Irrfahrt in Gießen mit Verletzten: Beschuldigter zeigt Reue
Ein Auto rast durch Gießen, mehrere Menschen werden verletzt – jetzt steht der mutmaßliche Täter vor Gericht. Er soll in einer Psychose gehandelt haben - vor Gericht macht er teils wirre Angaben.
Zum Auftakt der Hauptverhandlung befragte die Vorsitzende Richterin Regine Enders-Kunze den Beschuldigten.Christine Schultze/dpa
© Christine Schultze/dpa
Kurz vor Weihnachten 2025 schreckte eine Irrfahrt mit Verletzten die Menschen in der Gießener Innenstadt auf - jetzt hat vor dem Landgericht Gießen die Hauptverhandlung gegen den mutmaßlichen Täter begonnen. In einem Sicherungsverfahren will die Staatsanwaltschaft erreichen, dass der heute 33-Jährige dauerhaft in einer Psychiatrie untergebracht wird. Er soll zum Tatzeitpunkt unter einer akuten Psychose gelitten haben, die nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft Auslöser für die Tat gewesen sein dürfte.
Am Abend des 22. Dezembers 2025 soll der nicht vorbestrafte Mann zunächst in seinem Auto mit einem anderen Fahrzeug zusammengestoßen sein. Danach soll er auf die Gegenspur gewechselt und mit erhöhter Geschwindigkeit gezielt auf einen geparkten Wagen aufgefahren sein, der durch den Aufprall in Richtung einer Bushaltestelle geschleudert wurde.
Passantin erlitt zahlreiche Knochenbrüche
Dort soll das Auto eine Passantin erfasst haben, die schwer verletzt wurde. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der heute 33-Jährige ihren Tod zumindest billigend in Kauf genommen habe - die Frau hatte zahlreiche Knochenbrüche erlitten und musste zeitweise in ein künstliches Koma versetzt werden, in dem Verfahren tritt sie als Nebenklägerin auf. Danach soll der Mann teils über den Gehweg weitergefahren sein und zwei weitere Menschen leicht verletzt haben. Nachdem er mit dem Wagen noch gegen ein geparktes Auto geprallt sein soll, wurde er schließlich festgenommen.
Zum Verhandlungsbeginn äußerte der Beschuldigte mehrfach sein Bedauern gegenüber den Opfern und machte dabei teils wirre Angaben. „Es tut mir leid, herzlich“, sagte der in Aserbaidschan geborene Mann, dessen Aussagen teils durch einen Dolmetscher übersetzt wurden. Er habe Jura studiert und zeitweise als Staatsanwalt gearbeitet. Während der Autofahrt am Tatabend habe er einen Herzinfarkt gehabt und seine linke Seite nicht mehr fühlen können.
Staatsanwaltschaft schätzt Beschuldigten als gefährlich ein
Die Staatsanwaltschaft legt dem Beschuldigten versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung und gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr zur Last. Die Tat soll der Mann laut Staatsanwaltschaft im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen haben. Sie geht auch davon aus, dass von ihm eine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht, wie Staatsanwalt Tom Bayer sagte.
Derzeit ist der Beschuldigte in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Sein Arzt habe ihm gesagt, dass er eine Psychose habe, erklärte der 33-Jährige. „Ich merke das nicht.“ Er nehme täglich Medikamente.
Verteidiger: Kein Zweifel an Geschehen
Sein Verteidiger Philipp Kleiner erklärte zum Prozessauftakt, man habe „nicht den geringsten Zweifel“, dass sich das Geschehene so zugetragen habe, wie in der Antragsschrift geschildert. Zugleich wandte er sich an die bei der Chaos-Fahrt schwer verletzte Nebenklägerin. „Das, was Ihnen zugestoßen ist, dieses traumatische Erlebnis, wir können das gar nicht in Worte fassen, wie sehr uns das für Sie leid tut“, sagte der Verteidiger.