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Extremismus-Berater: Keine Turboradikalisierung bei Abdul B.

Der Extremismus-Berater Mücke betont: Der mutmaßliche Täter des Anschlags am Rande des Christopher Street Days radikalisierte sich über Jahre - nicht plötzlich.

Von dpa

28.07.2026

Der Anschlag ereignete sich mitten im Berliner Tiergarten. Soeren Stache/dpa

Der Anschlag ereignete sich mitten im Berliner Tiergarten. Soeren Stache/dpa

© Soeren Stache/dpa

Der mutmaßliche Täter des Berliner Autoanschlags hat sich nach Einschätzung der ihn betreuenden Präventionsberatung über mehrere Jahre hinweg radikalisiert. „Er hatte einen jahrelangen Radikalisierungsprozess hinter sich. Es war keine Turboradikalisierung“, sagte Thomas Mücke vom Violence Prevention Network (VPN) der „Berliner Morgenpost“. Vor diesem Hintergrund stelle sich die Frage, „warum er einem Deradikalisierungsprogramm erst so spät zugeführt wird“. 

Das VPN ist eine deutsche gemeinnützige Organisation, die in der Extremismusprävention tätig ist. Das Netzwerk begleitet Menschen, die sich islamistischen oder rechtsextremistischen Ideologien zugewandt haben, bei der Distanzierung und Deradikalisierung. Der mutmaßliche Täter des Anschlags am Rande der Christopher-Street-Day-Feiern, Abdul B., hatte zuvor an zwei Kontaktgesprächen mit Mitarbeitern des VPN teilgenommen, gestern hätte das dritte Gespräch stattfinden sollen.

Berater Mücke: Es gab kein Bedrohungssignal

Mücke sagte in dem Interview, dass es kein Bedrohungssignal bei Abdul B. gab. „Wenn wir merken, die Person steht unter emotionalem Handlungsdruck, äußert Hass gegenüber bestimmten Bevölkerungsgruppen oder ist unruhig oder akut aggressiv, geben wir das sofort den polizeilichen Dienststellen weiter“, erklärte der Berater. „All das ist aber nicht in den beiden Kontaktgesprächen vorgekommen.“ Die beiden Mitarbeiter, die mit dem mutmaßlichen Täter gesprochen hätten, würden betreut. „Auch wenn man weiß, mit welchem Klientel man arbeitet, ist es etwas anderes, wenn tatsächlich das Schlimmste eintritt“, sagte Mücke.