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Im Juli sperrt Bahn rechtsrheinische Strecke für Sanierung

Fast ein halbes Jahr wird Europas meistbefahrene Güterzugstrecke gesperrt. Auch Personenzüge sind von der Generalsanierung betroffen. Was kommt auf die Fahrgäste zu? Was sind die Ziele der Sanierung?

Von dpa

22.01.2026

Die rechtsrheinische Bahnstrecke, die von Juli bis Dezember generalsaniert werden soll, führt an zahlreichen Burgen vorbei. (Archivbild)Peter Zschunke/dpa-Zentralbild/dpa

Die rechtsrheinische Bahnstrecke, die von Juli bis Dezember generalsaniert werden soll, führt an zahlreichen Burgen vorbei. (Archivbild)Peter Zschunke/dpa-Zentralbild/dpa

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Für eine Generalsanierung wird die vielbefahrene rechtsrheinische Bahnstrecke zwischen Troisdorf bei Bonn und Wiesbaden vom 10. Juli bis zum 11. Dezember komplett gesperrt. Für Tausende Fahrgäste kann dies fünf Monate andauernde Unannehmlichkeiten mit Umleitungen und Busersatzverkehr bedeuten.

Mit der Sanierung der gut eineinhalb Jahrhunderte alten Strecke „bündeln die Bauteams zahlreiche Arbeiten, die die Infrastruktur langfristig leistungsfähiger und weniger störanfällig machen“, teilte die Deutsche Bahn mit. „Der rund 160 Kilometer lange Streckenabschnitt wird dadurch künftig wesentlich robuster, der Zugverkehr für unsere Fahrgäste pünktlicher und zuverlässiger“, hieß es. 

164 Busse und 550 Busfahrer

Während der umfassenden Sanierung sei es Ziel, „möglichst viele Fahrgäste im ÖPNV-System zu halten“, teilte die Bahn mit. Dafür würden 164 moderne barrierefreie Busse im Ersatzverkehr eingesetzt mit 550 Fahrern, WLAN, USB-Ladesteckdosen und automatischen Haltestellenansagen. Hinzu kämen 100-Kilometer-pro-Stunde-Zulassungen, Dreipunktgurte, Gepäckstauräume und Außenkennzeichnungen in der einheitlichen Farbe „verkehrspurpur“. 

Auf bestimmten Langstrecken würden von Juli bis Dezember Busse mit Toiletten eingesetzt. Für weite Strecken sind laut Bahn auch Expressbusse mit weniger Haltestellen geplant. Die Busse sollen teils deutlich öfter als bislang die Züge fahren, weil sie weniger Sitzplätze haben als mehrere Bahnwaggons.

Die rechtsrheinische Bahnstrecke führt auch im Tunnel durch den weltbekannten Loreley-Felsen hindurch. (Archivbild)Thomas Frey/dpa

Die rechtsrheinische Bahnstrecke führt auch im Tunnel durch den weltbekannten Loreley-Felsen hindurch. (Archivbild)Thomas Frey/dpa

© Thomas Frey/dpa

Da die rechtsrheinischen Gleise Teil von Europas meistbefahrener Güterzugstrecke zwischen Genua und Rotterdam sind, müssen viele Frachtzüge umgeleitet werden - teils weiträumig etwa über Trier oder Kassel, teils gegenüber auf die linke Rheinstrecke. Das führt laut der Bahn allerdings dazu, dass auch hier das Personenzug-Angebot „ausgedünnt“ werden muss. 

Auch Sicherung von sieben Felshängen

Alleine zwischen Unkel und Wiesbaden erneuert die Bahn nach eigenen Angaben unter anderem gut 60 Kilometer Gleise, rund 40 Kilometer Oberleitung und etwa 116 Weichen. Hinzu komme etwa die Sanierung von 15 Brücken und Stützwänden sowie die Sicherung von sieben Felshängen. „Für mehr Lärmschutz entstehen bis Ende 2026 insgesamt 19 Kilometer neue Schallschutzwände“, hieß es weiter. Sämtliche Stationen an der Strecke sollen modernisiert und großenteils barriere- oder zumindest stufenfrei werden.

Landschaftlich reizvoll und sanierungsbedürftig: die rechtsrheinische Bahnstrecke zwischen Wiesbaden und Troisdorf bei Bonn. (Archivbild)Arne Dedert/dpa

Landschaftlich reizvoll und sanierungsbedürftig: die rechtsrheinische Bahnstrecke zwischen Wiesbaden und Troisdorf bei Bonn. (Archivbild)Arne Dedert/dpa

© Arne Dedert/dpa

2027 soll es zu weiteren Belastungen für Berufspendler, Schüler und Ausflügler kommen. „Im kommenden Jahr steht dann die Sanierung der linken Rheinstrecke an. Dafür laufen die Vorbereitungen“, kündigte die Deutsche Bahn an.

Höchste Burgendichte der Welt

Die zwei Bahnstrecken beidseits des Flusses schlängeln sich durch das Welterbe Oberes Mittelrheintal. Sie gelten mit der dortigen höchsten Burgendichte der Welt und dem sagenumwobenen Loreley-Felsen im Rheinischen Schiefergebirge als landschaftlich besonders reizvoll. Zugleich ist der Lärm vor allem der Güterzüge in dem schalltrichterartigen Flusstal berüchtigt. Schon viele Anwohner sind deswegen weggezogen; auch der Tourismus klagt.