Herausforderung WM: ARD-Expertin Schult und ihr US-Trip
Eine Fußball-WM in Übersee muss gut geplant werden, auch von Journalisten und Kommentatoren. Almuth Schult bereitet sich akribisch auf die Mannschaften vor - vermissen wird sie ihre vier Kinder.
Almuth Schult in der Umkleidekabine ihres alten Jugendvereins im Wendland. Philipp Schulze/dpa
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Das Unternehmen Fußball-WM erfordert von Almuth Schult eine logistische Meisterleistung. Vier Wochen wird sich die ARD-Expertin in Städten wie Boston, Kansas City und Houston bewegen - ihre vier Kinder bleiben zu Hause. „Es wird für mich eine harte Zeit, nur in den ersten zwei Wochen freue ich mich vermutlich noch, dass ich durchschlafen kann“, erzählt die 35 Jahre alte Ex-Nationaltorhüterin im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in der Umkleidekabine ihres alten Jugendvereins, dem FC SG Gartow im niedersächsischen Wendland.
Sie freue sich darauf, Bekannte aus ihrer aktiven Zeit in den USA zu treffen. Aber sie weiß auch, dass sich ihre Gedanken oft um die Familie drehen werden: das Wohlergehen der sechsjährigen Zwillinge, dem fast dreijährigen Sohn und der nicht einmal ein Jahr alten Tochter. Video-Calls machen die Sehnsucht von kleinen Kindern nach der Mutter nicht unbedingt besser, weiß sie.
„Klar ist es eine Herausforderung. Aber ich sehe es positiv und versuche, Lösungen zu finden“, sagt Schult.
Bastian Schweinsteiger werde nie nach Kinderbetreuung gefragt
Die langjährige Torhüterin des VfL Wolfsburg wundert sich, dass sie immer wieder auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf angesprochen wird. „Ein Bastian Schweinsteiger wird auch nicht gefragt, wie er seine Kinder betreut“, führt sie an. Herausfordernd sei die Zeit beim HSV gewesen, als sie ein Vierteljahr aus dem Wendland nach Hamburg zum Training pendelte. Dabei habe die Aufwandsentschädigung in der zweiten Liga nicht einmal für die Fahrtkosten gereicht.
Ihr Antrieb ist die Lust am Gestalten: „Ich brauche meine Arbeit als Anker in meinem Leben, weil es mir Spaß macht und als Selbstverwirklichung.“ In den USA hat sie erfahren, wie Frauen mit Kindern von den Clubs besonders geschätzt und unterstützt werden.
US-Clubs verpflichten gern Mütter - sie gelten als stressresistent
„Dort haben Mütter für die Mannschaft einen Mehrwert, sie bewegen sich im Verbund anders, sind resistenter gegen Stress und Vorbild für die Teamkolleginnen“, erzählt Schult, die für Kansas City Current und Angel City FC in der US-Liga auflief. In beiden Teams habe es je drei Mütter gegeben. „Es ist für mich ein wichtiges Thema, weil es so viele Vorurteile gibt“, sagt die meinungsstarke Kämpferin für den Frauenfußball.
Die ehemalige Nationaltorhüterin Almuth Schult arbeitet inzwischen als TV-Expertin. Friso Gentsch/dpa
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Auch für ihren Nachwuchs sei das zusammen Erlebte wichtig. Die Zwillinge sind sportbegeistert, kommen vermehrt zum Gartower Bambini-Training, das die Mutter leitet. Wenn sie nicht gerade andere Verpflichtungen hat. Dann springen entweder der Ehemann, der Bruder oder der Cousin als Vertretung bei der U7 ein. „Bei uns geht das alles nur im Familienverbund“, erzählt sie lachend.
Dafür nimmt sie die drei Kinder der Schwester mal mit in den Urlaub, wenn die Landwirtin auf dem Hof viel zu tun hat. „In der Erntezeit und wenn der Mais gehäckselt wird, steht bei uns zumeist ein dickes X im Kalender“, berichtet sie. Der Familienhof, auf dem sie aufgewachsen ist, liegt ihr sehr am Herzen. „Ich habe es geliebt, hier Kind zu sein, zu den Nachbarn ‚rüberzugehen und vom Busfahrer gegrüßt zu werden.“
Den Traktor durfte sie auf dem Feld lenken, sobald sie mit den Füßen an die Pedale kam. Inzwischen liebt sie die Ruhe und Gemeinschaft: „Jeder kennt jeden, es herrscht eine gewisse Zuverlässigkeit und ich habe keine Angst, meine Kinder auf den Spielplatz zu lassen“. Wenn die Familie im kleinen Kreis zusammenkommt, sitzen locker an die 30 Mitglieder zusammen. Wenn eine Feier ansteht, werden es schon einmal mehr als 60.
Zeitplan auf Kante genäht
Almuth Schult kann sich nicht vorstellen, noch einmal woanders hinzuziehen: „Im Wendland wohnen sehr viele fröhliche Menschen, viele sind hergezogen und entscheiden sich dafür. Wir sind offen für Zugezogene“.
Besonders durch den Widerstand gegen ein Atommüllendlager in Gorleben hat sich die Region verändert - auch Schult ist als Kind von ihren Eltern zu Demonstrationen mitgenommen worden. Heute engagiert sie sich in der Gemeinschaft, wo sie kann - in der Feuerwehr, im Schützenverein und als ehrenamtliche Geschäftsführerin des Waldkindergartens.
„Manchmal ist mein Zeitplan sehr auf Kante genäht“, berichtet die TV-Expertin und verweist noch auf eine Zeitungskolumne und den Podcast „Almuths Pausentee“. Wenn sie es zeitlich schafft, läuft sie für die Frauenmannschaft ihres Heimatvereins auf - allerdings nicht im Tor: „Ich spiele dort, wo das Trainerteam mich hinstellt“. Manches Mal hilft sie auch bei Punktspielen der Herren in der Kreisliga aus, bisher zwischen den Pfosten - da fühlt sich die Olympiasiegerin von 2016 in Rio am sichersten.
Daniel Pewestorf hat mit ihr schon in der Jugend zusammengespielt und schätzt ihre Verbundenheit mit dem Heimatclub. „Almuth steht sinnbildlich für den Verein, weil sie das Gemeinschaftsgefühl lebt“, sagt der Vereinsvorsitzende des FC SG Gartow. „Über die Jahre, in denen sie in der Welt unterwegs war, hat sie uns nicht vergessen.“
TV-Expertin Almuth Schult bereitet sich akribisch auf die WM vor. Sebastian Gollnow/dpa
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In den nächsten Tagen wird sie viel lesen und sich auf etliche WM-Teams vorbereiten. „Es ist eine große Freude, das zu begleiten.“ Seit fünf Jahren ist sie bei internationalen Frauen- und Männerturnieren dabei und genießt ihre Rolle: „Ich bin unheimlich gern im Fußball und habe Glück gehabt.“ Sie kann sich auch andere Tätigkeiten vorstellen - im Trainer- oder Funktionärsbereich: „Ich habe gelernt, dass man nicht so viel planen soll“.
Almuth Schult spielt für ihren alten Jugendverein im Wendland. Philipp Schulze/dpa
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Die ehemalige Nationaltorhüterin Almuth Schult spielt wieder für ihren alten Jugendverein im Wendland. Philipp Schulze/dpa
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