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Mutmaßliche IS-Rückkehrerin vor Gericht: 35-Jährige gesteht

Eine junge Frau aus Berlin folgt ihrem Partner zur Terrororganisation „Islamischer Staat“ nach Syrien. Nach langer Flucht kehrt sie zwölf Jahre später zurück. Im Prozess sagt sie detailliert aus.

Von dpa

21.09.2026

Eine 35-Jährige steht als mutmaßliche IS-Rückkehrerin in Berlin vor Gericht. (Foto Illustration) Soeren Stache/dpa

Eine 35-Jährige steht als mutmaßliche IS-Rückkehrerin in Berlin vor Gericht. (Foto Illustration) Soeren Stache/dpa

© Soeren Stache/dpa

Fünf Monate nach ihrer Festnahme bei der Rückkehr nach Deutschland steht eine mutmaßliche IS-Anhängerin vor dem Kammergericht Berlin. Die 35-Jährige soll aus einer radikal-islamistischen Gesinnung heraus vor rund zwölf Jahren Berlin verlassen und über Istanbul nach Syrien geflogen sein, um sich dort - wie bereits zuvor ihr Ehemann - dem Islamischen Staat (IS) anzuschließen. 

Die Anklage lautet auf mitgliedschaftliche Beteiligung an einer terroristischen Vereinigung im Ausland. Zu Prozessbeginn zeigte sich die Frau geständig. „Ich denke, ich war radikal“, so die Angeklagte. Damals habe sie ihre Ausreise als eine Pflicht betrachtet. Sie bedauere ihr Verhalten. 

Die deutsche Staatsangehörige wurde am 23. April am Flughafen Berlin-Brandenburg von Bundespolizisten festgenommen und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Die Rückkehr war in Absprache mit deutschen Behörden koordiniert worden, nachdem sich die Frau dazu entschlossen hatte. 

Ehemann soll IS-Kämpfer gewesen sein

Die inzwischen 35-Jährige habe seit etwa Herbst 2014 eine „äußerst radikal-islamistische Auslegung des Korans vertreten“, heißt es in der Anklage der Generalstaatsanwaltschaft Berlin. „Sie identifizierte sich fortan mit der Ideologie und den Zielen des IS.“ Im Dezember 2014 sei sie über Istanbul in das Herrschaftsgebiet des IS in Syrien gereist.

Ihr damaliger Ehemann, mit dem sie nach islamischem Ritus verheiratetet war, soll sich nach den Ermittlungen kurz zuvor in Syrien dem IS angeschlossen und für diesen gekämpft haben. Bis etwa Anfang Februar 2015 soll die Angeklagte mit ihrem Mann dort gelebt und seine Tätigkeit für den IS unterstützt haben, indem sie den gemeinsamen Haushalt führte. Die Frau habe sich „fortwährend innerhalb der Strukturen der Organisation bewegt“, so die Anklage.

Flucht in die Türkei mit Hilfe von Schleusern

Nach ihrer Trennung von ihrem Mann habe sie sich in Frauenhäusern des IS aufgehalten. In dieser Zeit soll sie auf eine Freundin in Berlin eingewirkt haben, den IS ebenfalls zu unterstützen und dafür auch nach Syrien zu kommen. Im Juni 2015 soll die Freundin tatsächlich Berlin verlassen und ins IS-Gebiet in Syrien ausgereist sein. Die Freundin wurde laut Generalstaatsanwaltschaft an der Waffe ausgebildet und starb später bei einem Angriff gegen den IS.

Die Angeklagte selbst wurde im März 2019 von kurdischen Streitkräften festgenommen. Sie kam laut Anklage in das al-Hol-Lager im Nordosten Syriens. Im Januar 2020 sei ihr mit Unterstützung ihres Ex-Mannes und bezahlten Schleusern die Flucht in die Türkei gelungen. Dort soll sie bis April 2026 mit falschen Personalien gelebt haben. Für den Prozess sind neun weitere Tage bis zum 3. November vorgesehen.

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