Schon wieder ein 4:4 - Wolfsburg hadert nach Zweitliga-Show
Nach starker erster Halbzeit verschenkt der VfL Wolfsburg erneut den Sieg. Was Trainer Strobl und Kapitän Wahl nach dem wilden Remis fordern.
Für Aufstiegsfavorit Wolfsburg sprang in Nürnberg ein wildes 4:4 heraus - schon das zweite in der Saison.Daniel Karmann/dpa
© Daniel Karmann/dpa
Wer in einem Zweitliga-Topspiel auswärts in der neunten Minute einer völlig verrückten Nachspielzeit noch den Ausgleichstreffer zum 4:4 erzielt, der müsste doch eigentlich happy sein. Dem VfL Wolfsburg und Coach Tobias Strobl war die Erleichterung auch anzumerken nach dem ganz späten Punktgewinn beim Aufstiegs-Rivalen 1. FC Nürnberg. Eine Sache aber schien die ganz vielen Eindrücke dieses Matches dann doch zu überstrahlen.
„Es fühlt sich nicht so an, als hätten wir einen Punkt gewonnen, obwohl es in letzter Sekunde war“, schilderte der Trainer der Niedersachsen. Bei aller Euphorie über die Last-Minute-Rettung durch einen Treffer von Joker Alessio Besio praktisch mit dem Schlusspfiff überwog der Ärger darüber, ähnlich wie beim wilden 4:4 gegen Energie Cottbus den Sieg verschenkt zu haben.
Coach Strobl hat Redebedarf
„Wir haben die Zweikämpfe nicht mehr gewonnen. Wir hatten nicht mehr diese Bereitschaft und uns ein bisschen zu sehr auf unsere Qualität verlassen“, sagte Kapitän Hauke Wahl am Sky-Mikrofon. „Das sind Dinge, die schon wiederholt passiert sind und die wir schleunigst abstellen müssen.“ Coach Strobl kündigte eine Aufarbeitung an: „Wir müssen intern darüber reden, warum wir in der zweiten Halbzeit nicht genauso scharf sind wie in der ersten Halbzeit.“
VfL-Trainer Strobl hat Redebedarf nach dieser Partie.Daniel Karmann/dpa
© Daniel Karmann/dpa
Aber der Reihe nach: Im ersten Durchgang war der Bundesliga-Absteiger den Hausherren deutlich überlegen und lag nach Treffern von Wahl (12. Minute) und Muhammed Damar (29.) 2:0 in Führung. Nach dem Seitenwechsel drehten Nürnbergs Piet Scobel (52./59.) und Mohamed Ali Zoma (63.) das Match. Im Finish wurde es verrückt: Zuerst glich Besio für den VfL aus (90.+1), dann gelang dem eingewechselten Giannis Masouras die erneute FCN-Führung (90.+6). Besio mit seinem zweiten Treffer sorgte für den Schlusspunkt (90.+9).
Rätselhaftes Einknicken nach dem Seitenwechsel
„Topspiel stand drauf, Topspiel war dann auch drin“, bemerkte Strobl. „Und ja, es ist verrückt.“ Eigentlich hätten die Gäste vor 44.028 Zuschauern mit drei oder vier Toren zur Pause führen können. Aber allein Yannick Gerhardt vergab gleich zweimal allein vor dem Nürnberger Tor krasse Großchancen.
Nach dem Seitenwechsel gelang den Gastgebern der Anschluss und die Wolfsburger Beine fingen an zu schlottern. „Wir hatten in der zweiten Halbzeit 38 Prozent Zweikampfquote, die mit Abstand schlechteste in der ganzen Saison“, haderte Strobl. „Das ist uns auf die Füße gefallen. Das müssen wir hinterfragen, weil heute haben wir schon das Gefühl, dass wir nicht mehr den letzten Schritt gegangen sind in beide Richtungen. Das ist schon etwas, das weh tut.“
Und Reese wird wieder ausgepfiffen
In der Tabelle verpasste es der VfL, bis auf zwei Zähler an die zweitplatzierten Nürnberger heranzurücken und auf Rang drei zu klettern. Und dass Fabian Reese erneut von den gegnerischen Fans ausgepfiffen wurde, kam noch dazu. „Das können wir nicht beeinflussen“, sagte der Trainer. „Das gehört dann irgendwie gerade dazu und dann müssen wir es so hinnehmen, wie es ist, und mehr kann ich dazu auch nicht sagen.“