Fischereitag berät über Wandel und Zukunft der Branche
Schwindende Fanggebiete, Generationenwechsel, alte Kutter: Beim Deutschen Fischereitag geht es darum, wie die Branche die Transformation gestaltet - die Sorgen sind dabei je nach Sparte verschieden.
Der Fischereitag berät über den Wandel und die Zukunft der Branche. (Archivbild)Lars Penning/dpa
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Der Deutsche Fischereitag in Wilhelmshaven befasst sich in diesem Jahr mit dem Wandel in verschiedenen Teilen der Branche. „Dieser Fischereitag steht im Zeichen vieler Herausforderungen der Transformation“, sagte der Präsident des Deutschen Fischerei-Verbandes, Christoph Frauenpreiß. In dem Wandel lägen aber auch Chancen. Viele Betriebe, etwa die Küstenfischer, seien bereit, den Wandel mitzugestalten. Daher gehe es bei dem Branchentag auch um Kuttermodelle der Zukunft und neue Antriebsmöglichkeiten.
Beim Fischereitag beraten rund 200 Vertreterinnen und Vertreter aus der Fischerei, von Behörden und der Politik zur Lage der Fischwirtschaft. Je nach Sparte sind die Herausforderungen verschieden. Ein Überblick:
Küstenfischerei hofft auf Zukunftskutter
An der Nordseeküste befindet sich die Küstenfischerei bereits mitten in der Transformation. Durch die Ausweisung von Flächen für Offshore-Windparks gingen die Fanggebiete der Küstenfischer zurück, sagte Lorenz Marckwardt, Vorsitzender des Landesfischereiverbandes Schleswig-Holstein. Aktuell gebe es noch rund 120 Krabbenkutter. 25 Fahrzeuge würden nun abgewrackt.
Denn die Bundesregierung hat ein Hilfsprogramm zum Abwracken alter Kutter auf den Weg gebracht - so soll Fischern angesichts immer schwerer werdenden Fangbedingungen der Ausstieg aus dem Fanggeschäft ermöglicht werden.
Für Küstenfischer an der Nordsee schwinden wegen des Ausbaus der Offshore-Windenergie die Fangmöglichkeiten. (Archivbild)Lars Penning/dpa
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Für ältere Fischer sei so eine gute Ausstiegsmöglichkeit geschaffen worden, sagte Marckwardt. Hoffnung setzen viele Fischer auf einen „Kutter der Zukunft“, der aktuell an der Hochschule Emden-Leer entwickelt wird. „In meinen Augen ist das in Ordnung, nur es dauert zu lange“, sagte Marckwardt. Von der Politik bräuchten die Küstenfischer verlässlichere Rahmenbedingungen.
Hochseefischer pochen auf Abkommen
Die deutschen Hochseefischer sehen geopolitische Spannungen und nationale Alleingänge bei der Fischereipolitik, insbesondere im Nordatlantik, mit Sorge. Annegret Finke, Vorsitzende des Deutschen Hochseefischerei-Verbandes, sagte, die Einhaltung fischereipolitischer Abkommen mit Drittstaaten sei wichtig für den wirtschaftlichen Erfolg ihrer Branche.
„Die Fangmöglichkeiten fallen uns im Rahmen von internationalen Abkommen zu. Also Abkommen mit Grönland, mit Norwegen, mit UK“, sagte Finke. „Internationale Abkommen bilden das Rückgrat unserer Fischerei und deshalb sind wir darauf angewiesen, auf gute politische Beziehungen.“ Deshalb sei es wichtig, dass Deutschland und die EU etwa bei Fanganrechten und Zugangsregeln für gleiche Wettbewerbsbedingungen für Flotten unterschiedlicher Staaten eintreten.
Binnenfischer vor Generationenwechsel
Vor einem Generationenwechsel stünden aktuell viele Betriebe der Binnenfischerei, sagte Isabell Schwegel, Präsidentin des Verbandes der Binnenfischerei und Aquakultur. Es gebe viele junge Fischer, die diese Betriebe fortführen wollten. Doch auch dafür brauche die Branche Förderungen. „Gerade die Unterstützung der Öffentlichkeit, der Politik, die ist relevant, dass wir dann auch weiterarbeiten können.“
Vor Schwierigkeiten stellten die Binnenfischer etwa Fraßschäden durch Kormorane. „Es ist eines der großen Punkte, auch nun bei unserem Deutschen Fischereitag, dass man das angeht“, sagte Schwegel.
Angelfischerei weiter gefragt
Einen anhaltenden Boom erlebt die Angelfischerei in Deutschland. „In Deutschland gehen laut Selbstaussage derzeit über 6,5 Millionen Menschen mindestens einmal im Jahr angeln“, sagte Olaf Lindner, Sprecher vom Deutschen Angelfischerverband. „Das ist schon enorm.“
Gefragt sei das Angeln als Naturerlebnis und Ausgleich zum Alltag. Aber auch der ehrenamtliche Naturschutz sei für viele Anglerinnen und Angler ein wichtiger Bestandteil. Denn mit einem Fischereirecht bestehe auch eine gesetzliche Hegeverpflichtung. „Da werden dann Ufer gereinigt oder Fische geschützt“, sagte Lindner.