Brandenburg bekommt seine erste Kinderschutzambulanz
Erstmals wird es auch in Brandenburg einen extra geschützten Raum für missbrauchte Kinder geben. In der Kinderschutzambulanz können sich Ärztinnen und Ärzte ganz auf Kinder in Not konzentrieren.
Ein Puppenhaus und weiteres Spielzeug soll den kleinen Patientinnen und Patienten die Untersuchung erleichtern. (Symbolfoto)Anja Mia Neumann/dpa
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Brandenburg bekommt seine erste Kinderschutzambulanz. Hier sollen Kinder bei Verdacht auf Misshandlung oder Missbrauch gezielt untersucht werden können. Im Klinikum Ernst von Bergmann in Potsdam werde in der kommenden Woche diese Hilfseinrichtung eröffnet, sagte Petra Degenhardt, Chefärztin der Klinik für Kinder- und Jugendchirurgie.
Bislang untersuchen Ärztinnen und Ärzte betroffene Kinder meist in der Rettungsstelle oder stationär. Brandenburg ist das einzige Bundesland, das bisher keine Kinderschutzambulanz hatte.
Zudem sind fünf weitere solcher Einrichtungen in Brandenburg geplant, wie Degenhardt erläuterte: zunächst in Eberswalde, voraussichtlich im Sommer dann in Frankfurt (Oder) und in Lauchhammer sowie in Cottbus und in Neuruppin. Die Zuweisung erfolge - beispielsweise nach Hinweisen aus Kitas, Schulen oder Kinderärzten - immer über das Jugendamt.
Eine Kinderschutzambulanz hat aus Sicht von Alexandra Mebus-Haarhoff, Leiterin des Jugendamts Potsdam, einige Vorteile. Ein geschützter Raum sei etwa weniger belastend für das Kind und berge dadurch auch weniger die Gefahr einer Retraumatisierung. Ein längerer Aufenthalt im Krankenhaus dagegen sei bei nicht akuten Fällen zudem oft nicht sinnvoll und teuer. In Berlin gebe es bereits seit vielen Jahren Kinderschutzambulanzen, etwa an der Charité, die teils bei Kindern aus Brandenburg ausgeholfen haben, so Mebus-Haarhoff.
Puppenhaus und Bücher: Ein geschützter Raum für Kinder
Auch Chefärztin Degenhardt betont die Hilfe: Künftig werde man nicht „mit 20 anderen wartenden, hustenden Kindern und relativ hohem Zeitdruck eine Diagnostik machen“ müssen. Sondern die Medizinerinnen und Mediziner könnten sich ausreichend Zeit für die schwierigen Fälle nehmen und auch mögliche Folgetermine vereinbaren. Spielzeug, Bücher und etwa ein Puppenhaus sollen es auch dem Kind erleichtern, von seinen Erlebnissen zu erzählen und sich untersuchen zu lassen.
Der Bedarf sei hoch, sagte Hans Leitner, ehemaliger Leiter der Fachstelle Kinderschutz im Land Brandenburg. Rund 700 mögliche Kindeswohlgefährdungen müsse man sich pro Jahr genauer anschauen. Nach letzten Angaben aus dem Ministerium stellt das Land eine Anschubfinanzierung für die neuen Kinderschutzambulanzen zur Verfügung.