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Darum sind Fälschungen bei Fischereischeinen ein Problem

Interessenten zahlen teils Hunderte Euro für einen gefälschten Fischereischein. Was der Betrug für die Natur bedeuten kann - und wie die Behörden diesen Trend stoppen wollen.

Von Stefanie Järkel, dpa

21.07.2026

Betrüger fälschen Fischereischeine oder Prüfungszeugnisse, um sich Fischereischeine zu erschleichen, sagt der Landesfischereiverband. (Symbolbild)Stefan Sauer/dpa

Betrüger fälschen Fischereischeine oder Prüfungszeugnisse, um sich Fischereischeine zu erschleichen, sagt der Landesfischereiverband. (Symbolbild)Stefan Sauer/dpa

© Stefan Sauer/dpa

Die Zahl an Fälschungen für Fischereischeine nimmt laut dem Landesfischereiverband Baden-Württemberg zu. „Ich gehe davon aus, die Fälschungen laufen im großen Stil“, sagt Geschäftsführer Reinhart Sosat. „Wenn wir da jede Woche einen kriegen, den man erwischt, dann kann man davon ausgehen, dass es viel, viel mehr sind.“ Zudem verweist ein Sprecher des Landwirtschaftsministeriums in Stuttgart auf Aussagen seitens Fischereibehörden und -vereinen, wonach „die ‚Qualität‘ der gefälschten Fischereischeine“ zusehends steige.

Doch wer erschleicht sich einen Fischereischein und warum, welche Probleme entstehen dadurch - und was will die Politik dagegen tun:

Warum lassen sich Menschen Fischereischeine fälschen? 

„Sagen wir mal so, der Angelschein in Baden-Württemberg ist nicht ganz einfach“, sagt Reinhart Sosat, Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes Baden-Württemberg. 32 Stunden Unterricht müssten absolviert werden. Themen wie Gewässerökologie, tierschutzgerechtes Angeln oder Wissen zu Schonzeiten müssten gepaukt werden. Dazu komme eine Durchfallrate bei der Fischerprüfung mit fünf bis zehn Prozent. Der Verband bietet die Kurse für die Prüfungen an und nimmt diese ab.

Teilweise könnten auch Sprachprobleme ein Grund für das Vorgehen sein, sagt Sosat. Die Prüfung werde leider nur auf Deutsch angeboten. Prüflinge dürften zwar einen vereidigten Dolmetscher mitbringen. Aber damit entstünden natürlich zusätzliche Kosten. Schon für die Fischerprüfung lägen die Kosten bei 250 bis 300 Euro - inklusive Dolmetscher kämen dann schätzungsweise 500, 600 Euro zusammen.

Laut dem Regierungspräsidium Karlsruhe gibt es aber auch Fälle, bei denen sich Menschen unwissendlich Fälschungen beschaffen. „Oft wird von den Fälschern auch sehr überzeugend suggeriert, dass es sich um legale oder offizielle Papiere handelt“, teilte ein Sprecher mit.

Wie weit ist das Phänomen verbreitet?

Genaue Zahlen hat weder der Landesfischereiverband noch das Landwirtschaftsministerium. Allerdings spricht Sosat von rund 50 Fällen im Jahr, bei denen Behörden oder die Polizei den Landesfischereiverband auf gefälschte Dokumente hinweisen oder deswegen kontaktieren. „Da möchte ich nicht wissen, wie hoch die Dunkelziffer ist, die da durchrutscht.“

Grundsätzlich würden häufiger die Prüfungszeugnisse gefälscht, um die Fischereischeine bei den Kommunen zu erhalten. Seltener werden demnach die Fischereischeine selbst gefälscht. Manche Prüfungszeugnisse sehen laut Sosat auch selbst gemacht aus - inklusive Unterschrift eines früheren Verbandspräsidenten aus dem Internet.

Welche Strafe droht dem Fälscher?

Bei einer Verurteilung wegen Urkundenfälschung kann laut Strafgesetzbuch eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren verhängt werden. Das Amtsgericht Schwäbisch Hall verurteilte vor kurzem einen 46-Jährigen, weil er zwischen 2018 und 2022 mit einem Komplizen gefälschte Fischereischeine an mindestens 46 Abnehmer verkauft hatte. Zudem fand die Polizei ein gefälschtes Prüfungszeugnis, wie das Gericht mitteilte.

Die Abnehmer kamen demnach aus Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bayern. Sie zahlten pro gefälschtem Schein bis zu 300 Euro, wie das Gericht bestätigte. Demnach wurde der Mann wegen gewerbsmäßiger Urkundenfälschung und Amtsanmaßung zu einem Jahr und vier Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Der Gewinn von 13.800 Euro wird laut Gericht eingezogen. Zudem muss der Fälscher demnach 1.800 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen. 

Was ist das Problem mit den gefälschten Dokumenten?

„Einen Haken mit Wurm ins Wasser werfen kann jeder“, sagt Sosat. Aber beim Fischereischein lerne man auch viel darüber, wann welche Arten und auch wie geangelt werden dürfen. Zudem werde geübt, die Fische tierschutzgerecht zu töten - und sie nicht etwa an der Luft ersticken zu lassen. Zum tierschutzgerechten Töten gehört demnach auch eine Betäubung vor dem Töten. Und: Aus Unwissenheit würden auch mal Forellen im Winter geangelt, zu einer Zeit, in der sie sich vermehren sollten. 

Außerdem entgeht laut Sosat der Fischerei durch die gefälschten Dokumente Geld, mit dem wiederum Gewässer gepflegt werden könnten und Forschungsprojekte finanziert werden.

Wie lassen sich die Fälschungen verhindern?

Laut dem Landwirtschaftsministerium wird aktuell vor allem versucht, die Wasserschutzpolizei und die ehrenamtlichen Fischereiaufseher zu schulen, um Fälschungen schneller zu erkennen. Zudem würden die Gemeinden sensibilisiert, die die Fischereischeine ausgeben.

Zum kommenden Jahr stellt das Land nach eigenen Angaben allerdings auf digitale Fischereischeine um, wie es sie etwa in Schleswig-Holstein gibt. „Die neuen Scheckkartenfischereischeine sollen fälschungssicher sein“, schreibt das Regierungspräsidium Karlsruhe dazu. 

Die Richtigkeit eines Fischereischeines könne dann über eine zentrale Datenbank durch einen QR-Code verifiziert werden. „Sollte kein Eintrag in der Datenbank vorliegen, ist von einer Fälschung auszugehen.“ Laut dem Landesfischereiverband werden dann auch alte Fischereischeine ausgetauscht.

Reinhart Sosat, Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes Baden-Württemberg, sieht die Fälschungen als großes Problem. (Archivbild)Marijan Murat/dpa

Reinhart Sosat, Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes Baden-Württemberg, sieht die Fälschungen als großes Problem. (Archivbild)Marijan Murat/dpa

© Marijan Murat/dpa

Das Land will im kommenden Jahr auf elektronische Fischereischeine umstellen - und damit auch die Fälscher stoppen. (Symbolbild)Danny Gohlke/dpa

Das Land will im kommenden Jahr auf elektronische Fischereischeine umstellen - und damit auch die Fälscher stoppen. (Symbolbild)Danny Gohlke/dpa

© Danny Gohlke/dpa

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