Das sagt Bundestrainer Klopp und das steckt dahinter
Die Präsentation von Jürgen Klopp als Bundestrainer war wie ein wilder Flug durch viele Fußball-Themen der Nationalmannschaft. Mit einigen Aussagen ließ der DFB-Chefcoach aufhorchen.
Jürgen Klopp hat gleich zum Bundestrainer-Start seine Meinungen wortstark artikuliert. Florian Wiegand/dpa
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Länger als eine Stunde dauerte die öffentliche Vorstellung von Jürgen Klopp als Bundestrainer. Der 59-Jährige präsentierte sich wie immer wortstark, war mal angriffslustig, mal spöttisch, mal witzig, mal ernst. Einige Aussagen des neuen Cheftrainers der Fußball-Nationalmannschaft bedürfen einer genauen Betrachtung.
„Wenn ihr euch danebenbenehmt und meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg.“
Diese Warnung gleich zum Start seiner Aussagen hatte Pfeffer. Klopp machte damit nicht nur deutlich, dass er sein privates Umfeld bedingungslos schützen wird. Persönliche Angriffe wie zuletzt auf seinen Vorgänger Julian Nagelsmann oder Englands Nationalcoach Thomas Tuchel sind für ihn ein No-Go.
Klopp demonstriert auch seine Unabhängigkeit vom Amt. Er wird nicht erpressbar sein. „An dem Tag, an dem ihr das nicht mehr wollt, sagt ihr es und ich bin weg. Ohne Abfindung.“ Klopp macht damit klar: Er wird jetzt die Regeln aufstellen. Alle müssen sich daran halten. Mit Bezug auf mögliche sportliche Kritik sagte Klopp aber auch, dass er gerne bereit sei, daran zu arbeiten, wenn etwas nicht funktioniere.
„Marc Kosicke (...) ist mein Co-Trainer für Strategie, Entwicklung und Innovation.“
Klopp bringt seinen Berater mit zum DFB. Das war laut DFB-Präsident Bernd Neuendorf nicht verhandelbar. Doch wer ist dieser Marc Kosicke? Und wieso braucht ihn Klopp? Seit zwei Jahrzehnten arbeiten beide eng zusammen. Dieses Vertrauensverhältnis ist wichtig. Ein klassischer Co-Trainer ist der 55-Jährige natürlich nicht. Aber er wird bei den neuen Konzepten viel Einfluss haben. Bei der Pk in Frankfurt saß er im Plenum. Auch Nagelsmann hatte in Benjamin Glück einen ähnlichen Wegbegleiter in seinem Team.
„Erfolg ist Leistung in Relation zur Erwartungshaltung. Und wir brauchen eine realistische Erwartungshaltung.“
Die Vergleiche mit Spanien, Frankreich und Argentinien nerven Klopp jetzt schon. Er weiß, dass er mit seinem Spielermaterial nicht an die Topnationen heranreichen kann und auch nicht so schnell heranreichen wird. Also baut er vor. Weltmeister-Ansagen gibt es nicht, allenfalls Weltmeister-Träume. Er will seiner Auswahl den Raum zum „Überperformen“ geben. Das schafft Energie. Niederlagen und Rückschläge werden jetzt schon eingepreist. Dann ist der Schock nicht so groß. So ist seine Fußball-Gleichung zu verstehen.
„Ich habe dreimal erlebt, wie erfolgreicher Fußball eine Stadt verändern kann. Und ich glaube, wir sind uns alle einig, dass erfolgreicher Fußball tatsächlich auch ein Land verändern kann.“
Mainz, Dortmund, Liverpool. Dreimal versetzte Klopp seine Wirkungsstätten in eine Fußball-Euphorie. Jetzt muss es gleich ein ganzes Land sein, noch dazu die chronisch pessimistischen Deutschen. Der Bundestrainer baut aber auf den Zündfunken, den er mit seiner Art entfachen kann. Er weiß, ohne Positivismus, ohne die spezielle Klopp-Euphorie, wird er nicht weit kommen. Sonst geht es ihm wie dem von ihm erwähnten Bundeskanzler Friedrich Merz, dem laut Klopp guter Wille bislang nicht reichte.
„Ich werde jetzt hier keine Positionen verteilen oder sagen, wo einer nie wieder spielen wird oder wo er jetzt immer spielen wird.“
Joshua Kimmich hinten rechts oder zentral? Auf diese Dauerdebatte möchte sich Klopp nicht einlassen. Schon gar nicht jetzt. Er wird Gespräche führen, schauen, was sinnvoll ist. Die Einzeldebatte um den DFB-Kapitän wird er lösen, wenn es Zeit ist. Nicht die individuellen Fragen sind von Belang. Sondern das System muss stimmen.
Da gab es auch schon Antworten: Viererkette, starke Flügel. Das sind die Prioritäten. „Spielen wird, wer sehr gut ist, Riesenbock hat und in dem Moment, wo er das Trikot anzieht, noch ein bisschen besser wird, so ins Fliegen kommt“, sagte Klopp.
„Da fällt mir ein, die Bayern müssen sich keine Gedanken machen...“
Dieses kleine Späßchen gönnte sich Klopp. Er räumte damit mit dem plakativen Vorurteil auf, er werde ob seiner Vergangenheit Spieler von Borussia Dortmund oder RB Leipzig bevorzugen. Das wurde zuletzt spekuliert. Blödsinn. Der Bundestrainer wird auf die besten Spieler setzen. Und davon sind nun mal sehr viele in München.