Hochschulmedizin will Fake News mit Expertise kontern
Gibt es eine wirksame Medizin gegen Falschmeldungen und Populismus? Diese Frage stellen sich auch die Medizinischen Fakultäten in Deutschland bei einem Treffen in Dresden.
Dekanin Esther Troost sieht in Medizinischen Fakultäten einen wichtigen Standortfaktor für die ganze Region. (Archivbild) Robert Michael/dpa
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Die Hochschulmedizin will populistischen Aussagen und Fake News mit wissenschaftlicher Expertise begegnen. „Wir haben in Dresden während der Corona-Pandemie hautnah erlebt, wie wichtig und zugleich herausfordernd es ist, wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich darzustellen“, sagte Esther Troost, Dekanin der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden, der Deutschen Presse-Agentur. Die Medizinische Fakultät der TU Dresden ist am Donnerstag und Freitag Gastgeberin des Ordentlichen Medizinischen Fakultätentages.
Medizinstudenten stellten sich Corona-Leugnern in den Weg
Troost erinnerte an einen Vorgang während der Corona-Pandemie, als sich im Januar 2022 Studentinnen und Studenten der Medizin an der Uniklinik aktiv Corona-Leugnern und Kritikern der Schutzmaßnahmen in den Weg gestellt hatten, die dort demonstrieren wollten. „Insgesamt hat die Pandemie gezeigt, dass es essenziell ist, Ergebnisse nicht nur zu vermitteln, sondern auch den Weg bis dahin nachvollziehbar zu erklären: Etwa, wie die Entwicklung von Impfstoffen funktioniert oder weshalb sich wissenschaftliche Erkenntnisse verändern können, wenn neue Daten vorliegen.“
Anders sei die Situation dagegen, wenn das Wissenschaftssystem als Ganzes angegriffen werde, wie das aktuell in den USA der Fall sei oder von Teilen der AfD geplant werde, betonte die Professorin. „Ein solcher Angriff hätte massive Auswirkungen auf die Wissenschaft insgesamt. In der Hochschulmedizin wären die Folgen vergleichsweise schnell spürbar: bei der Versorgung von Patientinnen und Patienten, die mittelfristig von innovativer medizinischer Versorgung abgeschnitten wären.“ Deshalb könne man bei diesem Thema nicht schweigen.
Zivil-militärische Kooperation in Gesundheitsforschung nötig
Troost äußerte sich auch zu einem weiteren Thema des Medizinischen Fakultätentages. Dabei geht es um die Frage, welche Rolle zivil-militärische Kooperationen in der Gesundheitsforschung spielen. Die Professorin misst dieser Zusammenarbeit wachsende Bedeutung zu. „Im Vergleich zu Ländern wie der Ukraine oder Israel stehen wir in Deutschland dabei allerdings noch eher am Anfang. Klar ist, dass wir uns auf neue Szenarien einstellen müssen.“
Ärztliche Berufsgruppen hätten in Krisen- und Katastrophenlagen besondere Aufgaben und Verantwortung, erklärte Troost. Diese Themen müssten in Zukunft deutlich stärker und vor allem gebündelt in die Lehre integriert werden. „Das betrifft nicht nur theoretische, sondern auch praktische Lehrinhalte, zum Beispiel das Bergen von Verletzten ohne professionelle Hilfsmittel, die Basis- und Erstversorgung von Verletzten auch unter schwierigen Rahmenbedingungen, die Vorbereitung auf koordinative Aufgaben.“
„Hier ist eine enge Kooperation von Medizinischen Fakultäten mit der Bundeswehr ein sehr wichtiger Ansatz“, stellte die Dekanin klar. An vielen Standorten in Deutschland liefen entsprechende Pilotprojekte oder seien in Vorbereitung. Neben dem Vermitteln theoretischer und praktischer Fertigkeiten müsse die Kommunikation und Kooperation von Bundeswehr und ziviler medizinischer Versorgung gestärkt werden.