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Bleibt Blessin beim FC St. Pauli? Entscheidung naht

Nach dem Bundesliga-Abstieg des FC St. Pauli wird gerätselt, was mit Trainer Alexander Blessin geschieht. Die Verantwortlichen würden ihn gern halten. Doch will er das?

Von Claas Hennig und Felix Schröder, dpa

17.05.2026

Niedergeschlagen, erschöpft, nachdenklich: FC St. Paulis Trainer Alexander Blessin nach dem Abstieg. Christian Charisius/dpa

Niedergeschlagen, erschöpft, nachdenklich: FC St. Paulis Trainer Alexander Blessin nach dem Abstieg. Christian Charisius/dpa

© Christian Charisius/dpa

Die wichtigste Personalie nach dem Abstieg des FC St. Pauli entscheidet sich womöglich schneller als gedacht. Schon am Montag könnte in einer Medienrunde verkündet werden, ob und wie es mit Trainer Alexander Blessin nach dem vorerst letzten Auftritt auf der Bühne Fußball-Bundesliga weitergeht.

Unmittelbar nach dem schmerzhaften 1:3 gegen den VfL Wolfsburg wollte oder konnte der 52-Jährige nicht über seine persönliche Zukunft reden. „Letztendlich ist es, glaube ich, heute absolut nicht der richtige Zeitpunkt dafür, weil es einfach verdammt weh tut“, sagte Blessin. „Da wird man sich jetzt auch in den nächsten Tagen, wenn wir das jetzt alle ein bisschen sacken lassen, dann auch wieder zusammensetzen und dann auch wieder Lösungen finden.“ Der Trainer wirkte erschöpft, niedergeschlagen und nachdenklich. 

Wertschätzung für Blessin

Auch Präsident Oke Göttlich und Sportchef Andreas Bornemann hatten sich unmittelbar nach dem Spiel nicht konkret über die Zukunft ihres wichtigsten Angestellten geäußert. Doch noch am Abend lud der Verein vom Hamburger Kiez für die Gesprächsrunde mit dem Führungs-Trio am Montag ein. Offizieller Inhalt: Bilanz der abgelaufenen Saison und die kommenden Aufgaben.

Will Trainer Alexander Blessin halten: St. Paulis Präsident Oke Göttlich.  Philipp Szyza/dpa

Will Trainer Alexander Blessin halten: St. Paulis Präsident Oke Göttlich. Philipp Szyza/dpa

© Philipp Szyza/dpa

Die Wertschätzung von Göttlich und Bornemann für ihren Trainer ist groß. Beide würden mit ihm gerne weiter zusammenarbeiten. „Wir gehen stabil in die Zweite Liga, es laufen nicht viele Verträge aus. Auch der Vertrag des Trainers nicht“, sagte Göttlich dem TV-Sender Sky. 

Somit liegt die Entscheidung wohl allein bei Blessin, ob er mit dem Verein den Neuaufbau in der 2. Bundesliga gestaltet oder nach zwei kräftezehrenden Jahren trotz des bis 2027 laufenden Vertrages neue Ziele anstrebt. Andere Bundesliga-Vereine sollen an ihm interessiert sein. Zuletzt wurden der VfL Wolfsburg und der FC Augsburg genannt.

Blessin über den FC St. Pauli: „Ein grandioser Verein“

Was er am FC St. Pauli und an seinen Vorgesetzten Göttlich und Bornemann hat, weiß Blessin selbst. „Wir haben uns ständig ausgetauscht und haben versucht, mehr oder weniger an verschiedenen Stellschrauben zu wirken und Veränderungen herbeizurufen“, sagte er über die Zusammenarbeit. Selbst nach der Serie von neun Niederlagen in der Hinrunde hatte er nie zur Disposition gestanden. „Das sieht man nicht oft, und da bin ich auch sehr dankbar.“

Auch der Club als Ganzes bedeutet ihm viel. „St. Pauli ist ein grandioser, toller Verein mit den Fans, mit den Menschen, die hier arbeiten“, sagte der Schwabe. Er machte aber auch keinen Hehl daraus, dass zwei Jahre Klassenkampf nicht spurlos an ihm vorbeigegangen sind. Zum Ende dieser Saison war ihm das mehr und mehr auch anzusehen. 

Zwei kräftezehrende Jahre

„Zwei Jahre hintereinander so was mitzumachen, das kostet schon Energie“, sagte er über den Abstiegskampf der vergangenen beiden Saisons. „So schön der Job dann auch ist, aber es tut dann einfach auch extrem weh.“

FC St. Paulis Spieler auf der Abschiedsrunde.Christian Charisius/dpa

FC St. Paulis Spieler auf der Abschiedsrunde.Christian Charisius/dpa

© Christian Charisius/dpa

Noch vor einem Jahr hatte Blessin die Hamburger als Nachfolger von Aufstiegstrainer Fabian Hürzeler in der Bundesliga gehalten. Diesmal reichte es nicht mehr. Der Kader war schwächer als in der vergangenen Saison, die limitierten Fähigkeiten einiger Spieler wurden auch gegen den VfL Wolfsburg deutlich. Die Defensive war in dieser Saison anfälliger als im Vorjahr, der Angriff zu harmlos. 

„Als Team müssen wir einen Weg finden, zu den Grundlagen zurückzukehren, die wir in den letzten Jahren aufgebaut haben. Denn dieses Jahr haben wir nicht genug davon gesehen“, sagte Kapitän Jackson Irvine im TV-Sender Sky. Es habe sich angefühlt, „als wäre in dieser Saison in jeder Hinsicht einfach etwas weggebrochen“. Auf allen Ebenen im Club müsse sich jeder hinterfragen.

Will trotz Abstiegs bleiben: St. Pauli-Kapitän Jackson Irvine.Philipp Szyza/dpa

Will trotz Abstiegs bleiben: St. Pauli-Kapitän Jackson Irvine.Philipp Szyza/dpa

© Philipp Szyza/dpa

Der Australier will in Hamburg bleiben. „Hier bin ich zu Hause. Ich bin Teil von etwas Besonderem“, sagte die Integrationsfigur. „Es müsste schon etwas ziemlich Dramatisches passieren, damit ich nicht mehr hier bin.“ 

Erstklassige Fans

Die Fans schufen einen erstklassigen Rahmen für den Bundesliga-Abgang ihrer tragischen Kiez-Helden. Bei der Ehren- und Abschiedsrunde der Spieler stimmten sie in die Fußball-Hymne „You’ll never walk alone“ und in Thees Uhlmanns Lied „Das hier ist Fußball“ ein und sorgten für Gänsehaut-Momente.

Trost von der Familie für St. Paulis Trainer Alexander Blessin.Christian Charisius/dpa

Trost von der Familie für St. Paulis Trainer Alexander Blessin.Christian Charisius/dpa

© Christian Charisius/dpa

Einer bekam davon nicht viel mit. „Totale Leere im Kopf“, sagte Blessin zu den Minuten nach dem Abpfiff. „Da ist Enttäuschung und man sackt zusammen. Und irgendwann sitzt man dann auf der Tribüne neben seiner Familie und redet ein bisschen. Und ich weiß auch gar nicht, was jetzt meine Frau zu mir gesagt hat.“

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