Weltkriegsbombe in Pforzheim – 30.000 Menschen evakuiert
In Pforzheim ist eine 1,8-Tonnen-Bombe entdeckt worden. Rund 30.000 Menschen mussten bis 8.00 Uhr den Sperrradius um die Fundstelle verlassen. Wie verläuft der Einsatz?
Rund 1.500 Einsatzkräfte helfen bei der Evakuierung.Marius Bulling/dpa
© Marius Bulling/dpa
Nach dem Fund einer Weltkriegsbombe in Pforzheim haben am Morgen zwischen rund 27.000 bis 30.000 Menschen ihre Wohnungen und Häuser verlassen. Die Evakuierung sei praktisch abgeschlossen, dann könne mit der Entschärfung des Sprengkörpers begonnen werden, sagte ein Stadtsprecher.
Die Räumungsaktion war planmäßig verlaufen. Nur vereinzelt hatten sich Menschen am Vormittag laut Polizei geweigert, den Sperrbereich zu verlassen. Damit habe man jedoch bei einer Evakuierung in dieser Größenordnung gerechnet. Rund 1.500 Kräfte unter anderem von Polizei, Feuerwehr und DRK sind im Einsatz.
Wie lange die eigentliche Entschärfung der Bombe nun dauert, ist offen, wie der Stadtsprecher sagte. Ein Team von fünf Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes stehe bereit und werde sich demnächst an die Arbeit machen.
Die reine Explosivstoffmasse der ungewöhnlich großen Bombe beträgt rund 1,35 Tonnen. Betroffen von der Räumung waren Menschen in einem Radius von 1,5 Kilometern rund um die Fundstelle an der Ecke Dammstraße/Stückelhäldenstraße. Die Bombe vom Typ HC-4000 wurde den Angaben der Stadt zufolge bei Bauarbeiten am Quartierspark in der Oststadt gefunden.
In Pforzheim steht die Entschärfung einer Weltkriegsbombe bevor.Marius Bulling/dpa
© Marius Bulling/dpa
Einschränkungen im Bahnverkehr - Autobahn frei
Von den Maßnahmen ist ein Teil der Innenstadt betroffen, auch der Bahnverkehr in Richtung Karlsruhe und Stuttgart wird stark eingeschränkt. Der ÖPNV fällt zum Teil aus. Die Autobahn hingegen ist nicht betroffen und kann befahren werden. Auch das Helios-Krankenhaus sei nicht betroffen, hieß es.
Über die weiteren Maßnahmen informiert die Stadt Pforzheim über ihre Homepage und in den sozialen Medien. Auch über die Entschärfung der Bombe soll die Öffentlichkeit dort auf dem Laufenden gehalten werden. Das Ganze könnte sich laut einem Sprecher bis in den Abend ziehen.
Laut Bombenentschärfer Mathias Peterle, der sich gegenüber dem SWR äußerte, ist eine Bombe in dieser Größe zwar nichts Alltägliches für die Experten. Die Zünder aber seien bekannt. „Jeder von uns hat die schon zigmal ausgebaut. Von daher ist es nichts Neues und nichts, was uns in Unruhe versetzen würde“, sagte er dem SWR.
Die Weltkriegsbombe war bei Bauarbeiten entdeckt worden. „Es besteht derzeit keine akute Gefahr für die Bevölkerung“, hatte die Stadt erklärt. Oberbürgermeister Peter Boch (CDU) sagte laut einer Mitteilung: „Unsere Stadt steht vor einer außergewöhnlichen Herausforderung – und sie ist gut darauf vorbereitet.“ Die Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Kampfmittelbeseitigungsdienst arbeiteten mit höchster Professionalität.
Einzelne Bewohner wollten den Sperrbezirk zunächst nicht verlassen.Marius Bulling/dpa
© Marius Bulling/dpa
Bombardement am 23. Februar 1945
Die Royal Air Force hatte Pforzheim im Zweiten Weltkrieg bombardiert. Am 23. Februar 1945 wurde die Stadt innerhalb von nur 22 Minuten weitgehend in Schutt und Asche gelegt, rund 18.000 Menschen starben.
Alljährlich findet am Jahrestag ein traditionelles Gedenken auf dem Hauptfriedhof statt. Während der 22 Minuten des Angriffs läuten ab 19.50 Uhr alle Kirchenglocken der Stadt.