dpa

Was der Cyberangriff auf die Berliner Verwaltung bedeutet

Keine Internetverbindung, keine Mails, Homeoffice gestrichen - die Auswirkungen nach dem Vorfall sind groß. Fragen gibt es auch viele.

Von Marion van der Kraats, dpa

18.08.2026

Es gibt erneut Probleme nach einem Hackerangriff in Berlin. (Symbolbild)Britta Pedersen/dpa

Es gibt erneut Probleme nach einem Hackerangriff in Berlin. (Symbolbild)Britta Pedersen/dpa

© Britta Pedersen/dpa

Die Berliner Verwaltung ist Ziel eines Hackerangriffs geworden. Angaben dazu gibt es bislang wenige. Was bislang bekannt ist: 

Wer ist betroffen? 

Laut Senatskanzlei sind die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen sowie die Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Umwelt und Klimaschutz betroffen. Sie wurden den Angaben nach am Freitag aus Sicherheitsgründen vom Landesnetz abgetrennt, um weiteren Schaden abzuwenden. Inwiefern weitere Verwaltungen betroffen sind, wird laut Senatssprecherin Christine Richter untersucht. 

Störungen bei dem Portal, bei dem Berlinerinnen und Berliner derzeit Online-Anträge für Briefwahlunterlagen für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September beantragen können, sollen laut Senat nicht mit dem Angriff im Kontext stehen. „Das zuständige Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten arbeitet mit Hochdruck an deren Behebung“, teilte die Innenverwaltung auf Anfrage mit.

Wie sind die Auswirkungen für Behörden und Bürger? 

Beide Ressorts sind abgeschnitten vom Internet und können keine Mails nach außen versenden, Homeoffice ist nicht möglich.

Laut Senatskanzlei sind die Verwaltungen aber arbeitsfähig. Intern seien Mails möglich, erklärte der Sprecher der Senatsbauverwaltung, Martin Pallgen. Telefonisch sei die Behörde auch erreichbar. Allerdings müssten die Beschäftigten in der Behörde arbeiten und es müsse noch organisiert werden, wie die Kommunikation mit anderen Verwaltungen am besten gewährleistet werden könne. Ein Mitarbeiter der Verkehrsverwaltung sagte hingegen dem „Tagesspiegel“: „Wir sind praktisch arbeitsunfähig.“ 

Dadurch, dass die Senatsverwaltung für Bauen und Wohnen vom Landesnetz isoliert wurde, ist unter anderem die Auszahlung des Wohngelds an mehr als 50.000 berechtigte Haushalte in Berlin in Gefahr. Die Verwaltung arbeite mit Hochdruck an einer Lösung, um die Auszahlung des Wohngelds sicherzustellen, teilte Sprecherin Richter mit. Zuvor hatte der „Tagesspiegel“ berichtet und auf einen entsprechenden Hinweis auf der Seite des Bezirksamtes Pankow verwiesen. 

Was ist konkret passiert? 

Das wird nach Senatsangaben noch untersucht. Es sei bei forensischen Untersuchungen eine „Inkriminierung des Landesnetzes“ festgestellt worden, hieß es. Nach bisherigen Erkenntnissen sind bei der Senatsbauverwaltung Daten abgeflossen. 

Laut Sprecherin Richter handelt es sich nicht um sensible Daten. „Es handelt sich um Daten, die über Open Data frei zugänglich waren.“ Weiter erklärte Richter: „Nach jetzigem Kenntnisstand hat es in anderen Verwaltungen keine Datenabflüsse gegeben.“ 

Was ist über den Angriff bekannt? 

Von der Senatskanzlei heißt es, aus ermittlungstaktischen Gründen könnten derzeit keine weiteren konkreten Informationen zu Ausmaß und Hintergründen gegeben werden. Die Berliner Staatsanwaltschaft leitete hat ein Ermittlungsverfahren ein, wie ein Sprecher sagte. Neben dem Landeskriminalamt (LKA) wurde das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eingeschaltet. Dies spricht für einen gravierenden Vorfall. 

Ist das der erste Vorfall in Berlin? 

Nein, es gab eine Reihe von Vorfällen in den vergangenen Jahren. 

Im August 2025 war Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) Ziel einer Cyberattacke. Nach damaligen Angaben kam es zu einem gezielten Angriff auf einen Arbeitsplatzrechner im Leitungsbereich ihres Hauses. Dabei seien auch personenbezogene Daten entwendet worden, hieß es. Betroffen war damals nach den Angaben ein einzelner Rechner. Vermutet wurde, dass iranische Hacker hinter dem Angriff stecken könnten. Badenberg hat iranische Wurzeln. 

Ende April 2025 wurde das Hauptstadtportal des Landes Berlin Ziel einer umfassenden Cyberattacke. Betroffen waren damals laut Senatskanzlei unter anderem sämtliche Bereiche von berlin.de und vom Serviceportal service.berlin.de. Die Berliner Polizei konnte Pressemitteilungen zeitweise nicht veröffentlichen und Daten der polizeilichen Kriminalstatistik nicht abrufen. 

Die Senatskanzlei beteuerte damals, Daten seien nicht abgeflossen, es komme bei solchen Vorfällen auch nicht zu einer nachhaltigen Schädigung der Systeme. Bereits zwei Jahre zuvor gab es einen vergleichbaren Angriff auf das Stadtportal berlin.de. 

Im Februar 2024 war die Caritas-Klinik Dominikus in Berlin-Reinickendorf nach einem Cyberangriff für mehrere Tage kaum erreichbar. Im selben Monat wurde bekannt, dass sich Hacker Zugriff auf die Daten von rund 4.300 Kunden und etwa 850 Beschäftigten des Luxuskaufhauses KaDeWe verschafft hatten.

Bereits 2019 legte ein sogenannter Trojaner-Angriff das Berliner Kammergericht lahm. Monatelang wurde an dem Gericht, das den Oberlandesgerichten anderer Bundesländer entspricht, provisorisch gearbeitet. Das Gericht wurde vom Landesnetz genommen, 500 Computer mussten ausgetauscht werden.

Wer kümmert sich um den Schutz vor Cyberattacken? 

Seit 2022 soll das Sicherheitszentrum „Security Operations Center“ (SOC) dazu beitragen, Hackerangriffe auf das Landesnetz effektiver zu erkennen und abzuwehren. Es gehört zum IT-Dienstleistungszentrum (ITDZ). 

Bei dem Berliner Verwaltungsnetz, an das die Behörden des Landes, Gerichte, Polizei und Feuerwehr angeschlossen sind, handelt es sich laut ITDZ um das größte kommunale Kommunikationsnetz in Deutschland. Das landeseigene ITDZ betreut nur einen Teil davon.

Das IT-Dienstleistungszentrum soll nach dpa-Informationen den aktuellen Fall entdeckt haben. Die Verantwortung für die Sicherheit soll aber in anderen Händen liegen. 

Wie oft gibt es Auffälligkeiten? 

Laut IT-Dienstleistungszentrum erkannte das SOC im vergangenen Jahr rund 10 Millionen unautorisierter Zugriffsversuche auf das Berliner Landesnetz. Nicht alle davon sind laut ITDZ jedoch als Hacking-Versuch zu bewerten. Zudem seien rund 8,5 Millionen Spam-Mails im Jahr 2025 registriert worden und in etwa 15.000 Fällen Viren in E-Mails. 

Neben der landeseigenen ITDZ scannen weitere IT-Firmen und Organisationen Netze, um mögliche Schwachstellen festzustellen.

Ist Berlin gut gewappnet? 

Der IT-Experte Manuel Atug meint, dass Berlin in diesem Bereich „sehr schlecht“ aufgestellt ist. In diesem Punkt sei er sich bei Anhörungen durch das Abgeordnetenhaus mit anderen Experten einig gewesen. „Als man ein paar Jahre später uns noch mal gebeten hat, ein Update dazuzugeben, weil man ja gewisse Maßnahmen ergriffen hätte, haben wir feststellen müssen, dass die Cybersicherheit in Berlin noch schlechter geworden ist“, sagte Atug dem RBB. Verbesserungsvorschläge seien nicht umgesetzt worden. 

Kritik kam auch von den Oppositionsfraktionen im Abgeordnetenhaus: Aus Anhörungen im Innenausschuss im Dezember 2023 und Dezember 2025 sei bekannt, dass die Sicherheit des Landesnetzes nicht gewährleistet sei, erklärte der Linke-Abgeordnete Tobias Schule. Der Senat habe trotzdem „weiter auf das Prinzip Hoffnung gesetzt“. Zuvor kündigte bereits die Grünen-Fraktion an, den Vorfall an diesem Montag im Digitalausschuss besprechen zu wollen.

Der Angriff erfolgte auf Teile der Berliner Senatsverwaltung. (Symbolbild) Philip Dulian/dpa

Der Angriff erfolgte auf Teile der Berliner Senatsverwaltung. (Symbolbild) Philip Dulian/dpa

© Philip Dulian/dpa

Karte