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Kramer warnt vor Radikalisierung Jugendlicher

Immer mehr Minderjährige geraten nach Einschätzung des Thüringer Verfassungsschutzes in den Sog extremistischer Gruppen. Behördenchef Kramer fordert deshalb Konsequenzen.

Von dpa

28.07.2026

Thüringens Verfassungsschutzpräsident Stephan Kramer warnt vor einer zunehmenden Radikalisierung von Kindern und Jugendlichen und fordert mehr Prävention. (Archivbild) Martin Schutt/dpa

Thüringens Verfassungsschutzpräsident Stephan Kramer warnt vor einer zunehmenden Radikalisierung von Kindern und Jugendlichen und fordert mehr Prävention. (Archivbild) Martin Schutt/dpa

© Martin Schutt/dpa

Thüringens Verfassungsschutzpräsident Stephan Kramer warnt vor einer zunehmenden Radikalisierung von Kindern und Jugendlichen und fordert mehr Möglichkeiten für Behörden, gefährdete Minderjährige frühzeitig zu erkennen. Anlass seiner Warnung ist der mutmaßlich islamistische Terroranschlag des 21-jährigen Abdul B. auf den Berliner Christopher Street Day.

„Wir stellen fest, dass wir es bei radikalisierten Extremisten immer öfter mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben“, sagte Kramer dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Jugendliche seien „insbesondere in der Adoleszenz besonders vulnerabel“, also empfänglich für emotionale Bindungen, die später zur Radikalisierung missbraucht werden könnten. „Die Hemmschwelle, auch brutale Gewalt einzusetzen, sinkt dabei immer schneller und öfter.“ Insofern seien Jugendliche besonders gefährdet – und wenn radikalisiert, auch besonders gefährlich.

Mehr Befugnisse und stärkere Jugendhilfe gefordert

Kramer sprach sich dafür aus, gefährdete Minderjährige früher zu erreichen. „Es geht nicht darum, Kinder und Jugendliche zu kriminalisieren, sondern ihnen frühzeitig präventiv durch geeignete Stellen wie die Jugendhilfe besser helfen zu können“, sagte er. Dafür müsse die Jugendhilfe besser ausgestattet werden.

Zugleich fordert der Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes eine gesetzliche Grundlage, damit Sicherheitsbehörden radikalisierte Minderjährige häufiger als bislang erfassen und bearbeiten können. Dies sei derzeit nur in Ausnahmefällen möglich. „Nur so können wir die anderen Hilfseinrichtungen überhaupt über gefährdete Personen informieren.“

Kritik an staatlicher Prävention

Nach Einschätzung Kramers werben extremistische Gruppen gezielt um junge Menschen. „Die Extremisten haben Kinder und Jugendliche schon lange als Rekrutierungsgruppe erkannt und fischen dort erfolgreich nach Nachwuchs. Der Staat hat dem bisher zu wenig präventiv entgegengesetzt“, sagte er.