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30 Jahre Vertrag zwischen Sachsen und dem Vatikan

1996 schloss Sachsen einen Vertrag mit dem Vatikan. Das Abkommen prägt bis heute das Miteinander von Staat und Kirche. 30 Jahre später gibt es auch Anlass zur Sorge.

Von dpa

22.09.2026

Sachsen feiert in diesem Jahr das 30-jährige Bestehen des Kirchenvertrages mit dem Heiligen Stuhl in Rom. Eine Delegation aus dem Freistaat wird dazu von Papst Leo XIV. empfangen. (Archivbild)Andrew Medichini/AP/dpa

Sachsen feiert in diesem Jahr das 30-jährige Bestehen des Kirchenvertrages mit dem Heiligen Stuhl in Rom. Eine Delegation aus dem Freistaat wird dazu von Papst Leo XIV. empfangen. (Archivbild)Andrew Medichini/AP/dpa

© Andrew Medichini/AP/dpa

Sachsen kann auf gute Verbindungen zum Heiligen Stuhl in Rom bauen. Wenn Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) heute mit einer Delegation in die italienische Hauptstadt reist, soll auch ein Jubiläum begangen werden. Vor 30 Jahren schloss Sachsen einen Vertrag mit dem Vatikan. Er klärt bis heute den Religionsunterricht an öffentlichen Schulen, die Präsenz der Kirche in Rundfunk und Fernsehen, die Seelsorge in staatlichen Einrichtungen wie Gefängnissen, die Denkmalpflege und die Kirchensteuer.

Vertrag ist Meilenstein für Miteinander von Staat und Kirche 

Eine besondere Bedeutung für die Oberlausitz hat dabei der ausdrücklich verankerte Schutz des katholisch geprägten sorbischen Kulturgutes. „Der Vertrag ist ein Meilenstein für die Religionsfreiheit und das partnerschaftliche Miteinander von Staat und Kirche in Sachsen. Er hat sich über drei Jahrzehnte bewährt“, sagte der Bautzener Landtagsabgeordnete Marko Schiemann der Deutschen Presse-Agentur. Der Politiker ist Teil der Delegation, die den Geburtstag des Staatskirchenvertrages in Rom feiert.

Alle Landtagsfraktionen an Ausarbeitung des Vertrages beteiligt 

Am 2. Juli 1996 hatten der damalige Apostolische Nuntius in Deutschland, Giovanni Lajolo, und der frühere sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf den Vertrag unterzeichnet. Die Erarbeitung des Staatsvertrags wurde seinerzeit in mehreren Besprechungen unter Teilnahme aller Fraktionen des Sächsischen Landtags vorbereitet. 

„Nach der Friedlichen Revolution war es für uns als Abgeordnete von außerordentlicher Bedeutung, mit großem Respekt das Verhältnis zwischen dem Freistaat Sachsen und der Katholischen Kirche zu regeln“, sagte Schiemann. Er ist der einzige verbliebene Abgeordnete des Sächsischen Landtags, der den Staatsvertrag damals mitbeschloss.

Sorge um Sparmaßnahmen des Bistums Dresden-Meißen

Der Jahrestag fällt in eine Zeit großer Veränderungen für das kirchliche Leben in der Oberlausitz. Mit Sorge blickt Schiemann vor allem auf Sparmaßnahmen des Bistums Dresden-Meißen. Neben dem Kirchengut Wilthen, dem Bildungsgut Schmochtitz Sankt Benno, dem bereits geschlossenen Kloster der Klarissen in Bautzen und dem ebenfalls geschlossenen Vollinternat der Dresdner Kapellknaben seien weitere kirchliche Angebote und Einrichtungen in der Region gefährdet, erklärte der Parlamentarier.

„Nur Einrichtungen zu schließen, ist keine Lösung.“

Schiemann forderte die Kirche auf, ihrer Verantwortung für die Region nachzukommen: „Nur Einrichtungen zu schließen, ist keine Lösung. Wir brauchen tragfähige Konzepte, wie kirchliches Leben, Bildung und Kultur auch künftig in der Region verankert bleiben können.“ Der CDU-Politiker sieht das 30-jährige Bestehen des Vertrages deshalb als Anlass, das Vermächtnis des Vertrages und das Verhältnis zwischen Freistaat und katholischer Kirche auch mit Blick auf die Zukunft weiterzuentwickeln. 

„Der Vertrag von 1996 hat gezeigt, dass verlässliche Vereinbarungen eine tragfähige Grundlage für Generationen schaffen können. Diese Verlässlichkeit muss sich auch darin zeigen, dass kirchliche Verantwortung in den sächsischen Regionen weiterhin wahrgenommen wird“, hob Schiemann hervor. 

Sachsen bekommen Privataudienz beim Papst 

Bei dem Besuch im Vatikan ist am Mittwoch auch eine Privataudienz von Kretschmer und Teilnehmern der Delegation bei Papst Leo XIV. geplant. Kretschmer will Kardinal Mauro Maria Gambetti bei dieser Gelegenheit einen Herrnhuter Stern überreichen, der ab dem 8. Dezember die Adventskrippe des Heiligen Stuhls auf dem Petersplatz schmücken soll.

Bei einem Rundgang über den Campo Santo Teutonico will die Delegation gemeinsam mit dem Rektor des Päpstlichen Instituts Campo Santo Teutonico, Prälat Peter Klasvogt, und dem Künstler Michael Triegel das sogenannte Cranach-Triegel-Altarretabel aus dem Naumburger Dom besichtigen. Der Altaraufsatz war ursprünglich für Naumburg konzipiert. Er besteht aus zwei erhaltenen Originalflügeln von Lucas Cranach dem Älteren aus dem Jahr 1519 und einem von Triegel 2022 neu geschaffenen Mittelteil. Seit November 2025 befindet sich das Retabel als Leihgabe in Rom.

Am Mittwochabend nimmt die sächsische Delegation aus Anlass des Vertragsjubiläums an einem Gottesdienst sowie an einem anschließenden Empfang im Päpstlichen Institut Santa Maria dell’Anima teil.

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