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Busse und Bahnen stehen wegen Warnstreiks still

Kälte, glatte Wege und Geister-Trams: Wie Berliner trotz Stillstand bei Bus oder U-Bahn zur Arbeit kommen. Und warum BVG-Streikposten an Feuern ausharren.

Von dpa

02.02.2026

In Berlin trifft der Warnstreik bei der BVG den Bus-, U-Bahn- und Tramverkehr.Sebastian Christoph Gollnow/dpa

In Berlin trifft der Warnstreik bei der BVG den Bus-, U-Bahn- und Tramverkehr.Sebastian Christoph Gollnow/dpa

© Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Wegen eines ganztägigen Warnstreiks bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) müssen die Menschen in der Hauptstadt seit dem Morgen auf U-Bahn, Tram und die meisten Busse verzichten. Der Ausstand traf zunächst Berufspendler, die bei eisigen Temperaturen und weiter glatten Gehwegen trotzdem irgendwie zur Arbeit kommen müssen.

Der Warnstreik im Zuge eines bundesweiten Aktionstags von Verdi soll bis Betriebsschluss andauern. In Brandenburg werden mehr als ein Dutzend kommunale Verkehrsunternehmen bestreikt. Die S-Bahn, die von der Deutschen Bahn betrieben wird, fährt dagegen planmäßig und hat angekündigt, ihr Angebot wegen des Ausstands bei der BVG leicht auszubauen.

Verdi will Druck machen

Mit dem Arbeitskampf will die Gewerkschaft Verdi in der laufenden Tarifrunde mit der BVG ihren Forderungen Nachdruck verleihen. Verhandelt wird in der Hauptstadt um bessere Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten.

Verdi-Verhandlungsführer Serat Canyurt verteidigte den Warnstreik. „Unsere Priorität ist, am Verhandlungstisch voranzukommen“, sagte er am Morgen der Deutschen Presse-Agentur. Aber bei den Tarifverhandlungen habe sich der Arbeitgeber bisher geweigert, sich mit den seit zwei Monaten vorliegenden Forderungen der Gewerkschaft wirklich auseinanderzusetzen. „Da bleibt uns keine andere Wahl.“

Streikposten am Feuer

Die Beteiligung am Warnstreik sei seit dem Start um 3.00 Uhr gut, so Canyurt. An Betriebshöfen für Busse oder Trams, in U-Bahn-Depots, an Werkstätten oder der BVG-Hauptverwaltung standen Streikposten. Etliche wärmten sich an offene Feuern. Die Beschäftigten seien entschlossen, für ihre Forderungen einzutreten und den Druck auf den Arbeitgeber zu erhöhen, sagte Canyurt.

An etlichen Betriebshöfen der BVG stehen Streikposten.Sebastian Christoph Gollnow/dpa

An etlichen Betriebshöfen der BVG stehen Streikposten.Sebastian Christoph Gollnow/dpa

© Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Die BVG kritisierte den ganztägigen Warnstreik als „unverhältnismäßige Eskalation“. „Die Arbeitgeberseite ruft die Gewerkschaft Verdi auf, gemeinsam am Verhandlungstisch nach realistischen Lösungen zu suchen, die Arbeitsbedingungen der Mitarbeitenden nachhaltig weiter zu verbessern.“

Berufspendler haben es schwer 

Für viele Berlinerinnen und Berliner bedeutet der Warnstreik bei rund minus acht Grad eine große Belastung - zumal er nicht als Ausrede dienen kann, einfach der Arbeit fernzubleiben. „Ich hatte ein bisschen Schwierigkeiten, heute zur Arbeit zu kommen“, sagte eine Frau am frühen Morgen am Alexanderplatz.

U-Bahnhöfe sind wegen des Warnstreiks bei der BVG abgeschlossen.Sebastian Christoph Gollnow/dpa

U-Bahnhöfe sind wegen des Warnstreiks bei der BVG abgeschlossen.Sebastian Christoph Gollnow/dpa

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„Ich musste eine Stunde früher los, bin um 4.00 Uhr aufgestanden. Ich musste erst laufen, dann S-Bahn, dann eine andere S-Bahn“, schilderte sie. „Und jetzt muss ich noch mal 20 Minuten laufen.“ Sie ärgere sich ein bisschen, vor allem weil der Boden so glatt sei. Eine andere Frau sagte: „Es ist ok. Ich bin mit der S-Bahn gekommen. Das mache ich normalerweise nicht, aber ging nicht anders.“ 

Schüler haben Ferien

Manche Berlinerinnen und Berliner, die nicht zum ersten Mal einen Warnstreik erlebten, bildeten Auto-Fahrgemeinschaften. Andere blieben im Home-Office. Viele haben auch frei, weil sie in den Winterferien mit den Kindern verreist sind. Schüler müssen also auch nicht zur Schule.

Geister-Trams unterwegs

Ein etwa seltsames Bild boten Straßenbahnen, die schon seit dem frühen Morgen ohne Fahrgäste unterwegs sind. So soll verhindert werden, dass Oberleitungen aufgrund der Kälte erneut einfrieren. In der vergangenen Woche war es aus diesem Grund tagelang zu erheblichen Einschränkungen gekommen. Deshalb hatten Verdi und BVG einen entsprechenden Kompromiss geschlossen.

Manche Trams sind leer unterwegs, damit die Oberleitungen nicht einfrieren.Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Manche Trams sind leer unterwegs, damit die Oberleitungen nicht einfrieren.Sebastian Christoph Gollnow/dpa

© Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Ausfälle in Cottbus oder Potsdam

Auch im öffentlichen Nahverkehr in Brandenburg machen die Beschäftigten Druck, viele tausend Berufspendler sind von den Warnstreiks in kommunalen Verkehrsbetrieben betroffen. Die Beteiligung der Beschäftigten sei gut, sagte Verdi-Verhandlungsführerin Andrea Germanus der dpa. Die Auswirkungen auf den Verkehr seien regional unterschiedlich.

Der Ausstand trifft unter anderem die großen Verkehrsbetriebe in Potsdam und Cottbus. Obendrein rief die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zu einem Warnstreik zwischen 7.00 und 9.30 Uhr mit Auswirkungen auf Regionalzüge im Nordwesten auf.

Tarifverhandlungen überall in Deutschland

Verdi verhandelt derzeit in allen Ländern parallel mit den Verkehrsunternehmen über neue Tarife. In Brandenburg geht es dabei auch um mehr Geld. In Berlin wiederum wird der Manteltarifvertrag neu verhandelt, der die Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten regelt. In bisher zwei Gesprächsrunden kam aber keine Annäherung zustande.

Verdi fordert für rund 16.000 BVG-Beschäftigte unter anderem eine Begrenzung der Schichtlänge auf zwölf Stunden, mehr Urlaubstage, eine Mindestruhezeit zwischen den Schichten von elf Stunden sowie mehr Urlaubsgeld mit Umwandlungsmöglichkeit in freie Tage. Auch eine längere Wendezeit zwischen den einzelnen Fahrten strebt die Gewerkschaft an.

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