Geheimfavorit? Marokko entgeht Blamage gegen Haiti
Eigentor, 126-km/h-Traumtor und ein Außenseiter, der Marokko ins Schwitzen bringt: Warum Haiti bei der WM-Party in Atlanta für ungläubige Gesichter sorgte - am Ende aber doch verlor.
Ausgleich! Achraf Hakimi befördert den Ball über die Linie und liegt gleich mit im Tor.Jacob Kupferman/AP/dpa
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Beinahe-Blamage statt Gruppensieg: Marokko hat zum Abschluss der WM-Vorrunde den krassen Außenseiter Haiti mit Mühe 4:2 (2:2) besiegt und zieht als Zweiter in die K.o.-Phase ein. Der Afrikameister machte gegen den Karibikstaat zweimal einen Rückstand wett, musste in der Gruppe C aber letztlich Brasilien den Vortritt lassen. Der Rekordweltmeister besiegte im Parallelspiel Schottland 3:0 (2:0).
Marokkos Torwart Bono (10. Minute) brachte den Underdog per Eigentor in Führung. Es war erst das dritte WM-Tor von Haiti. Nach dem Ausgleich durch Achraf Hakimi (39.) drosch der Haitianer Wilson Isidor (43.) den Ball aus 26 Metern in den Winkel. Die 68.239 Fans in Atlanta flippten aus - oder schauten ungläubig drein. Der bei Bayern München gehandelte Ismael Saibari (45.+1) brachte den Halbfinalisten von 2022 zurück ins Spiel. Soufiane Rahimi (78.) und Gessime Yassine (89.) sorgten schließlich noch für den marokkanischen Sieg.
Josephs Hacke an den Rücken
Haitis Trainer Sébastien Migné war seiner Linie treu geblieben und hatte seine Startelf erneut verändert. Seit seinem Amtsantritt im März 2024 brachte der Franzose in 27 Spielen 25-mal eine andere Startelf. Neu dabei war Lenny Joseph, der gleich für ein Highlight sorgte.
Lenny Joseph sorgt für ein Eigentor von Marokkos Torwart Bono. Jacob Kupferman/AP/dpa
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Der Stürmer von Ferencvaros Budapest beförderte den Ball mit der Hacke an den Rücken von Bono, wenig später zappelte er im Netz. Der Jubel unter den zahlreichen haitianischen Fans war frenetisch. Bei der ersten WM-Teilnahme 1974 hatte der Inselstaat zwei Tore erzielt, beide gelangen Rekordnationalspieler Emmanuel Sanon.
Mit 126 km/h in den Winkel
Marokko hatte Haiti erst spielen lassen, doch nun drückte der Favorit. Im Mittelpunkt der Chancen: Saibari, der in den ersten beiden Spielen jeweils getroffen hatte. Der 25-Jährige beförderte den Ball erst aus wenigen Metern über das Tor (13.), scheiterte dann mit einem Schuss (23.) am 38 Jahre alten Haiti-Keeper Johny Placide.
Erst als Hakimi und Ayoub El Kaabi (30.) eine gewaltige Doppelchance ungenutzt gelassen hatten, klappte es doch noch. Stuttgarts Bilal El Khannouss zog aus spitzem Winkel ab, der Ball fiel von Placides Fäusten Hakimi vor die Füße - und kullerte irgendwie ins Tor. Isidors Antwort mit einem 126 km/h strammen Schuss ließ Hakimi dann nur kopfschüttelnd zurück.
Haiti-Fans waren in Atlanta zahlreich vertreten.Jacob Kupferman/AP/dpa
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Doch der PSG-Profi, der sich bald wegen eines Vergewaltigungsvorwurfs vor Gericht verantworten muss, berappelte sich - und blieb im marokkanischen Spiel prägend. In der Nachspielzeit setzte er sich einmal mehr auf seiner rechten Seite durch, legte überlegt in den Rücken der Abwehr und ließ Saibari vollenden.
Rahimi und die Ecke
Marokko wollte mehr - scheiterte jedoch zunächst durch Unvermögen, Abseitsstellungen oder Paraden von Placide. Haiti kam zwar zum ein oder anderen Konter, allerdings wurden die Lücken in der Abwehr auch immer größer. Zudem unterlief Ricardo Ade (65.) beinahe ein Eigentor.
Weil Marokko aus dem Spiel heraus die Ideen ausgingen, musste ein Standard her. Eine Ecke von Hakimi verlängerte Chadi Riad mehr oder weniger freiwillig auf Rahimi. Der 30 Jahre alte Stürmer setzte den Ball aus der halben Drehung ins Tor. Yassine setzte mit seinem Treffer den Schlusspunkt.