Fünfeinhalb Jahre Haft für Millionendiebstahl von Parkmünzen
Ein Luxusleben dank Kleingeld. Ein Paar füllte jahrelang unbemerkt seine Konten und Kleiderschränke. Wie konnte das so lange gutgehen – und welche Folgen hat das nun für die beiden Täter?
Über zehn Jahre hinweg hatte das Ehepaar, hier der Mann, eine Millionensumme aus den Parkautomaten der Stadt Kempten entwendet. (Archivbild)Stefan Puchner/dpa
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Nach dem Diebstahl von Parkmünzen im Wert von etwa 1,9 Millionen Euro ist ein Ehepaar zu jeweils fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Landgericht Kempten ordnete zudem an, dass der Stadt Kempten entstandene Schaden in voller Höhe von den Angeklagten wieder ersetzt werden muss. Der Vorsitzende Richter Christoph Schwiebacher wies darauf hin, dass die beiden Angeklagten nun in den nächsten 30 Jahren mit Pfändungen rechnen müssten. „Das Ganze hat sich nicht gelohnt und soll sich auch nicht lohnen“, betonte er.
Angeklagt war ein 40 Jahre alter ehemaliger Mitarbeiter der Stadt Kempten sowie seine 39 Jahre alte Ehefrau. Der Beschäftigte des Bauhofs war mit der Leerung der Parkscheinautomaten der Kommune beauftragt und hatte sich mehr als zehn Jahre lang immer wieder an den Einnahmen vergriffen. Seine Partnerin half ihm dabei, das Geld abzuholen und auf Konten einzuzahlen. Das Gericht bezeichnete sie als „die Logistikerin“ hinter den Taten.
Viele Fälle waren bereits verjährt
Beide hatten die Vorwürfe in vollem Umfang zugegeben. Die Staatsanwaltschaft hatte sieben Jahre Haft gefordert, die Verteidiger auf jeweils viereinhalb Jahre plädiert. Verurteilt wurden beide wegen mehr als 300 Fällen seit dem Jahr 2020 mit einem Schaden von rund 1,34 Millionen Euro. Weitere mehr als 500 Fälle mit einer Schadenssumme von 584.000 Euro sind strafrechtlich verjährt. Allerdings wird die Justiz die Gesamtsumme von mehr als 1,9 Millionen Euro zur Schadensbegleichung bei dem Paar einziehen.
Hinweisschild auf einen Parkscheinautomaten der Stadt Kempten. (Symbolbild)Stefan Puchner/dpa
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Der Mann hatte vor Gericht erklärt, dass sich das Paar mit dem Geld ein Luxusleben gegönnt habe: Pferde, Autos und teure Kleidung seien so finanziert worden. Wie er an den Schlüssel zum Öffnen der Geldkassette kam, blieb im Prozess unklar. Andere Bauhofmitarbeiter berichteten als Zeugen übereinstimmend: Ihre Aufgabe sei das Entnehmen der Geldkassette aus den Automaten, mit den Münzen kämen sie gar nicht in Kontakt.
Letztlich gibt auch die Stadt Kempten in dem Fall kein gutes Bild ab. Ein Jahrzehnt lang konnte sich der Mitarbeiter an den Parkscheinautomaten mühelos bedienen, bei der Kommune fiel es bis zum Schluss nicht auf. Die Ermittlungen kamen erst ins Rollen, als eine Bank im vergangenen Oktober wegen Geldwäscheverdachts Anzeige erstattete. Den Mitarbeitern des Geldhauses kam es irgendwann doch verdächtig vor, dass die Eheleute tonnenweise Münzen einzahlten.
Prozessbeteiligte rügen fehlende Kontrollen bei der Stadt
Die Strafkammer, der Staatsanwalt und die Verteidiger wiesen übereinstimmend darauf hin, dass es den Angeklagten von der Stadt sehr leicht gemacht worden sei. Dies müsse auch beim Strafmaß mildernd berücksichtigt werden, meinte der Richter.
Selten sei das Motto „Gelegenheit macht Diebe“ zutreffender gewesen, sagte ein Anwalt. Auch der Staatsanwalt wunderte sich darüber, wie lax der Umgang mit den Schlüsseln bei der Behörde gewesen sei. Die angeklagte Frau sagte in ihrem letzten Wort: „Irgendwann war es ein Selbstläufer.“
Als Konsequenz des Skandals hat die Stadt mittlerweile die Arbeitsabläufe bei der Leerung der Automaten geändert und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen.