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Wie die ersten Vorbereitungen für den Marinehafen laufen

Noch ist es eine grüne Wiese, doch schon bald sollen dort die ersten Schiffe anlegen: Die Marine plant einen neuen Hafen in Ostfriesland - und dafür laufen schon die ersten Vorbereitungen.

Von dpa

20.10.2026

Auf freier Wiese soll in den nächsten Jahren ein Marinehafen gebaut werden. (Archivbild)Lars Penning/dpa

Auf freier Wiese soll in den nächsten Jahren ein Marinehafen gebaut werden. (Archivbild)Lars Penning/dpa

© Lars Penning/dpa

Die Tinte unter dem Vertrag ist getrocknet, jetzt gehen die ersten Vorbereitungen los: Die Marine möchte im ostfriesischen Emden einen neuen Hafen bauen - und das wird auf freier Fläche binnen kürzester Zeit eine Herausforderung für alle Beteiligten. „Klar ist schon heute, dass ein Projekt dieser Größenordnung Unterstützung aus vielen Bereichen benötigen wird“, sagte eine Sprecherin der landeseigene Hafeninfrastrukturgesellschaft Niedersachsen Ports (NPorts).

Wer packt mit an? Fachkräfte gesucht

Das fange schon beim Personal an, heißt es von NPorts. Noch lasse sich schwer einschätzen, wie viele Menschen bei der Planung und beim Bau des neuen Hafens eingespannt sein werden. „Welcher zusätzliche Personalbedarf entsteht, hängt wesentlich vom Tempo und vom konkreten Umfang des Projekts ab“, erklärte die Sprecherin. 

NPorts hat nach eigenen Angaben zwar Erfahrung mit der Entwicklung von komplexer Hafeninfrastruktur, dafür ist das „Team Großprojekte“ spezialisiert. Solche Projekte seien immer individuell auf den Standort, die Nutzung und die Anforderungen zugeschnitten. „Eine Besonderheit ist allerdings, dass die Marine ein zentraler Projektpartner ist“, meinte die NPorts-Sprecherin. „Das heißt, spezifische Anforderungen an zum Beispiel Sicherheit werden mit eingebracht.“

NPorts erhofft sich bald Klarheit von den anstehenden Planungsgesprächen. Doch schon jetzt hört sich die Hafengesellschaft um. „Wer als Ingenieurin, Ingenieur, Planerin oder Planer an unseren außergewöhnlichen Hafenprojekten mitarbeiten möchte, ist ausdrücklich eingeladen, sich bei Niedersachsen Ports zu bewerben“, sagte die Sprecherin.

 „Einen neuen Marinestützpunkt gibt es nicht im Baumarkt“

Die Planung und der Bau des neuen Hafens sind eine Herausforderung. (Archivbild)Sina Schuldt/dpa

Die Planung und der Bau des neuen Hafens sind eine Herausforderung. (Archivbild)Sina Schuldt/dpa

© Sina Schuldt/dpa

Noch sind kaum Details zu den Vorstellungen der Marine bekannt. Nur so viel: Für den neuen Hafen seien Flächen von bis zu 450 Hektar nötig, wie Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) Anfang Oktober bei der Unterzeichnung der Absichtserklärung verkündete. Das entspricht etwa 630 Fußballfeldern. An dem neuen Stützpunkt sollen bis zu 2.000 Menschen sowie Versorgungs- und Unterstützungsschiffe stationiert werden.

Aus Sicht des Verteidigungsministers bietet Emden dafür ideale Voraussetzungen. Der neue Hafen soll auf dem sogenannten Rysumer Nacken entstehen, einer Hafenerweiterungsfläche an der Ems westlich der Stadt und im Eigentum des Landes. Sie soll nun an den Bund verkauft werden. 

Die Pläne sind ambitioniert: Der neue Marinehafen soll schon Anfang der 2030er Jahre einsatzbereit sein, wie Pistorius ankündigte. Bis dahin seien noch dicke Bretter zu bohren. „Einen neuen Marinestützpunkt gibt es nicht im Baumarkt.“

Niedersachsens Regierungschef Olaf Lies (SPD) zeigte sich bei der Unterzeichnung der Absichtserklärung jedoch zuversichtlich. Niedersachsen habe bei Infrastrukturvorhaben nachgewiesen, dass das Land „schnell entscheiden, zügig genehmigen und verlässlich bauen“ könne.

Marine, Verteidigungsministerium und Land haben große Pläne für den Standort in Emden. (Archivbild)Sina Schuldt/dpa

Marine, Verteidigungsministerium und Land haben große Pläne für den Standort in Emden. (Archivbild)Sina Schuldt/dpa

© Sina Schuldt/dpa

Neue Großbaustelle - Was das für andere Häfen bedeutet

Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass die Herausforderungen, die das neue Großprojekt mit sich bringt, auch an anderen Hafenstandorten spürbar werden. Die Hafengesellschaft NPorts kündigte an, ihre bisherige Projektplanung für die kommenden fünf bis zehn Jahre zu überprüfen und bei Bedarf anzupassen. „Wir werden uns sehr genau ansehen, welche Maßnahmen zeitlich flexibel sind“, teilte die Sprecherin mit. „Das kann insbesondere einzelne Sanierungs- oder Straßenbaumaßnahmen betreffen, sofern deren Verschiebung fachlich vertretbar ist.“

Trotzdem sollen andere Häfen in Niedersachsen nicht darunter leiden. „Unsere Aufgabe ist es, gleichzeitig dafür zu sorgen, dass unsere Hafenstandorte leistungsfähig bleiben und ihre jeweiligen Aufgaben zuverlässig erfüllen“, teilte NPorts weiter mit. Schließlich verfügen auch die anderen Standorte über bedeutende Wirtschafts-, Energie- und Sicherheitsinfrastruktur.

Warum die Marine einen zweiten Hafen an der Nordsee braucht

Bis 1997 gab es in Emden schon einmal einen Marinestützpunkt. Derzeit ist der Marinehafen in Wilhelmshaven - der Marinestützpunkt Heppenser Groden - aber der einzige an der Nordseeküste. Es ist der bisher größte Bundeswehr-Standort überhaupt. Neben dem Marinestützpunkt zählen dazu unter anderem ein Marinearsenal und ein Logistikzentrum. Am Marinestützpunkt ist die Einsatzflottille 2 stationiert - einer von drei Großverbänden der Marine. Dazu gehören Fregatten, Einsatzgruppenversorger und Flottentanker.

Mit einem zweiten Hafen an der Nordsee erhofft sich die Seeflotte mehr Flexibilität. Verteidigungsminister Pistorius zeigte sich von der Bedeutung des neuen Hafens überzeugt. „Damit sind wir im Ernstfall schwerer ausrechenbar und erhöhen unsere operativen Möglichkeiten. Darauf kommt es letztlich an“, sagte Pistorius.

Besser ist die Marine an der Ostsee aufgestellt: Dort gibt es mit Kiel (Sitz des Minensuchgeschwaders, des Unterstützungsgeschwaders, der Einsatzflottille 1 und eines Nato-Think-Tanks), Eckernförde (Heimathafen der sechs deutschen U-Boote) und Rostock (Sitz des Marinekommandos und des 1. Korvettengeschwaders in Warnemünde) gleich drei Häfen.

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