Wie Sachsens Erdbeerbauern auf den Saisonstart blicken
Zum Beginn der Erdbeersaison erwarten die Betriebe in Sachsen eine gute Ernte – trotz leichter Frostschäden. Doch steigende Kosten und fehlende Saisonkräfte setzen die Branche zunehmend unter Druck.
In Sachsen hat die Erdbeersaison begonnen – der Auftakt wurde auch mit der sächsische Blütenkönigin Alida-Nadine Kühne gefeiert.Sebastian Kahnert/dpa
© Sebastian Kahnert/dpa
Die Erdbeersaison ist eingeläutet: Der sächsische Obstbauverband blickt optimistisch auf die Saison. „Wir bauen im Verbandsgebiet 175 Hektar Erdbeeren an und erwarten eine gute Ernte bei guten Qualitäten von etwa 1400 Tonnen“, sagte Verbandschef Jörg Geitel beim offiziellen Saisonstart in Zittau. „Jetzt geht es richtig los.“ Man habe ein gutes Gefühl. Die Preise würden sich am vergangenen Jahr orientieren und zwischen 4,50 Euro und 6,50 Euro pro 500 Gramm liegen.
Wie hoch schätzen Landwirte die Nachfrage ein?
Knapp drei Kilogramm Erdbeeren verzehren die Sachsen pro Kopf und Jahr, teilt das sächsische Agrarministerium in Dresden mit. Die Erdbeere gehört zudem zu den am häufigsten gekauften Obstkulturen in Deutschland.
Der Absatz an Erdbeeren im Handel sei bislang gut, sagte Geitel. „Bisher war noch wenig deutsche Ware am Markt. In den Hofläden gibt es wenig Konkurrenzdruck von europäischen Nachbarn.“ Druck entstehe durch Konkurrenz aus Polen und Spanien vor allem im Einzelhandel.
Die Obstbauern erwarten zum Saisonstart eine gute Ernte.Sebastian Kahnert/dpa
© Sebastian Kahnert/dpa
Wie haben sich Ernte und Anbaufläche in Sachsen entwickelt?
Die Erdbeere ist das dominierende Beerenobst im sächsischen Obstbau. Die Angaben über die Anbaufläche schwanken. Das sächsische Agrarministerium beziffert die Fläche auf 240 Hektar. Der Verband gab für dieses Jahr einen Anbau auf 175 Hektar an.
Jedoch gab es in den vergangenen Jahren einen rückläufigen Trend. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes ist die Anzahl der Betriebe, die Erdbeeren anbauen, binnen zehn Jahren um 21 auf 70 zurückgegangen. Deutlich drastischer hat sich die Erntemenge reduziert, hieß es. 2015 lag sie noch bei mehr als drei Tonnen, für dieses Jahr wird nicht einmal die Hälfte davon erwartet.
Welchen Einfluss hat das Wetter auf die Ernte?
Geitel räumte an, dass die Frostnächte Ende April zu leichten Frostschäden geführt haben. Das werde sich zwar etwas auf den Ertrag auswirken, schlage aber nicht groß zu Buche.
Der Fachkräftemangel macht sich auch beim Erdbeeranbau bemerkbar, berichten die Landwirte.Sebastian Kahnert/dpa
© Sebastian Kahnert/dpa
Gibt es für die Ernte ausreichend Saisonkräfte?
Bei der Erdbeerernte kann der Bedarf wie auch in anderen Bereichen der Landwirtschaft und des Obstbaus nicht mit heimischen Arbeitskräften gedeckt werden. Laut Arbeitsagentur machen Arbeitskräfte aus dem Ausland rund ein Viertel der Saisonjobs in der hiesigen Landwirtschaft aus. Die meisten kommen aus Osteuropa, vor allem aus Rumänien, Polen, Bulgarien und Tschechien.
Vor allem im Obst- und Gemüseanbau steigt ab dem Frühjahr der Bedarf an Saisonkräften für einige Wochen oder Monate – etwa zur Erdbeer- oder Spargelernte sowie im Weinbau. „Der Bedarf an Saisonkräften steigt üblicherweise ab März an, die Spitzen liegen zwischen April und September“, so die Arbeitsagentur. Im September 2025 waren rund 4.000 Menschen als Saisonarbeiter in der sächsischen Landwirtschaft beschäftigt.
Saisonkräfte würden nicht nur für die Ernte, sondern auch für Pflegearbeiten benötigt, erklärt Thomas Emmrich von der Agrargenossenschaft Naundorf-Niedergoseln bei Oschatz: „Diese in Deutschland zu finden, wird auch für uns immer mehr zum Problem, deshalb setzen wir schon sehr lange auf ausländische Helfer.“ Aktuell seien es in seinem Betrieb 15 Arbeitskräfte, hauptsächlich aus Rumänien. „Wenn wir die nicht hätten, wäre es wirklich schwierig und wir sind froh, dass sie bei uns arbeiten.“