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Fritz und das Werder-Dilemma: Wenig Geld, hohe Erwartungen

Werder Bremen wäre fast abgestiegen. In der neuen Saison soll vieles besser werden. Doch die Probleme sind die alten - trotz einiger Verkäufe.

Von Lars Reinefeld, dpa

24.08.2026

Clemens Fritz hat die Kritik an seiner Person auch nachdenklich gestimmt. (Archivfoto)David Ebener/dpa

Clemens Fritz hat die Kritik an seiner Person auch nachdenklich gestimmt. (Archivfoto)David Ebener/dpa

© David Ebener/dpa

Clemens Fritz hat bei Werder Bremen alles erlebt. Er war Spieler, hat die Scouting-Abteilung geleitet und in der für den Club so schwierigen Corona-Zeit als Fußball-Chef gewirkt. Seit zwei Jahren ist der 45-Jährige nun als Sport-Geschäftsführer hauptverantwortlich für die sportliche Entwicklung des Clubs - und steht damit im Zentrum der Kritik, wenn es an der Weser mal nicht läuft.

Und das war in der jüngeren Vergangenheit häufig der Fall. Besonders die vergangene Saison hat Spuren hinterlassen. Nur mit Ach und Krach und vor allem, weil drei Teams noch schwächer waren, verhinderten die Grün-Weißen den erneuten Abstieg in die zweite Liga.

Kritik geht nicht spurlos vorbei

Für viele Fans und Experten war der Hauptschuldige an der sportlichen Talfahrt schnell klar: Clemens Fritz. Das führte so weit, dass sich sogar eine Mitgliederinitiative gegründet hat, die die Entlassung des Ehrenspielführers zum Ziel hatte. Zwar geht es dieser inzwischen überwiegend um die Rechte von Mitgliedern, doch die Wucht der Kritik ist an Fritz nicht spurlos vorbeigegangen. In der Hochphase des Abstiegskampfes sah man ihm die Strapazen deutlich an.

„Ich würde behaupten, dass ich - auch aus meiner Erfahrung als Spieler - ganz gut mit Kritik umgehen kann, ein reflektierter Mensch bin und mich auch immer hinterfrage“, sagte Fritz im Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn es aber keine konstruktive Kritik mehr ist, persönlich wird und es auch in Richtung Familienleben geht, dann werden auch Grenzen überschritten, und das macht dann schon etwas mit einem“, räumte der Geschäftsführer ein. „Das kann ich nicht bestreiten. Und da gab es schon hin und wieder den Fall, wo ich ein bisschen schlucken musste.“ Denn seit mittlerweile 20 Jahren ist er im Club. 

Finanzielle Altlasten

Hauptkritikpunkt an Fritz ist seit seiner Amtsübernahme von Frank Baumann die Kaderplanung. Schon Baumann wurde immer wieder vorgeworfen, er agiere zu vorsichtig und ideenlos. Dabei hatten und haben Baumann und Fritz das gleiche Problem: die Finanzen. Werder geht wegen der Belastungen durch das Weserstadion und verschiedene Anleihen stets mit einem strukturellen Defizit in die Saison. Gelingt es den Bremern dann nicht, Transfererlöse zu erzielen, sind den Verantwortlichen die Hände gebunden.

Das ist auch in diesem Sommer so - sogar auf eklatante Art und Weise. Denn anders als in den Transferperioden zuvor haben es Fritz und Co. geschafft, durch den Verkauf von Spielern Geld einzunehmen. Rund 40 Millionen Euro flossen in diesem Sommer für Mio Backhaus, Romano Schmid und Karim Coulibaly auf das Werder-Konto. Genug Geld, um in den Kader zu investieren - sollte man meinen.

Doch die zwölf Millionen aus dem Backhaus-Verkauf zum SC Freiburg waren dringend nötig, um das Millionen-Loch aus dem vergangenen Geschäftsjahr zu stopfen. Und auch die übrigen Einnahmen sind für andere nicht sportliche Dinge verbucht - keine einfache Situation also für Fritz und Fußball-Chef Peter Niemeyer.

Füllkrug-Transfer als Stimmungsaufheller

Immerhin gelang es den Werder-Bossen zuletzt, mit Ludovit Reis, Eren Dinkci und vor allem dem spektakulären Transfer von Niclas Füllkrug die bereits wieder kochende Bremer Fanseele etwas zu beruhigen. „Natürlich sind wir froh, dass die Verpflichtungen von Niclas, aber auch von Eren, so positiv aufgenommen worden sind. Mit beiden haben wir unser Team qualitativ verstärkt“, sagte Fritz.

Das triste 3:0 im DFB-Pokal beim Oberligisten Lüneburger SK Hansa machte aber deutlich, dass der Kader noch nicht rund ist. Zumal es wieder einmal viele Verletzte gibt. Ein Rechtsverteidiger und ein zentraler Mittelfeldspieler sollen bis zum Ende der Transferperiode am 1. September noch kommen. Das Problem: Zuvor muss Fritz erst weitere Spieler verkaufen. Ein gefährlicher Spagat, schließlich würde etwa der Abgang eines Jens Stage einen riesigen sportlichen Verlust bedeuten.

Wo Werder vor dem Saisonstart am Sonntag beim SC Freiburg steht und was in der neuen Spielzeit möglich ist, ist daher schwer zu prognostizieren. „Auf eine Achterbahnfahrt wie in der vergangenen Saison kann ich gut verzichten“, sagte Fritz. „Wenn wir am Ende im gesicherten Mittelfeld rauskommen und nichts mit den Abstiegsrängen zu tun haben, dann können wir von einer guten Saison sprechen. Wir brauchen jetzt aber nicht von Europa zu reden.“

Clemens Fritz steht noch eine arbeitsreiche Woche bevor. (Archivfoto)David Ebener/dpa

Clemens Fritz steht noch eine arbeitsreiche Woche bevor. (Archivfoto)David Ebener/dpa

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Clemens Fritz hofft auf eine sorgenfreie Saison mit Werder Bremen. (Archivfoto)David Ebener/dpa

Clemens Fritz hofft auf eine sorgenfreie Saison mit Werder Bremen. (Archivfoto)David Ebener/dpa

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