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Polizisten-Mordprozess: Experte sieht verminderte Schuld

Im Landgericht Saarbrücken schildert ein Forensik-Professor die psychische Verfassung des Angeklagten. Zuvor sagt die Witwe unter Tränen aus.

Von dpa

27.03.2026

Dem Angeklagten (M) werden Mord, versuchter Mord und besonders schwerer Raub vorgeworfen. (Archivbild)Laszlo Pinter/dpa

Dem Angeklagten (M) werden Mord, versuchter Mord und besonders schwerer Raub vorgeworfen. (Archivbild)Laszlo Pinter/dpa

© Laszlo Pinter/dpa

Im Mordprozess um einen getöteten Polizisten im Saarland hat ein Forensik-Professor dem Angeklagten eine eingeschränkte Schuldfähigkeit attestiert und die Unterbringung des 19-Jährigen in einem psychiatrischen Krankenhaus empfohlen. Dem im Landgericht Saarbrücken veröffentlichten Gutachten zufolge leidet der Tatverdächtige an einer schizophrenen Erkrankung, habe Wahnwahrnehmungen und irrationale Ängste. „Er sieht sich selbst als behandlungsbedürftig, aber nicht als psychisch krank“, sagte Wolfgang Retz von der Uniklinik Homburg.

Dem Angeklagten mit deutscher und türkischer Staatsangehörigkeit werden Mord, versuchter Mord und besonders schwerer Raub vorgeworfen. Er soll am 21. August 2025 nach einem Tankstellenüberfall in Völklingen einem Polizeianwärter die Dienstwaffe entrissen und 17 Schüsse abgegeben haben. Sechs Kugeln trafen den 34-jährigen Polizeioberkommissar Simon Bohr, der an schweren Verletzungen starb.

Tat sorgte bundesweit für Entsetzen

Vor Professor Retz hatte die Witwe des Opfers unter Tränen als Zeugin ausgesagt. Seit der Tat habe sie vielleicht fünf Nächte durchgeschlafen, sagte die 35-Jährige. Sie sei in ambulanter Therapie, weil sie „es allein nicht schaffen“ würde. Von ihrem Beruf als medizinische Fachangestellte sei sie freigestellt. Auch die Kinder litten sehr unter dem Verlust „ihres geliebten Papas“. Es sei zusätzlich belastend, dass der Angeklagte bis heute kein Wort der Entschuldigung oder Reue gesagt habe.

Der 19-Jährige verfolgte den siebten Prozesstag nahezu teilnahmslos. In einen anthrazitfarbenen Kapuzenpullover, eine Jeanshose und weiße Sneakers gekleidet, saß der Angeklagte neben seinem Anwalt und blickte meist schräg vor sich. Professor Retz ging in seiner Diagnose darauf ein. „Wir erleben ihn hier in einer unverändert apathischen Haltung.“

Richterin Jennifer Klingelhöfer schloss die Beweisaufnahme und terminierte die Plädoyers auf Montag (10.30 Uhr). Ein Urteil soll am Dienstag oder Mittwoch fallen.

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