Storchen-Küken tot - Plastikmüll als Ursache?
Ein Storchenpaar in der Pfalz ist vielen bekannt, denn sein „Familienleben“ wird rund um die Uhr online gezeigt. Nun eine traurige Botschaft - die auf ein grundsätzliches Problem aufmerksam macht.
Auf dem Dach der Protestantischen Kirche in Freinsheim lebt noch ein Storchen-Junges.Handout / Berlin/Storchenkamera Freinsheim/dpa
© Handout / Berlin/Storchenkamera Freinsheim/dpa
Zwei Wochen nach der Rettung eines Storchenkükens vom Dach einer Kirche in Freinsheim (Kreis Bad Dürkheim) gibt es traurige Nachrichten. Eines der ursprünglich drei Küken ist gestorben - vermutlich aufgrund von Plastikmüll, wie Marie-Louise Wiesenbach mitteilte, die mit ihrem Mann Florian Graus eine Storchenkamera betreibt. Allein im Mai gab es ihren Angaben zufolge knapp 48.000 Zugriffe auf die Aufnahmen.
Nach einem Hinweis, dass ein Küken apathisch im Nest liege, habe sie die Aufnahmen zurückverfolgt: Dabei ließ sich erkennen, dass das Tier versucht hatte, eine Mahlzeit herauszuwürgen - was nicht gelang. Dem Experten Christian Reis vom Storchenzentrum Bornheim zufolge könne die Ursache ein Fremdkörper wie Plastik, Gummis, Silikon oder ein Pilz sein, der auf den Lungen wachse. „So etwas passiert in jedem zweiten Nest.“
Tödliche Gefahr von Feldern und Weinbergen
Der Kreis Bad Dürkheim hatte kürzlich darauf hingewiesen, dass Gummibänder und anderer Müll auf den Feldern und in den Weinbergen eine Gefahr für Tiere seien. „Viele Vögel, gerade auch junge Störche, sterben an den unverdaulichen Kunststoffen, die keinen Platz mehr für Nahrung lassen.“
Wiesenbach zufolge standen die Chancen zunächst 50:50, dass das Küken überlebt. Nun sei zu erwarten, dass eines der Elterntiere es aus dem Nest wirft - auch, um keine Fressfeinde anzulocken. Das tote Tier mit Hilfe einer Drehleiter zu holen, komme nicht infrage. Reis weist darauf hin, dass es grundsätzlich verboten sei, an ein Storchennest zu gehen. „Ausnahme sind eine Beringung und wenn wirklich ein Jungstorch in Gefahr ist - wie zum Beispiel, wenn er sich sichtlich mit einer Schnur oder ähnlichem stranguliert.“
Happy End nach Sturz in Dachrinne
Einem der Küken konnte aufgrund der Kamera geholfen werden. Vor zwei Wochen war nach dem Hinweis eines Betrachters die Feuerwehr angerückt, um das kleinste der drei Küken zu retten, das von den Eltern aus dem Nest geworfen worden war. Feuerwehrleute hatten es in der Dachrinne geborgen. Inzwischen befindet es sich im „Storchenkindergarten“ in Bornheim.
Mit Tausenden Fans der Storchenkamera hofft Marie-Louise Wiesenbach nun, dass sich das letzte Küken weiter gut entwickeln wird.