Finale wird zum Kraftakt - Freiburger betonen Charakter
Der SC Freiburg fiebert nach dem 1:1 gegen Wolfsburg dem größten Europapokal-Spiel der Vereinsgeschichte entgegen. Die Kraftfrage soll für Kapitän Christian Günter keine Rolle spielen.
Schulterschluss zwischen Fans und Spielern: Am Donnerstag steht das bisher wichtigste internationale Spiel der Vereinsgeschichte an.Philipp von Ditfurth/dpa
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Lautstark schworen die Fans den SC Freiburg umgehend auf den Europapokal-Halbfinal-Hit ein. Nach dem 1:1 gegen den VfL Wolfsburg steigt bei den Badenern das Kribbeln vor dem bisher größten internationalen Spiel der Vereinshistorie am Donnerstag (21.00 Uhr/RTL) gegen Sporting Braga.
„Sie haben uns einfach gerade noch mal gesagt, sie sind stolz auf uns, und für sie wäre es natürlich das Größte, wenn wir das Spiel am Donnerstag ziehen“, schilderte Kapitän Christian Günter. „Sie werden alles hier im Stadion lassen. Das werden wir auf jeden Fall auch tun, das kann ich versprechen.“
Von Bedenken, dass den Badener im Saisonendspurt die Kräfte ausgehen können, wollte Günter nichts wissen. Dass die Freiburger seit vier Spielen sieglos sind, mit dem Halbfinal-Aus im DFB-Pokal in Stuttgart und im portugiesischen Braga Last-Minute-Niederlagen (1:2) einsteckten, soll ebenso wenig an der Zuversicht rütteln wie das Remis gegen den Abstiegskandidaten.
„Es gibt immer Steigerungspotenzial“, mahnte Günter nach dem umgebogenen Rückstand gegen Wolfsburg zwar, hob aber hervor: „Ich bin total guter Dinge nach dem Spiel jetzt.“
Christian Günter bedankte sich für die Unterstützung der Fans.Tom Goyvaerts/Belga/dpa
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Freiburger betonen das Positive
Der Linksverteidiger-Routinier strich am späten Sonntagabend wie Trainer Julian Schuster das Positive heraus. Die Mentalität. Es zeichne die Mannschaft aus, genau diesen Charakter zu zeigen, so der Coach.
„In dieser Phase kann jeder einzelne Punkt ausschlaggebend und entscheidend sein“, erklärte Schuster zur Fußball-Bundesliga. Mit dem Remis zog der SC (44 Punkte) im Kampf um Europapokal-Platz sieben zwar an Eintracht Frankfurt (43) vorbei, verpasste es aber, die Hessen auf drei Zähler zu distanzieren.
Die Wolfsburger kämpften - erfolgreich - darum, auf den Relegationsrang zu klettern. Trotz der kräftezehrenden Wochen kamen die offensiv lange harmlosen Freiburger nach einem Rückstand (55.) zurück. Nach dem Kopfball-Tor zum Ausgleich des eingewechselten Verteidigers Philipp Lienhart (75.) hatten die Breisgauer in der Schlussphase noch die Chance zum Sieg.
Der Charakter stimmt: Freiburg kämpfte sich gegen Wolfsburg nach einem Rückstand zurück.Philipp von Ditfurth/dpa
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Eine Kraftfrage? „Einfach den Kopf ausschalten“
Auf eine umfassende Schonung seiner Stammkräfte hatte Schuster zwischen den beiden Highlightspielen in der Europa League verzichtet. Nur die Defensivkräfte Lienhart und Jordy Makengo sowie Stürmer Igor Matanovic tauschte er in der Startelf aus. „Wir schauen generell immer, welche Jungs in welcher körperlichen Verfassung sind, und wer in der Lage ist, das auf den Platz zu bringen, was wir uns vorstellen“, erklärte Schuster. Es seien viele Spieler gut aus dem Hinspiel in Portugal gekommen.
Dennoch zehren die Wochen mit doppelter Belastung an der Substanz. Ob der Sport-Club erstmals in ein Europapokal-Endspiel einzieht, könnte auch zur Kraftfrage werden - auch wenn Günter das verneinte.
„Wenn ich sehe, wie wir am Ende noch was draufpacken können, sind die Kräfte absolut da und das wird bei uns nie eine Ausrede sein“, sagte der 33-Jährige. „Da musst du einfach den Kopf ausschalten und laufen, solange dich die Beine trage, und dann kommt der Nächste rein. Wir haben die Qualität. An den Kräften wird es auf gar keinen Fall liegen.“