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Falscher Schönheitsarzt gesteht vor Gericht

Ein junger Mann gibt sich als Schönheitsarzt aus, fälscht Zeugnisse und behandelt Hunderte Patienten - ohne Medizinstudium. Was wie ein Hochstaplerfilm klingt, wird in Konstanz vor Gericht verhandelt.

Von dpa

19.10.2026

Der Prozess gegen einen falschen Arzt hat in Konstanz begonnen. Claudia Wagner/dpa

Der Prozess gegen einen falschen Arzt hat in Konstanz begonnen. Claudia Wagner/dpa

© Claudia Wagner/dpa

Eine gefälschte Approbation, ein vorgetäuschtes Medizinstudium und Hunderte Schönheitseingriffe: Ein 28-Jähriger hat vor dem Landgericht Konstanz gestanden, sich als Arzt ausgegeben und mit gefälschten Unterlagen eine Stelle in einer Schönheitspraxis erschlichen zu haben. Zum Prozessauftakt schilderte der Angeklagte, wie er sich in einem Netz aus Lügen verfangen habe. Ihm werden unter anderem Urkundenfälschung, Betrug und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

Stich durch die Lippe

Der gelernte Rettungssanitäter soll laut Anklage in einer Konstanzer Praxis für ästhetische Behandlungen in einem Monat rund 475 Menschen behandelt haben. Die Patientinnen und Patienten erlitten der Staatsanwaltschaft zufolge Schmerzen und klagten zum Teil über Folgeschäden der Eingriffe wie Krämpfe, verschwommene Sicht, Kieferschmerzen, Taubheitsgefühle im Gesicht sowie Nerven- und Kopfschmerzen. In einem Fall sei ein Teil einer Spritze abgebrochen, in einem anderen habe der Angeklagte versehentlich die Lippe einer Patientin durchstochen.

Beinahe alle Patientinnen und Patienten sagten aus, sie hätten sich nicht in Behandlung bei ihm begeben, hätten sie gewusst, dass er kein approbierter Arzt sei, führte die Staatsanwältin aus. 

Vorgetäuschtes Medizinstudium während Corona 

Der 28-Jährige sagte vor Gericht, er habe zunächst seinem Umfeld vorgespielt, Medizin zu studieren. In seinem Freundeskreis hätten viele auf einen Studienplatz gewartet. Er habe dem starken Bedürfnis nach Anerkennung nachgegeben, um dazuzugehören. Während der Corona-Pandemie habe er das angebliche Studium mit Präsenzveranstaltungen und Online-Vorlesungen vorgetäuscht. Das sei zu der Zeit nicht schwierig gewesen.

Unzählige medizinische Schriften und Fachliteratur habe er gelesen: „Ich hatte ein großes Interesse am Fach und habe sehr viel gelesen.“ Später habe er nur noch in Teilzeit beim Rettungsdienst gearbeitet, um sich dem vorgetäuschten Studium widmen zu können.

Der 28-Jährige steht unter andere wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht.Claudia Wagner/dpa

Der 28-Jährige steht unter andere wegen gefährlicher Körperverletzung vor Gericht.Claudia Wagner/dpa

© Claudia Wagner/dpa

Falsche Zeugnisse in China bestellt

Für die Bewerbung bei der Konstanzer Praxis hatte der Angeklagte nach eigenen Angaben gefälschte Zeugnisse und eine Approbationsurkunde verwendet, die er über einen chinesischen Anbieter im Internet gekauft hatte. Diese Unterlagen seien von der Ärztekammer in Niedersachsen anerkannt worden. Nach nur zwei Wochen Einarbeitung habe er selbst Behandlungen vorgenommen. 

Praxis gehört Influencern

Die Praxis gehört zu einer Kette der zwei bekannten Ärzte und Influencer „Dr. Rick und Dr. Nick“. Auf Instagram und TikTok sagten Henrik Heüveldop („Dr. Rick“) und Dominik Bettray („Dr. Nick“), sie seien wie ihre Patienten von dem Mann getäuscht worden. Jedem Betroffenen sei eine Nachsorge angeboten worden. 

Es war nicht der erste Auftritt des Angeklagten als falscher Arzt: Bereits vor einigen Jahren war der Mann in Braunschweig mit einem ähnlichen Betrug aufgefallen und zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Seit April sitzt er in Untersuchungshaft. Ein Urteil könnte am 28. Oktober fallen.

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