paar Jahren als Denkmal ausgestellt werden.

So ganz hat Merle Lorenzen den Traum vom Fliegen aber nicht aufgegeben. Sie hofft, eines Tages virtuell abheben zu können. Dafür müsste sie einen Simulator einbauen. „Um einfach ein bisschen nebenbei fliegen zu können.“

Merle Lorenzen bekommt bei ihrem besonderen Hobby Unterstützung von ihrer Partnerin.Kai Morschlatt/dpa

Merle Lorenzen bekommt bei ihrem besonderen Hobby Unterstützung von ihrer Partnerin.Kai Morschlatt/dpa

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