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Söder: Sudetendeutscher Tag in Brünn ein historisches Signal

Die einst Vertriebenen und ihre Nachkommen treffen sich in der verlorenen Heimat. Das ist in Tschechien nicht unumstritten. Kein einfaches Parkett für den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder.

Von Michael Heitmann, dpa

24.05.2026

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach beim 76. Sudetendeutschen Tag in Brünn (Brno). Uhlíø Patrik/CTK/dpa

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sprach beim 76. Sudetendeutschen Tag in Brünn (Brno). Uhlíø Patrik/CTK/dpa

© Uhlíø Patrik/CTK/dpa

Gegenprotesten zum Trotz hat der erstmals in Tschechien ausgetragene Sudetendeutsche Tag ein Zeichen der Versöhnung gesetzt. Das traditionelle Vertriebenentreffen zu Pfingsten erreichte auf dem Messegelände in Brünn (Brno) seinen Höhepunkt. Dabei waren auch viele tschechische Besucher. „Das ist ein großes Friedensfest“, sagte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) in seiner Rede. Er sprach von einem historischen Tag und einem historischen Signal. Die Sudetendeutschen seien „absolute Brückenbauer“, die keine Revanche forderten. 

Nach dem Zweiten Weltkrieg und den Schrecken der Nazi-Besatzungszeit wurden rund drei Millionen Deutsche aus der damaligen Tschechoslowakei vertrieben. Seit 1950 kommt ein Teil von ihnen jährlich zu Pfingsten zusammen. Bayern übernahm 1954 die Schirmherrschaft über die Volksgruppe.

„Wir haben eine klare Botschaft - und diese Botschaft ist eine Botschaft nicht des Hasses, sondern der Liebe“, sagte der Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, Bernd Posselt. Der CSU-Politiker betonte: „Wir sind hier nicht, um etwas zu fordern, wir sind hier, um etwas zu geben.“

Gegenproteste und Kritik

Die Vertriebenenveranstaltung ist in Tschechien umstritten. Hunderte Teilnehmer einer Gegenkundgebung zogen zeitgleich durch die Innenstadt der südmährischen Universitätsstadt. Sie hielten Spruchbänder mit Texten wie „Sie sind hier nicht willkommen“ hoch. 

Hunderte zogen bei dem Protestmarsch gegen den Sudetendeutschen Tag durch Brno (Brünn).·álek Václav/CTK/dpa

Hunderte zogen bei dem Protestmarsch gegen den Sudetendeutschen Tag durch Brno (Brünn).·álek Václav/CTK/dpa

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Minister der tschechischen Regierung unter dem Rechtspopulisten und Milliardär Andrej Babiš blieben dem Vertriebenentreffen fern. Babis sprach von einer unglücklichen Angelegenheit. Das Abgeordnetenhaus sprach sich in einer Entschließung mehrheitlich gegen Tschechien als Austragungsort aus. Ex-Präsident Miloš Zeman kritisierte, dass die Sudetendeutschen ein fanatischer Teil der nationalsozialistischen Bewegung gewesen seien.

Karlspreis an Milan Uhde

Der tschechische Schriftsteller und frühere Dissident Milan Uhde nahm den Europäischen Karlspreis der Sudetendeutschen Landsmannschaft entgegen. Posselt lobte ihn als einen „Herzensfreund der Sudetendeutschen und großen Europäer“. Der 89 Jahre alte Uhde war Kulturminister, Parlamentspräsident und einer der Erstunterzeichner der Charta 77 der Bürgerrechtsbewegung um den Dramatiker und späteren Präsidenten Václav Havel (1936-2011).

Bernd Posselt (r), Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, mit dem Schriftsteller Milan Uhde (l), dem diesjährigen Preisträger des Europäischen Karlspreises der Sudetendeutschen, an einem Tisch.Michael Heitmann/dpa

Bernd Posselt (r), Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe, mit dem Schriftsteller Milan Uhde (l), dem diesjährigen Preisträger des Europäischen Karlspreises der Sudetendeutschen, an einem Tisch.Michael Heitmann/dpa

© Michael Heitmann/dpa

Die Auszeichnung geht an Personen, die sich in besonderer Weise um die Völkerverständigung und um die europäische Einheit verdient gemacht haben. Benannt ist der Preis nach dem römisch-deutschen Kaiser und böhmischen König Karl IV., der von 1316 bis 1378 lebte.

Berührende Rede

Das Dialogfestival „Meeting Brno“ hatte die Sudetendeutschen nach Brünn eingeladen. Auch rund 1.500 Tschechen meldeten sich für das Begegnungsfest an. Die Brünner Oberbürgermeisterin Marketa Vankova begrüßte die Gäste aus Deutschland persönlich als „liebe Nachbarn“ und fand Worte des Bedauerns für die Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg: „Unrecht lässt sich nicht durch weiteres Unrecht aufheben“, sagte die Politikerin. Gleich, ob man Tschechisch oder Deutsch spreche, gehe es immer um konkrete menschliche Schicksale. Sie zeigte sich überzeugt davon, dass Versöhnung keine Schwäche, sondern eine Stärke sei.

Söder erzählt von seinem Onkel

Söder betonte, Bayern und Tschechien seien nach dem Ende des Kalten Krieges heute wieder das, was sie früher gewesen seien: das Herzstück Europas. Er wandte sich gegen „Nationalismus, Ressentiments, Angriffe aufeinander, antidemokratische Strukturen“. Söder erzählte aus seiner Familiengeschichte: „Ein Onkel von mir kam auch aus dem Sudetenland, der Onkel Willy.“ Er habe es sehr lange sehr schwer gehabt. Mitgebracht habe er wenig Materielles, aber dafür sein Wissen, seine Erinnerung, ein starkes Herz - und die Bereitschaft, neu anzufangen.

Bereits am Samstag hatte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) es als ein „historisches Ereignis“ bezeichnet, dass der Sudetendeutsche Tag in Brünn abgehalten werden könne. Es sei zudem ein „monumentaler Glücksmoment“ für eine junge Generation von Tschechen, Sudetendeutschen, Deutschen und Europäern. Der CSU-Politiker betonte: „Aus den dunkelsten Erfahrungen unserer Geschichte kann etwas Helles erwachsen, wenn Menschen den Mut zur Verständigung finden.“

Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe.Uhlíø Patrik/CTK/dpa

Bernd Posselt, Sprecher der Sudetendeutschen Volksgruppe.Uhlíø Patrik/CTK/dpa

© Uhlíø Patrik/CTK/dpa

Stände präsentieren Brauchtum und Kultur der Vertriebenen und ihrer Heimatregionen beim Sudetendeutschen Tag auf dem Messegelände. Michael Heitmann/dpa

Stände präsentieren Brauchtum und Kultur der Vertriebenen und ihrer Heimatregionen beim Sudetendeutschen Tag auf dem Messegelände. Michael Heitmann/dpa

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Der Protestmarsch gegen den Sudetendeutschen Tag in Brno (Brünn).·álek Václav/CTK/dpa

Der Protestmarsch gegen den Sudetendeutschen Tag in Brno (Brünn).·álek Václav/CTK/dpa

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Blick auf das Haupttreffen des Sudetendeutschen Tages auf dem Messegelände.Michael Heitmann/dpa

Blick auf das Haupttreffen des Sudetendeutschen Tages auf dem Messegelände.Michael Heitmann/dpa

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Miloš Zeman, ehemaliger Staatspräsident von Tschechien, wurde bei der Demo gegen den Sudetendeutschen Tag im Rollstuhl auf das Podium geschoben.·álek Václav/CTK/dpa

Miloš Zeman, ehemaliger Staatspräsident von Tschechien, wurde bei der Demo gegen den Sudetendeutschen Tag im Rollstuhl auf das Podium geschoben.·álek Václav/CTK/dpa

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