dpa

Ausgescherzt: Lufthaken und Stornozange sind passé

In diesen Tagen beginnen Tausende junge Menschen in Sachsen eine Lehre. Früher erlaubten sich Ausbilder und Kollegen zum Einstand gern einen Scherz mit ihnen. Ging es Ihnen auch so?

Von dpa

03.08.2026

In diesen Tagen und Wochen beginnt für Tausende junge Menschen in Sachsen die Berufsausbildung (Symbolbild)Sebastian Gollnow/dpa

In diesen Tagen und Wochen beginnt für Tausende junge Menschen in Sachsen die Berufsausbildung (Symbolbild)Sebastian Gollnow/dpa

© Sebastian Gollnow/dpa

Kennen Sie Lufthaken, Kümmelspalter oder Froschhaar-Pinsel? Wer früher eine Lehre in Industrie, Handwerk oder Verwaltung begann, wurde von Ausbildern und Kollegen gern humorvoll auf die Schippe genommen. Dann wurde der oder die Neue schon einmal losgeschickt, den Rahmen fürs Blutbild zu holen, Ersatzblasen für die Wasserwaage, die Gewerbesteuermesslatte oder das Steuerhinterziehungsformular. Wenn der Lehrling dann tatsächlich loszog, hatten seine neuen Kollegen ihre Freude. Gibt es solche Bräuche zum Ausbildungsstart heute noch in Sachsen?

Anfragen bei Unternehmen, Kammern und Verwaltungen zeigen, dass bei manchen Mitarbeitern zumindest die Erinnerung daran lebt. Bei der Sparkasse Zwickau etwa war laut Ausbildungsleiter Ronny Hüdel Anfang der 2000er Jahre die Stornozange berüchtigt. Die brauchte man angeblich, um Lastschriften zu stornieren. Doch weil die Zangen rar waren, haben sich die Banken diese untereinander geliehen, so die Erzählung. Die Azubis wurden dann zu einer anderen Bank geschickt, die Zange zu holen. Andere sollten Fingerabdrücke abgeben für Vergleiche bei der Polizei - wobei die Kollegen das Stempelkissen zuvor mit viel Farbe präpariert hatten. 

Lehrling in den Hubraum geschickt

Vom Bauernverband wird auf Anfrage von dem Fall berichtet, dass ein Azubi in den Hubraum geschickt wurde. Und bei der Handwerkskammer Leipzig erinnert man sich, dass Lehrlinge einst in den Baumarkt gehen sollten, um „Siemens-Lufthaken“ zu kaufen. 

Vermutlich sei das als eine Art Aufnahmeritual gemeint gewesen, erläutert Anett Fritzsche, Pressesprecherin der Kammer. Auch habe diese Art der Begrüßung wohl dem Lehrling vermitteln sollen, dass sein gesunder Menschenverstand von Anfang an in der Ausbildung gefragt sei und Mitdenken wichtig ist, um erfolgreich in der Lehre zu sein. 

Doch wie steht es heute um solche Scherze? Müssen sich Auszubildende am ersten Tag immer noch darauf gefasst machen? Wohl kaum. Unisono heißt es von den Kammern und Verbänden, dass das heute nicht mehr üblich sei. 

Zum Start der Ausbildung wurden Lehrlinge früher häufig von ihren neuen Kollegen auf die Schippe genommen. Doch dieser Brauch hat offensichtlich weitgehend ausgedient. (Symbolbild)Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Zum Start der Ausbildung wurden Lehrlinge früher häufig von ihren neuen Kollegen auf die Schippe genommen. Doch dieser Brauch hat offensichtlich weitgehend ausgedient. (Symbolbild)Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

© Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa

Lehrlinge werden „auf Augenhöhe“ willkommen geheißen

Inzwischen gebe es solche Bräuche nicht mehr, teilt die Sparkasse Zwickau mit. Auch die Handwerkskammer Leipzig betont: Heutzutage sei das selten und komme höchstens in einzelnen Betrieben vor - abhängig davon, wie der Inhaber und seine Mitarbeiter ticken. „Aus unserer Sicht sind Auszubildende heute so wertvoll und zugleich so rar, dass sich viele Betriebe solche Spielereien gar nicht mehr leisten“, erklärt die Hauptgeschäftsführerin des Bauernverbandes, Diana Henke. „Hinzu kommt, dass die Zeit im Arbeitsalltag knapp bemessen ist“

„Viele unserer älteren Beschäftigten dürfte das an ihren Ausbildungsbeginn erinnern“, erklärt das Personalamt der Stadt Zwickau auf Anfrage. In den vergangenen Jahrzehnten habe sich aber der Umgang mit neuen Auszubildenden deutlich gewandelt. Sie würden „auf Augenhöhe und mit vollstem Respekt begrüßt“.

Karte