Sachsen in Bildungsstudie wieder vorn - GEW relativiert
Auch in diesem Jahr wird Sachsen in einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft wieder zum Bildungssieger des Landes erklärt. Von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kommt Kritik.
Immer wieder landet Sachsen im Bildungsvergleich der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft vorn (Symbolbild) Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
© Klaus-Dietmar Gabbert/dpa
Sachsen landet mit seinem Bildungssystem im Bundesländervergleich aus bildungsökonomischer Perspektive erneut vorn. Im diesjährigen „Bildungsmonitor“ der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) bleibt der Freistaat Spitzenreiter. Dahinter folgen wie schon im vergangenen Jahr Bayern, Hamburg und Baden-Württemberg. Am Ende des Feldes liegen NRW und Sachsen-Anhalt vor dem erneuten Schlusslicht Bremen.
Bewertung aus bildungsökonomischer Sicht
Die vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) durchgeführte Vergleichsstudie untersucht anhand 98 sogenannter Indikatoren die Bildungssysteme der Bundesländer. So werden etwa die Bildungsausgaben pro Schüler ins Verhältnis zu den Gesamtausgaben öffentlicher Haushalte pro Einwohner gesetzt. Verglichen werden zudem die Investitionen in Schulen und Hochschulen, der Betreuungsschlüssel in Bildungseinrichtungen, Klassengrößen, die Schulabbrecherquote oder die Beteiligung an Ganztagsangeboten.
Im Fokus stehe, welchen Beitrag das Bildungssystem leiste, um den Wohlstand zu sichern, Aufstiegsmöglichkeiten für den Einzelnen zu schaffen und Teilhabe zu gewährleisten, heißt es.
Negative Entwicklungen
Die Autoren weisen auf negative Entwicklungen in den vergangenen Jahren hin, die Bildungsstudien immer wieder offenlegen: Sinkende Kompetenzen in den Bereichen Mathematik, Naturwissenschaften und Lesen sowie ein steigender Anteil Schüler, die Mindeststandards oder Abschlüsse nicht erreichen. „Dies gefährdet nicht nur individuelle Teilhabe und Aufstiegschancen, sondern auch die Fachkräftebasis der deutschen Wirtschaft insgesamt.“
Handlungsbedarf sieht der Bildungsmonitor bei der frühen Sprachförderung bis hin zu flexiblen Wegen der beruflichen Nachqualifizierung. Als „besonders dramatisch“ wird die demografische Entwicklung mit schrumpfender Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter in den ostdeutschen Flächenländern bezeichnet. Zuwanderung sei wichtig.
„Das Bildungssystem kann an vielen Stellen positiv wirken, von der Vermittlung von Weltoffenheit in Schulen bis hin zur Nutzung des Potenzials internationaler Studierender durch die Sicherung von Studienkapazitäten und den Ausbau von Begleitprogrammen an Hochschulen.“
Was in Sachsen richtig läuft
Die Studie hebt wie im vergangenen Jahr beim Spitzenreiter Sachsen die Ganztagsbetreuung hervor. Demnach wird im Freistaat ein besonders großer Anteil der Kinder ganztägig in Schule oder Kita betreut. Positiv bewertet werden auch ein besonders gut qualifiziertes Kita-Personal mit wenigen Ungelernten in Sachsen und gute Ergebnisse in Schulleistungstests.
Kultusminister: Sachsen kann sich auf Spitzenplatz nicht ausruhen
Der sächsische Kultusminister Conrad Clemens (CDU) richtet den Blick nach vorn. „Sachsen kann sich auf diesem Spitzenplatz nicht ausruhen. Noch in diesem Jahr wollen wir eine Schulgesetzänderung vorstellen“, kommentierte er das Ergebnis. Ziele seien eine moderne, datengestützte Schulentwicklung, kompetenzorientiertes Lernen, vernetzter Unterricht und mehr Medienbildung. „Nur wenn wir unser Bildungssystem weiterentwickeln und unsere Strategie Bildungsland 2030 konsequent umsetzen, bleiben wir spitze in der Bildung.“
GEW: Sachsen ist der Einäugige unter den Blinden
Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnte davor, aus den Resultaten auf funktionierendes Bildungssystem zu schließen. „Der Bildungsmonitor bildet vor allem bildungsökonomische Kennzahlen ab und blendet zentrale Bedingungen guter Bildung aus. PISA-Ergebnisse und die Situation an Sachsens Kitas und Schulen zeigen: Ein Spitzenplatz im Ranking ist kein Grund zur Entwarnung“, hieß es.
„Die Bildungsprobleme in Deutschland sind längst sichtbar. Sachsen ist da nur der Einäugige unter den Blinden“, betonte GEW-Landeschef Burkhard Naumann. Jetzt brauche man keine weiteren Rankings, sondern politische Konsequenzen. Der Doppelhaushalt 2027/28 biete dafür die entscheidende Gelegenheit. „Statt Unterstützung abzubauen und den Personalmangel durch Abordnungen zu verteilen, muss Sachsen gezielt dort investieren, wo der Bedarf am größten ist.“
Realität in Kitas und Schulen passt nicht zum Spitzenplatz
Naumann zufolge misst der Bildungsmonitor nur, was Bildung für die Wirtschaft leistet - aber nicht, unter welchen Bedingungen Bildung stattfindet. „Dass Sachsen wieder auf einem Spitzenplatz landet, passt immer weniger zur Realität an unseren Kitas und Schulen. Dort erleben Beschäftigte täglich Personalmangel, massive Abordnungen, steigende Belastung und fehlende Unterstützung für Kinder mit besonderem Förderbedarf. Ein Ranking kann diese Realität nicht wegmessen.“