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„Ich mag das Raue“ - Wie diese Frauen Moore retten sollen

Einst trockengelegte Moore werden renaturiert, damit sie wieder CO2 speichern. Für die Betreuung der Maßnahmen werden viele Moorspezialisten benötigt. In Niedersachsen werden die Ersten ausgebildet.

Von Janet Binder (Text) und Focke Strangmann (Fotos)

14.10.2026

Franziska Braun (l) und Carla Rutsch sind angehende Moorspezialistinnen. Focke Strangmann/dpa

Franziska Braun (l) und Carla Rutsch sind angehende Moorspezialistinnen. Focke Strangmann/dpa

© Focke Strangmann/dpa

Franziska Braun steht mit Gummistiefeln am Rand des Huvenhoopsmoor. Der Boden ist weich und nass. Hier im Hochmoor im Landkreis Rotenburg (Wümme) wachsen neben Torfmoosen Gagelsträucher, Heide, Sonnentau, Wollgras und Schnabelried. Weiter entfernt stehen junge Bäume - die dort eigentlich nicht sein sollten. „Intakte Hochmoore bleiben baumfrei, solange wir den Zustand nicht haben, müssen wir sie immer wieder rausnehmen“, sagt Braun. „Die Gehölze entziehen dem Moor zu viel Wasser.“

Damit Pflegemaßnahmen wie diese organisiert und betreut werden, sind Moorfachleute notwendig. Franziska Braun und ihre Kollegin Carla Rutsch sind auf dem besten Wege dorthin, welche zu werden. Im Sommer haben sie nach ihrem Studium eine dreijährige Qualifizierung zur Moorspezialistin beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) begonnen. Niedersachsen beteiligt sich damit an der Fachkräfte-Offensive, die Mecklenburg-Vorpommern aufgebaut hat und die zu 90 Prozent aus Bundesmitteln finanziert wird. 

Niedersachsen startet Qualifizierung

Das Interesse Niedersachsens an der Qualifizierung von Spezialisten kommt nicht von ungefähr: Es ist das moorreichste Bundesland, wo sich mit 600.000 Hektar ein Drittel aller deutschen Moore befindet. Ein Großteil ist allerdings entwässert, viele Flächen wurden industriell abgetorft und werden heute vor allem von der Landwirtschaft genutzt. Doch intakte Moore nehmen gegen den Klimawandel eine wichtige Rolle ein: Sie bilden Torf, dadurch können sie das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) speichern. Umgekehrt entweichen aus trockengelegten Feuchtgebieten große Mengen CO2. 

Das Huvenhoopsmoor im Landkreis Rotenburg/Wümme wird vom NLWKN betreut. Focke Strangmann/dpa

Das Huvenhoopsmoor im Landkreis Rotenburg/Wümme wird vom NLWKN betreut. Focke Strangmann/dpa

© Focke Strangmann/dpa

Staatliche Fördermittel sollen daher dafür sorgen, dass Böden wieder nass gemacht werden und es auch bleiben. „Dafür brauchen wir gut qualifizierte Fachkräfte, die Wiedervernässungsprojekte vor Ort planen und umsetzen“, unterstrich Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) zum Start des Programms. Durch den Zuwachs an Fachleuten soll laut Bundesumweltministerium bundesweit eine schnelle und großflächige Umsetzung von Moor-Klimaschutzprojekten ermöglicht werden. 

Bis 2031 sollen 80 Moorspezialisten ausgebildet sein

„Die Mittel für die Wiederherstellung der Lebensräume sind da, es fehlt das Personal, das die Kompetenz mitbringt“, sagt Hannah Burmester vom NLWKN. In Mecklenburg-Vorpommern startete bereits 2025 das Qualifizierungsprogramm, in Niedersachsen dieses Jahr. 2027 sollen weitere Bundesländer dazukommen, sodass bis 2031 bundesweit 80 zusätzliche Moorspezialisten ausgebildet sind. 

Teilnehmerin: „Ich mag das Raue und die Weite der Moore“

Franziska Braun und Carla Rutsch sind die ersten Teilnehmerinnen aus Niedersachsen. Beide kennen sich schon gut aus mit Mooren. Die 29-jährige Braun studierte Biodiversität und Ökologie und schrieb ihre Bachelorarbeit über Hochmoore. Außerdem engagierte sie sich ehrenamtlich im Moorschutz beim Umwelt- und Naturschutzverband BUND. Dass sie im Rahmen der Qualifizierung aktiv zum Klimaschutz beitragen kann, sei für sie ein großer persönlicher Gewinn. 

Die Moorspezialistinnen sind regelmäßig auch vor Ort unterwegs. Focke Strangmann/dpa

Die Moorspezialistinnen sind regelmäßig auch vor Ort unterwegs. Focke Strangmann/dpa

© Focke Strangmann/dpa

„Ich mag das Raue und die Weite der Moore, aber auch die Geschichten, die sich dahinter verbergen“, betont sie. Früher habe man in den Feuchtgebieten eher das Mystische und Düstere gesehen, sich Gruselgeschichten erzählt von Moorleichen und Irrlichtern, sagt Braun: „Als Kind dachte ich, wenn man ins Moor fällt, ist man weg.“ Heute sind Moore teilweise touristisch erschlossen und gelten als attraktive Naturräume. 

Die 33-jährige Carla Rutsch hat einen Master in Landwirtschaftsökologie und bereits für ein Planungsbüro Projekte im Teufelsmoor betreut. Auch sie mag die Weite und Kargheit der Moore „und die Farben, gerade jetzt im Herbst.“

Renaturierung beutetet mehr als nur nass machen

Als besonders wertvoll bei dem Programm empfindet Carla Rutsch es, dass sie und die anderen Teilnehmenden neben der praktischen Arbeit Theorieeinheiten an der Universität Greifswald erhalten. „Dabei geht es um Torfkunde, Kartenerstellung, hydrologische Bodenkunde, rechtliche Aspekte“, nennt sie einige Inhalte. 

Hannah Burmester ist Carla Rutschs Mentorin und mit ihrem Team für den Bezirk Lüneburg zuständig, zu dem auch das Huvenhoopsmoor gehört. Es ist eines der größten Hochmoorgebiete, ab den 1950er-Jahren fand hier industrieller Torfabbau statt. „Deshalb gibt es auch viel zu tun“, sagt Burmester. „Es ist nicht so, dass man die Gebiete einmal wieder nass macht und dann ist es gut. Man muss dranbleiben.“ 

Torfmoos wächst ein bis vier Millimeter pro Jahr.Focke Strangmann/dpa

Torfmoos wächst ein bis vier Millimeter pro Jahr.Focke Strangmann/dpa

© Focke Strangmann/dpa

Zu den Aufgaben der Moorspezialistinnen gehört es, Maßnahmen zu betreuen, sich mit Wasserbauingenieuren und Bauunternehmen abzusprechen, Flächentausche für Landwirte zu organisieren - und auch mit den betroffenen Menschen vor Ort ins Gespräch zu kommen. „Es geht darum, Ängste bei den Landwirten und Anwohnern zu nehmen. Sie befürchten oft, dass ihre Flächen und Keller im Zuge der Vernässung der Flächen unter Wasser stehen“, berichtet Burmester. 

Torfmoos wächst nur sehr langsam

Aber es geht nicht nur um neue Vernässungen, sondern auch darum, die Feuchtgebiete langfristig zu betreuen. Franziska Braun war mit ihrem Mentor im Bezirk Oldenburg zuletzt bei einem Moorschäfer: „Ich war beeindruckt, wie effektiv die Schafe und Ziegen die Fläche vor einer Verbuschung bewahren.“ Im besten Fall kann das Torfmoos so ein bis vier Millimeter pro Jahr wachsen - und so die CO2-Emissionen stoppen.

In Niedersachsen gibt es bundesweit die meisten Hochmoorflächen. Focke Strangmann/dpa

In Niedersachsen gibt es bundesweit die meisten Hochmoorflächen. Focke Strangmann/dpa

© Focke Strangmann/dpa

Von einem Hochstand aus haben die Moorspezialistinnen eine gute Sicht auf das Huvenhoopsmoor. Focke Strangmann/dpa

Von einem Hochstand aus haben die Moorspezialistinnen eine gute Sicht auf das Huvenhoopsmoor. Focke Strangmann/dpa

© Focke Strangmann/dpa

Im Moor wachsen unter anderem Gagelsträucher und Heide. Focke Strangmann/dpa

Im Moor wachsen unter anderem Gagelsträucher und Heide. Focke Strangmann/dpa

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