WM 2026

Fußball-Fieber in Amerika? Die WM als Stimmungs-Achterbahn

Ausgelassene Partys und ruhige Plaudereien: Die Stimmung bei der WM in Nordamerika ist so vielfältig wie die Spielorte selbst. Wo das Fußball-Fieber besonders spürbar ist.

Von den dpa-Korrespondenten

20.06.2026

In Mexiko wird die WM mit einer Parade gefeiert. (Archivbild)Felix Marquez/dpa

In Mexiko wird die WM mit einer Parade gefeiert. (Archivbild)Felix Marquez/dpa

© Felix Marquez/dpa

Drei Fußball-Kulturen, verteilt auf 15 Städte und Stadien: Die WM in den USA, Mexiko und Kanada ist nicht nur geografisch gewaltig. Auch bei der Stimmung herrschen zwischen den einzelnen Spielorten große Unterschiede. Während es in einigen Stadien so laut wie ein startendes Flugzeug ist, kann man in anderen einen ruhigen Plausch halten. Das WM-Stimmungsbarometer im Überblick:

Mexiko-Stadt 

Das Aztekenstadion hält, was es verspricht. Ein Stimmungs-Tempel, in dem der Lautstärkepegel auch schon mal über 130 Dezibel erreicht. Bei Mexikos Sieg gegen Südafrika waren die Ränge fest in heimischer Hand, Kolumbien gegen Usbekistan wurde zum Heimspiel der Südamerikaner. Geprägt sind die Spieltage aber auch von viel Chaos auf An- und Abreise, bis zu 8.000 Polizisten am Stadion und fortwährender, teilweise gewaltsamer Demonstrationen.

Guadalajara/Zapopan

Allerspätestens bei der Ankunft von Mexikos Team zum zweiten Gruppenspiel kochte die Stimmung über. Zigtausende Fans belagerten das Hotel, die Bustour wurde schon zur Triumphfahrt. Wie in Mexiko-Stadt herrscht auch in Guadalajara Ausnahmezustand vor allem, wenn die eigene Mannschaft spielt. Das Fan-Fest vor der Partie wurde kurzerhand gestürmt, von Zäunen ließen sich die Mexikaner nicht bremsen.

Monterrey/Guadalupe

Nicht nur der Fußball sorgt in Monterrey für aufgeheizte Stimmung – die Temperaturen liegen dort teils über 40 Grad. Beim Fan-Fest zum WM-Spiel zwischen Mexiko und Südkorea im Stadtpark Parque Fundidora mussten mindestens 30 Menschen wegen Hitzschlags medizinisch behandelt werden. Mehr als 100.000 Fans feierten dort den Einzug Mexikos in die K.-o.-Runde – mit einer Begeisterung, als hätte die Auswahl bereits den WM-Titel gewonnen.

Toronto

Die Großstadt an der Ostküste erlebte vor dem Auftaktmatch des Co-Gastgebers gegen Bosnien-Herzegowina einen Fanmarsch, wie es ihn zuvor im Eishockey-Land Kanada noch nie gegeben hatte. Das Team um Bayern-Profi Alphonso Davies ist mittlerweile nach Vancouver umgezogen - die Euphorie ist aber geblieben. Das Fan-Fest ist regelmäßig gut besucht und bei jedem WM-Spiel in der Millionen-Metropole versammeln sich Zehntausende beim Public Viewing.

Kanadas Fans ziehen gemeinsam zum Stadion in Toronto. Jon Blacker/Canadian Press via ZUMA Press/dpa

Kanadas Fans ziehen gemeinsam zum Stadion in Toronto. Jon Blacker/Canadian Press via ZUMA Press/dpa

© Jon Blacker/Canadian Press via ZUMA Press/dpa

Vancouver

Auch an der kanadischen Westküste herrscht Fußball-Fieber. Unweit des Stadions von Vancouver wurde vor der WM eine riesige Version des Turnierballs Trionda aufgebaut. Zum zweiten Gruppenspiel der Kanadier pilgerten zehntausende Fans zur Arena. Nach dem Ende der Saison in der Eishockey-Liga NHL ist Fußball ausnahmsweise die Nummer eins.

New York/East Rutherford

Besonders am berühmten Times Square sind an den Spieltagen viele Fans zu finden. Hunderte von ihnen verfolgen die Partien auch im German House of Soccer, einem vom Deutschen Fußball-Bund organisierten Fantreff in der Millionen-Metropole. In den ersten Tagen herrschte neben WM- aber vor allem Basketball-Fieber: Der Titelgewinn der New Knicks in der NBA sorgte für emotionalen Ausnahmezustand in der Stadt. Blau und Orange, die Farben der Knicks, dominierten. Bis Donnerstag, wenn Deutschland hier auf Ecuador trifft, dürften sich zunehmend auch Schwarz, Rot und Gold darunter mischen.

Atlanta

Die große Party auf den Rängen gab es bisher nur zweimal für ein paar Minuten - nach dem Schlusspfiff des ersten Spiels zwischen Spanien und Kap Verde und dem Tor von Südafrika gegen Tschechien. Ansonsten herrscht in der gewaltigen Halle von Atlanta - das Dach muss immer geschlossen bleiben - eher gebannte Ruhe. Man kann sich ungestört unterhalten, ohne heißer zu werden. Nur bei den in der klimatisierten Arena unnötigen Trinkpausen wurde es stets laut: durch Pfiffe und Buhrufe.

Boston/Foxborough

Boston zog bereits in der Vorrunde das große Los: Gleich zwei Spiele der Schotten fanden hier statt. Zehntausende Fans in Kilts und mit Dudelsäcken verwandelten die Stadt tagelang in eine Partymeile und sorgten im Stadion für beste Stimmung. Während der Hymne herrschte Gänsehaut-Atmosphäre, Songs wie „No Scotland, no Party“ sind zum Soundtrack Bostons geworden. Auch die Norweger trugen mit ihrer Ruder-Choreografie zur ausgelassenen Stimmung bei.

Die schottischen Fans verwandeln Boston zur Partyzone. Martin Rickett/PA Wire/dpa

Die schottischen Fans verwandeln Boston zur Partyzone. Martin Rickett/PA Wire/dpa

© Martin Rickett/PA Wire/dpa

Dallas/Arlington

In Dallas Downtown laufen die WM-Spiele unter anderem auf einer riesigen Videoskulptur an einer Häuserwand. Auch in den Bars sind etliche Bildschirme aufgehängt. Die englischen und niederländischen Fans feierten aber vor allem im „Texas Live“, einem lebhaften Unterhaltungskomplex in unmittelbarer Nähe zum Stadion in Arlington. Dass die WM-Teams aus Schweden und Tschechien ihr Quartier in unmittelbarer Nähe aufgeschlagen haben, dürfte vielen Amerikanern verborgen geblieben sein. Kaum etwas deutet in der Stadt darauf hin.

Houston

In der texanischen Stadt sind im Zentrum immer wieder Fahnen der WM-Teilnehmer zu sehen, in den Bars und Restaurants treffen sich die reisenden Fans aus unterschiedlichsten Nationen. Durch die Größe der Millionenstadt verläuft sich aber vieles - den Höhepunkt erreicht die WM-Stimmung erst zu den Spielen am Stadion im Süden. Großereignisse sind Houston allerdings auch alles andere als fremd - nicht nur im Sport. Die Houston Livestock Show and Rodeo ist eigenen Angaben zufolge die größte Viehschau der Welt.

Kansas City

Die Stadt im mittleren Westen bezeichnet sich selbst als Hauptstadt des Fußballs in den USA. Und bislang liefert KC. Zum ersten Spiel der Argentinier verwandelten rund 40.000 Fans von Messi und Co. die Stadt in eine riesige Partymeile. Zentrale Orte der Feierlichkeiten sind das Fan-Festival am National WWI Museum und der P&L District mit unzähligen Bars und Restaurants. Da in Argentinien, England, den Niederlanden und Algerien gleich vier Teams ihr Quartier in Kansas City aufgeschlagen haben, lebt der Fußball auch an den Tagen ohne WM-Spiel in KC.

Los Angeles/Inglewood

Erst Co-Gastgeber USA zum Auftakt, dann in Iran mit der riesigen Community in Südkalifornien erneut ein Team mit vielen Fans in der Gegend: Im hochmodernen Stadion in Inglewood herrschte bei dieser WM bislang hervorragende Stimmung - nach US-Verhaltensmuster. Gesänge unabhängig vom Spielverlauf lieferten nur die Anhänger von Bosnien-Herzegowina, ansonsten waren Schreie, Jubel und Lärm vom Verlauf der Spiele abhängig - die allerdings viel zu bieten hatten. In der Metropolregion Los Angeles selbst gibt es Public Viewings mit ordentlichem Zulauf, im Stadtbild findet sich die WM kaum. 

Miami

Knapp sechs Millionen Menschen mit einem lateinamerikanischen Hintergrund leben in Florida. Sie machen damit mehr als ein Viertel der Gesamtbevölkerung des Bundesstaats aus. In Miami ist die Fußball-Begeisterung deshalb von jeher größer als in anderen Großstädten der USA. Und deshalb sind die Straßen der Stadt auch an Nicht-Spieltagen voll mit Menschen, die ein Trikot Kolumbiens, Mexikos, Uruguays oder Paraguays tragen. Die WM ist sehr präsent im Stadtbild. Und Miami hatte auch Glück bei der Auslosung: Uruguay, Brasilien, Kolumbien und im Falle des Gruppensiegs auch Argentinien tragen hier mindestens ein Spiel aus.

Philadelphia

Zigtausende Ecuador-Fans unterstützten ihr Team beim Auftaktspiel gegen die Elfenbeinküste. Auch rund um den Auftritt der Brasilianer herrschte große Begeisterung in der Stadt. Schon als der Rekordweltmeister am Vortag der Partie gegen Haiti sein Hotel erreichte, wurde er euphorisch empfangen. In vielen Bars laufen die Spiele im Fernsehen, in den Straßen sind Fans in Trikots zu sehen. Er interessiere sich sonst nicht so sehr für Fußball, aber diese Atmosphäre jetzt wolle er schon aufsaugen, sagt ein Mann in einer Kneipe.

Brasiliens Fans versammeln sich in Philadelphia an der Rocky-Statue.Petr David Josek/AP/dpa

Brasiliens Fans versammeln sich in Philadelphia an der Rocky-Statue.Petr David Josek/AP/dpa

© Petr David Josek/AP/dpa

San Francisco/Santa Clara

Mit gleich zwei Einheizern und lauter Beschallung geben sich die Veranstalter alle Mühe, die Stimmung anzufachen. Abgesehen von sportlichen Highlight-Szenen wird es vor allem vor den Spielen, in der Halbzeit und in den Trinkpausen laut, wenn die Fans auf den Leinwänden gezeigt werden, tanzen und winken. Zudem fielen die zahlreichen jordanischen Fans auf. Sie feierten gegen Österreich das erste WM-Spiel ihrer Geschichte ausgelassen.

Seattle

Was sich bei Belgien und Ägypten noch etwas schleppend anließ, resultierte beim zweiten Spiel des Gastgebers in Euphorie. Schon Stunden vor dem 2:0 der USA über Australien trafen sich tausende Fans beider Teams rund um das Stadion und feierten gemeinsam ein Fußball-Fest. Das Vor-Ort-Studio des Senders Fox Sports säumten später zahlreiche euphorische US-Fans. Als die US-Hymne abgespielt war, flogen Hubschrauber unmittelbar über dem Stadion. In der Arena ertönten nach dem Erfolg Klassiker wie „Livin‘ on a Prayer“ von Bon Jovi oder „Take Me Home, Country Roads“ von John Denver.

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