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Protest gegen Kürzungen im Hamburger Bildungsetat wächst

Hunderte demonstrieren gegen Sparpläne im Hamburger Bildungsetat. Was Eltern, Lehrkräfte und Verbände bei einer öffentlichen Anhörung im Schulausschuss fordern.

Von dpa

07.10.2026

Hunderte Kinder, Jugendliche und Eltern haben gegen Kürzungen im Bildungsbereich demonstriert.Marcus Brandt/dpa

Hunderte Kinder, Jugendliche und Eltern haben gegen Kürzungen im Bildungsbereich demonstriert.Marcus Brandt/dpa

© Marcus Brandt/dpa

Begleitet vom Protest Hunderter Kinder, Jugendlicher und Eltern auf dem Rathausmarkt hat sich der Schulausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft einmal mehr mit den geplanten Kürzungen im Bildungshaushalt befasst. Im voll besetzten Festsaal des Rathauses ging es diesmal über mehrere Stunden unter anderem um eine öffentliche Anhörung Betroffener und eine Senatsbefragung. Die Schulbehörde möchte unter anderem bei der Schulbegleitung sparen, die Basisfrequenten vor allem an Gymnasien erhöhen und Lehrkräfte aus der Nachmittagsbetreuung abziehen.

Verband Hamburger Schulleitungen entsetzt

Der Verband Hamburger Schulleitungen etwa zeigte sich entsetzt von den Plänen in den Ganztagsschulen. Sie bedeuteten das Ende gebundener Ganztagsschulen, warnte deren Vertreterin bei der Anhörung. In Hamburg sind mehr als ein Drittel der 226 Grundschulen und Grundschulabteilungen gebundene Ganztagsschulen, das heißt, dort wechseln sich über den Tag Unterricht und Erholungsphasen ab, die Lehrkräfte sind den ganzen Tag da.

Sie versammelten sich vor dem Rathaus, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.Marcus Brandt/dpa

Sie versammelten sich vor dem Rathaus, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.Marcus Brandt/dpa

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Im Gegensatz dazu endet bei den herkömmlichen Ganztagsschulen der Unterricht um 13.00 Uhr. Danach übernehmen kostengünstigere Erzieherinnen und Erzieher. Dieses Modell schwebt Schulsenatorin Ksenija Bekeris (SPD) angesichts klammer Kassen nun überall vor. 

So sollen Lehrkräfte vom kommenden Schuljahr an nicht mehr für die Betreuung, sondern ausschließlich für den Unterricht eingesetzt werden. Dadurch sollen bis zu 220 Lehrerstellen entfallen und dauerhaft 16,5 Millionen Euro pro Jahr im Etat eingespart werden. Betroffen wären 87 Ganztagsschulen mit rund 26.000 Schülerinnen und Schülern.

Lehrkräfte können Erzieher nicht ersetzen - und umgekehrt

Eine Vertreterin des Grundschulverbands betonte, Lehrkräfte könnten Erzieherinnen und Erzieher nicht ersetzen - und umgekehrt. „Es braucht multiprofessionelle Teams.“ Eine Grundschullehrerin warnte, kurzfristige Einsparungen im Ganztag und damit verbundene Einschränkungen könnten zu teuren Folgekosten nach einer Schulkarriere führen. 

Anschließend wandten sich zahlreiche Betroffene in einer öffentlichen Anhörung an den Schulausschuss.Marcus Brandt/dpa

Anschließend wandten sich zahlreiche Betroffene in einer öffentlichen Anhörung an den Schulausschuss.Marcus Brandt/dpa

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Eine Sozialpädagogin sagte, an ihrer Schule nähmen 410 Kinder am Ganztag teil, also deutlich mehr als 90 Prozent. Dafür soll es den Plänen zufolge rechnerisch aber nur noch pädagogisches Personal für gut 15 Gruppen mit jeweils 19 Kindern geben, notwendig wären aber mehr als 21 Gruppen. „Die Frage muss lauten, was brauchen die Kinder“, sagte ein Vater von vier Kindern. Wer nur mit dem Taschenrechner operiere, übersehe Wesentliches. „Der Bildungsetat ist der Verteidigungsetat der Demokratie.“

Viele Ganztagsschulen mit niedrigem Sozialindex

Eine Vertreterin des Elternrats der Schule Rellinger Straße warnte, mit den geplanten Kürzungen seien bei der Inklusion Bildungsgerechtigkeit und Chancengleichheit nicht mehr möglich. Mehrere Rednerinnen und Redner wiesen auf den Zusammenhang von Bildung und finanziellen Möglichkeiten der Eltern hin. Fast die Hälfte der gebundenen Ganztagsschulen hat einen niedrigen Sozialindex und einen hohen Anteil etwa von Armut betroffener Kinder. 

Zuvor hatte sich bereits die Hamburger Schüler:innen-Kammer empört gezeigt. Der PISA-Schock sei gerade mal ein paar Wochen her und nun werde gespart auf Kosten der Hamburger Schülerinnen und Schüler, sagte die Landesvorsitzende Pia Langer. „In heutigen Zeiten bei der Bildung zu sparen, ist unbegreiflich.“

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