Eisbrecher soll Passagiere befördern - Amt sieht Gefahren
Hiddensee ist weitgehend vom Eis eingeschlossen. Darf ein Eisbrecher Menschen in Notfällen von der Insel holen? Eine Behörde hat Bedenken.
Der Eisbrecher „Swanti“ darf laut zuständiger Behörde nur in Notfällen Passagiere befördern.Stefan Sauer/dpa
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Nach Irritationen um eine behördliche Genehmigung soll die vom Eis eingeschlossene Insel Hiddensee vorerst weiter im Notverkehr erreichbar bleiben. Der Eisbrecher „Swanti“ werde ab Donnerstag zwischen Vitte auf Hiddensee und Wittow Süd auf Rügen verkehren, sagte der Geschäftsführer der Reederei, Knut Schäfer. Die Fähre „Vitte“ war am Sonntag leckgeschlagen, vermutlich durch Eisschollen. Sie wurde inzwischen zur Reparatur nach Stralsund geschleppt.
Ein Verbot der Eisbrecherfahrten mit Passagieren durch das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) habe am Mittwoch kurzzeitig für Irritationen gesorgt. Diese seien aber am Nachmittag ausgeräumt worden. „Demnach dürfen wir am morgigen Tag aller Voraussicht nach den Notverkehr wieder aufnehmen“, sagte der Geschäftsführer.
Streit um Notfälle
Das WSA hatte zuvor erklärt, der als Ersatz gedachte Eisbrecher dürfe grundsätzlich keine Passagiere befördern. Nur in Notfällen, etwa medizinischer Art, könnten Passagiere mitfahren, sagte eine WSA-Sprecherin am Mittwochabend. Hiddensees Bürgermeister Thomas Gens teilte hingegen mit, auch eine Beförderung darüber hinaus sei erlaubt worden.
Nach Angaben des WSA am frühen Abend gab es auf eine mündliche Anfrage eine mündliche Untersagung. „Die Entscheidung erfolgte in Abstimmung mit der Schiffsuntersuchungskommission (SUK), da das Schiff baulich und betrieblich nicht für die Personenbeförderung ausgelegt ist.“
Sondergenehmigung wird geprüft
Unter den aktuellen Rahmenbedingungen könne die Sicherheit von Passagieren an Bord der „Swanti“ nicht gewährleistet werden, hieß es aus dem WSA. Die Untersuchungskommission befasse sich mit einem Antrag auf Sondergenehmigung. Die WSA-Sprecherin kündigte für Donnerstagmorgen eine Untersuchung der „Swanti“ an.
Zur Frage nach einer Alternative verwies die Behörde auf die Reederei Hiddensee. „Diese prüft eigenständig geeignete Alternativen, etwa den Einsatz entsprechend zugelassener Fahrzeuge oder andere betriebliche Lösungen. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee ist nicht Betreiber des Linienverkehrs und trifft hierzu keine Entscheidungen.“ Am Mittwoch hatte die „Swanti“ bereits Passagiere von der Insel gebracht.
Am Mittwoch hatte die „Swanti“ bereits Menschen von der Insel Hiddensee gebracht.Stefan Sauer/dpa
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Fähre könnte bis zu zehn Tagen ausfallen
Im Winter 2010 musste die Insel zeitweise aus der Luft versorgt werden, weil die eigentlich eisgängige „Vitte“ wegen der zugefrorenen Gewässer nicht fahren konnte und auch damals einen Schaden erlitten hatte.
Die Fähre soll auf der Stralsunder Volkswerft repariert werden. Sie wird laut Gens schätzungsweise sieben bis zehn Tage ausfallen. „Die genaue Dauer hängt vom Ergebnis der Untersuchung im Dock ab“, schrieb er auf Whatsapp. Sowohl die „Vitte“ als auch die „Swanti“ stammen laut Reederei aus den 1960er Jahren.
Die Fähre „Vitte“ wurde mit Eisschaden zur Reparatur nach Stralsund geschleppt.Stefan Sauer/dpa
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