Luxusturm als Bauruine – Prozess gegen Ex-Investoren
Millionen-Anleihe, falsche Versprechen und ein nistendes Falkenpaar: Die Geschichte des Schwabenlandtower vereint Skandal, Stillstand und Hoffnung auf einen Neuanfang.
Baden-Württembergs geplantes höchstes Wohngebäude wartet auf die Fertigstellung. (Foto-Produktion)Marijan Murat/dpa
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Die 107 Meter hohe Bauruine am Rande von Fellbach bei Stuttgart ist eine sichtbare Landmarke. Der Schwabenlandtower ist Baden-Württembergs höchstes unvollendetes Wohngebäude, das eine unrühmliche jahrelange Geschichte aus Pleiten und Versprechungen aufweist, die nun um ein weiteres Kapitel fortgeschrieben wird.
Vor dem Landgericht Stuttgart startet am kommenden Donnerstag (30. April) der Prozess gegen die Ideengeber des Projekts. Beinahe zehn Jahre nach der Insolvenz müssen sich die beiden früheren Investoren, Vater und Sohn, vor einer Wirtschaftsstrafkammer verantworten. Der Vorwurf: Insolvenzverschleppung und Marktmanipulation.
Was war ursprünglich geplant?
Die ursprüngliche Idee war, auf dem Gelände einer alten Industriebrache am Rande von Fellbach einen luxuriösen Wohnturm mit 66 hochwertigen Wohnungen, Geschäftsräumen und einem Hotel zu errichten. 2014 erfolgte der Baustart des damals noch Gewa-Tower genannten Hochhauses.
Wie entwickelte sich das Projekt nach der Pleite weiter?
Nach der Pleite der jetzt angeklagten ersten Bauherrn startete die jahrelange Hängepartie. Der neue Eigentümer verordnete dem Bau ein neues Konzept. Nach Jahren des Stillstands begann ein neuer Projektentwickler dann zwischenzeitlich damit, die geplanten Luxusappartements in kleinere, preiswertere Mietwohnungen umzuwandeln. Doch seit Jahren ruht nun die Baustelle. Kritiker sprachen vom „teuersten Vogelhäuschen Deutschlands“, weil in luftiger Höhe auch bereits ein Falkenpaar nistete.
Zuletzt gehörte der Rohbau der schwankenden Adler Group. Der Immobilienkonzern reicht ihn nun weiter. Eine Sprecherin sagte, es sei ein Vertrag über den geplanten Verkauf des Projekts Schwabenlandtower geschlossen worden. „Der Eigentumswechsel hat noch nicht stattgefunden und ist noch von verschiedenen Bedingungen abhängig.“
Wie geht die Kommune mit der Bauruine um?
Wenige Tage nach dem Amtsantritt von Oberbürgermeisterin Gabriele Zull (parteilos) war der erste Bauherr 2016 endgültig in eine finanzielle Schieflage geraten. Zull sagte nun: „Seitdem gab es verschiedene Ansätze von Investoren, das Projekt fertigzustellen.“ Sie hoffe sehr, dass die derzeitigen Verhandlungen zwischen dem Eigentümer und dem Investor positiv zum Abschluss kämen – „zumal wir in der Region jede Wohnung benötigen“. Es sei nicht die Aufgabe der Stadtverwaltung, ein privates Bauvorhaben mit Steuergeldern fertigzustellen.
Oberbürgermeisterin Zull setzt bei der Vollendung des Bauwerks auf den künftigen neuen Investor: „In den vergangenen Monaten sind Rückbauten erfolgt.“ Sobald die Verhandlungen abgeschlossen seien, werde der Investor sicher über den Fortgang berichten. Der künftige Investor war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
Wie lauten die Vorwürfe gegen die einstigen Ideengeber für das höchste Wohngebäude in Baden-Württemberg?
Den beiden früheren Investoren und Bauunternehmer, heute 79 und 46 Jahre alt, wird Insolvenzverschleppung und Marktmanipulation zur Last gelegt. Die Angeklagten sollen es trotz Zahlungsunfähigkeit 2016 über fünf Monate unterlassen haben, einen Insolvenzantrag zu stellen, wie das Landgericht mitteilte.
Zur Finanzierung des Gesamtprojekts aus Wohnturm und Hotel wurde einst eine Anleihe im Gesamtwert von bis zu 35 Millionen Euro aufgelegt. Vater und Sohn sollen ferner den Anlegern falsche Angaben über die wirtschaftlichen Verhältnisse und über den Stand bei dem Bau des Hochhauses gemacht haben, um den Börsenpreis der Anleihe künstlich zu stabilisieren. Die Wirtschaftsstrafkammer hat zunächst bis Mitte Juli Verhandlungstermine angesetzt.
Am Schwabenlandtower wird seit Jahren nicht weitergebaut. (Foto-Produktion)Marijan Murat/dpa
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