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Die Zukunft beginnt: Neuers Bayern-Ziehsohn im DFB-Tor

Jürgen Klopps XXL-Casting geht gegen Serbien auch im Tor weiter. Als nächster Proband ist Jonas Urbig an der Reihe. Ist der Youngster schon der Top-Kandidat für die EM 2028?

Von Klaus Bergmann und Arne Richter, dpa

30.09.2026

Die Zukunft beginnt: Jonas Urbig beim Abschlusstraining.Federico Gambarini/dpa

Die Zukunft beginnt: Jonas Urbig beim Abschlusstraining.Federico Gambarini/dpa

© Federico Gambarini/dpa

Jonas Urbig hörte erst noch aufmerksam den letzten Ausführungen von Jürgen Klopp zu, bevor er selbst mit Stolz in der Stimme über sein bevorstehendes DFB-Debüt redete. Es sei ein „sehr besonderes Gefühl“ für ihn, sagte der Torwart-Youngster des FC Bayern. 

„Das ist ein Moment, auf den man sein ganzes Leben hingearbeitet hat“, sagte der 23-Jährige: „Ich freue mich einfach, dass ich die Möglichkeit bekomme, hier im eigenen Stadion aufzulaufen und meinen Teil dazu beizutragen, dass wir als Team unseren ersten Sieg unter Jürgen Klopp einfahren.“

Der neue Bundestrainer hat Manuel Neuer erhört, der in seinem Fußball-Wohnzimmer natürlich auch seinen Torwart-Ziehsohn nominiert hätte. „Ich hoffe natürlich, dass Jonas spielt. Ich drücke die Daumen“, hatte Deutschlands Rekordtorhüter vor dem Länderspiel-Fenster zu einem DFB-Debüt von Urbig gesagt. Am Donnerstag (20.45 Uhr/ZDF) ist es im Nations-League-Spiel gegen Serbien so weit. Urbig wird erstmals im Tor der Fußball-Nationalmannschaft stehen. 

Beim Abschlusstraining in Herzogenaurach war beim 23-Jährigen am Morgen noch keine besondere Anspannung zu bemerken. Urbig hechtete ganz normal den Bällen hinterher - Business as usual.

Intensive Vorbereitung aufs Länderspiel-Debüt.Federico Gambarini/dpa

Intensive Vorbereitung aufs Länderspiel-Debüt.Federico Gambarini/dpa

© Federico Gambarini/dpa

Dass im dritten Klopp-Spiel ein Debütant im Tor stehen würde, war klar. Denn neben Urbig haben auch der Augsburger Finn Dahmen (28) und Noah Atubolu (24) von Eintracht Frankfurt noch kein A-Länderspiel bestritten. Fünf Torhüter hatte Klopp in seine zwei Kader berufen. Auch auf dieser Position führt er eine Sichtung durch. Ter Stegen (34 Jahre/45 Länderspiele), „für den Moment“ Klopps Nummer eins, spielte gegen die Niederlande. Alexander Nübel (30/4) war beim 0:1-Flop gegen Griechenland dran. Beide reisten danach ab.

Wer steht bei der EM 2028 im Tor?

Ein Torhüterproblem sieht Klopp im deutschen Fußball nicht. „Ganz ehrlich, das haben wir gar nicht“, sagte er. Ein Titelgewinn in der Zukunft werde sicher nicht an den Torleuten scheitern, äußerte Klopp voller Überzeugung. 

Wer wird bei der Europameisterschaft 2028 im Tor stehen? Um diese Langzeitfrage geht es. Eine finale Antwort dürfte es erst im Verlauf der EM-Saison 2027/28 geben. Viele tippen aber schon jetzt auf den Jüngsten, auf Jonas Urbig. Ihn sieht auch sein Vereinstrainer auf Sicht fest im DFB-Tor.

Kompanys klare Nummer-eins-Prognose 

„Wenn einer glaubt, dass Jonas nicht irgendwann die Nummer eins von Deutschland wird, glaube ich, dass er einen großen Fehler macht. Der Junge wird irgendwann die Nummer eins sein“, sagte Vincent Kompany. Nur beim Zeitpunkt blieb der Bayern-Trainer zurückhaltend. „Das wird natürlich Jürgen Klopp entscheiden, wann das ist, ob das jetzt in einem oder fünf Jahren ist.“

Urbig war schon im Sommer bei der WM in Amerika dabei, wenn auch nur als Trainingstorwart. Für ihn war das wertvoll. „Es war eine unglaubliche Erfahrung für mich. Ich konnte Turnierluft schnuppern und sehr viel lernen.“

Das Münchner Torwart-Tandem: Manuel Neuer (l) und Jonas Urbig auf dem Weg zum Training bei der WM. (Archivbild)Jan Woitas/dpa

Das Münchner Torwart-Tandem: Manuel Neuer (l) und Jonas Urbig auf dem Weg zum Training bei der WM. (Archivbild)Jan Woitas/dpa

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Seit seinem Wechsel vom 1. FC Köln zum FC Bayern Anfang 2025 kann Urbig vom Besten überhaupt lernen: Manuel Neuer. Sogar ter Stegen bezeichnet das als ideal für seinen jungen Konkurrenten. „Besser lernen als neben Manu ist sehr schwierig. Dementsprechend ist er in einer tollen Situation. Er hat noch nicht den maximalen Druck, kann sich aber gut entwickeln.“

Urbig über Lehrmeister Neuer: Manu ist eine Ikone

Der 40-jährige Neuer und der 17 Jahre jüngere Urbig bilden in München ein ideales Team. Neuer akzeptiert es in seiner wohl letzten Saison klaglos, immer wieder Spiele an Urbig abzutreten. „Ich finde, ich bin auch in einem Spielrhythmus. Ich habe mehr als 30 Spiele bestritten für Bayern München“, sagte Urbig.

Urbig schwärmt von seinem Lehrmeister Neuer. „Manu ist natürlich eine Ikone. Man schaut zu ihm auf. Aber was ich schnell gemerkt habe: Er schaut nicht von oben herab. Manu begegnet einem immer auf Augenhöhe. Wir hatten schnell einen guten Draht.“

Als „befreundete Konkurrenten“ beschreibt Urbig ihr Verhältnis. Dabei fällt auf, dass der Jüngere Verhaltensmuster des Älteren auf dem Platz und auch daneben kopiert. Urbig wirkt bisweilen wie ein Neuer-Klon. Bei der WM in Amerika tauchten sie auch neben dem Platz meistens als Doppel auf.

Auch außerhalb des Platzes gibt es gemeinsame Auftritte. (Archivbild)Christian Charisius/dpa

Auch außerhalb des Platzes gibt es gemeinsame Auftritte. (Archivbild)Christian Charisius/dpa

© Christian Charisius/dpa

Kompany hat Urbig einmal als „Kampfschwein“ bezeichnet. Gemeint war dessen Ehrgeiz. Urbig bestätigt das. Und zwar mit einem Satz, der auch von Neuer stammen könnte. „Ich hasse es, Gegentore zu bekommen. Und ich hasse es, zu verlieren. Auch im Training will ich jeden Ball halten, jeden Schuss blocken, jede Spielform gewinnen.“ 

Das erste Länderspiel, noch dazu in München und auch noch während des Oktoberfestes, besser geht’s kaum. Es soll der nächste Karriere-Schritt für Urbig werden, der Neuer nicht nur beim FC Bayern, sondern auch in der Nationalelf als erster Torwart beerben will. Das Nummer-eins-Thema will er aktuell noch kleinhalten. „Mein Fokus liegt darauf, jeden Tag mein Limit zu erreichen.“ Ein starkes Länderspiel-Debüt würde ihm am meisten helfen.

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