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Biontech schließt Tübinger Werk – Palmer: Jobs erhalten

Biontech schließt drei Standorte, rund 1.800 Jobs sind betroffen. Wie das Unternehmen und die Stadt Tübingen auf die Entwicklung reagieren.

Von dpa

28.09.2026

Der Standort Tübingen war der Hauptsitz des übernommenen Konkurrenten Curevac.Marijan Murat/dpa

Der Standort Tübingen war der Hauptsitz des übernommenen Konkurrenten Curevac.Marijan Murat/dpa

© Marijan Murat/dpa

Die monatelange Suche nach Käufern war erfolglos: Der Biontech-Standort in Tübingen wird in einiger Zeit schließen. Ebenso die zwei weiteren Standorte Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz und im hessischen Marburg. Betroffen sind nach Unternehmensangaben rund 1.800 Beschäftigte. In Tübingen soll nach Unternehmensangaben nun Ende 2027 Schluss sein, in Marburg Anfang 2028 und in Idar-Oberstein Ende 2028. 

Dass Verkäufe der Werke nicht realisiert werden konnten, liege im Wesentlichen an dem aktuell schwierigen Markt- und Investitionsumfeld, erklärte Biontech. Um die Standortschließungen sozialverträglich zu gestalten, seien mit dem Konzernbetriebsrat ergänzende Abfindungskonditionen vereinbart worden. Details dazu nannte Biontech zunächst nicht. 

Das Gebäude, in dem Curevac seinen Geschäften nachging. Marijan Murat/dpa

Das Gebäude, in dem Curevac seinen Geschäften nachging. Marijan Murat/dpa

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Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer bezeichnete den Verkauf für die Stadt Tübingen und die betroffenen Beschäftigten als erschreckend. Biontech habe Curevac erst Ende 2025 bei einer Bewertung von rund 1,25 Milliarden US-Dollar übernommen und dabei ausdrücklich die Integration des Tübinger Forschungs- und Produktionsstandorts angekündigt, sagte Palmer. 

Für Tübingen gehe es um hochqualifizierte Arbeitsplätze und einen über Jahrzehnte gewachsenen Biotechnologie-Standort. „Die Stadt erwartet deshalb, dass Biontech alle realistischen Möglichkeiten ausschöpft, um den Standort und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Die Geschichte des Tübinger Biotechnologie-Pioniers Curevac darf nicht so enden, dass Biontech erst seine Technologie nutzt, dann das Unternehmen samt Patenten kauft und kurz darauf den Standort dichtmacht“, sagte Palmer.

Besonders deutlich wurde Curevac-Gründer Ingmar Hoerr, nachdem Biontech Curevac im Januar vollständig übernommen hatte. Es drohe ein massiver Know-how-Verlust, sagte Hoerr. Er gilt als einer der Pioniere der mRNA-Forschung. Schon als Doktorand stieß er eher zufällig auf das Potenzial der RNA-Technologie. Im Jahr 2000 gründete er Curevac in Tübingen.

Während der Corona-Pandemie lieferte sich Curevac mit Biontech ein Rennen um einen Impfstoff - mit bekanntem Ausgang: Biontech hatte Erfolg, Curevac scheiterte. Danach ging es für das Tübinger Unternehmen bergab. Nach hohen Verlusten konzentrierte sich Curevac auf Forschung, Hunderte Stellen wurden gestrichen.

Biontech übernahm Curevac im Januar vollständig. Die Mainzer wollten sich mit dem Deal mehr Wissen für den Weg zu Therapien auf mRNA-Basis gegen Krebs und andere Krankheiten ins Haus holen. Damals hieß es, dass der Forschungs- und Entwicklungsstandort in Tübingen erhalten bleiben soll. 

Impfstoff-Nachfrage geht seit Jahren zurück

Einst hatte Biontech gemeinsam mit dem US-Partner Pfizer die erste Marktzulassung für einen Impfstoff gegen Covid-19 bekommen und verdiente damit Milliarden. Das Unternehmen wurde weltbekannt wie auch die Mitbegründer, das Ehepaar Ugur Sahin und Özlem Türeci. Doch seit einigen Jahren geht die Nachfrage nach dem Covid-19-Impfstoff zurück, und ein anderes zugelassenes Produkt hat das Unternehmen bis dato nicht. 

Biontech mit weltweit rund 7.200 Beschäftigten befindet sich seit Jahren in einem Wandlungsprozess samt Umstrukturierung. Geforscht wird an einer ganzen Reihe neuer Produkte, vor allem in der Onkologie. Außerdem setzt das Unternehmen auf Immuntherapien auf mRNA-Basis sowie Antikörper-Wirkstoff-Konjugate. Dabei sollen Wirkstoffe einer Chemotherapie mit Hilfe von Antikörpern gezielter an Krebszellen gebracht werden. 

Spätestens Ende des Jahres werden die Biontech-Mitbegründer Sahin und Türeci das Unternehmen verlassen. (Archivfoto)Sebastian Christoph Gollnow/dpa

Spätestens Ende des Jahres werden die Biontech-Mitbegründer Sahin und Türeci das Unternehmen verlassen. (Archivfoto)Sebastian Christoph Gollnow/dpa

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Das alles kostet viel Geld, entsprechend fährt Biontech Verluste ein. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres stand unter dem Strich ein Minus von 1,35 Milliarden Euro (Vorjahr: 802,4 Mio.) - und das in einer Zeit, in der die zentralen Köpfe Sahin und Türeci Biontech verlassen werden. Sie tun das spätestens Ende dieses Jahres und planen, sich in einem neuen Unternehmen der Entwicklung der nächsten Generation von Medikamenten auf mRNA-Basis zu widmen. 

Sahin und Türeci gehen neue Wege 

Seit vergangener Woche ist klar, dass die neue Firma den Namen Arife tragen und ihren Hauptsitz ebenfalls in Mainz haben wird. Sahin und Türeci wollen 
Anteilseigner von Biontech bleiben. 

Sahins Nachfolger als Vorstandsvorsitzender bei Biontech wird spätestens zum 1. Februar 2027 Guido Oelkers werden. Er arbeitete in den 1990er Jahren unter anderem für die Hoechst AG, die es nicht mehr gibt und kommt nun von dem schwedischen Biopharma-Unternehmen Swedish Orphan Biovitrum (Sobi), an dessen Spitze er seit 2017 stand.

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