Pokal auf dem Dorfe: Die kuriosen Geschichten der Amateure
Ein 560-Einwohner-Dorf putzt sich raus, ein Trainer mit der Pokalbilanz von 1:27 Toren träumt vom großen Coup: In der ersten Runde des DFB-Pokals lohnt auf einige Außenseiter ein besonderer Blick.
Bislang glücklos: Trainer Kristian Arambasic träumt weiter vom ersten Pokal-Coup.David Inderlied/dpa
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In der ersten Runde des DFB-Pokals stehen einmal mehr die Außenseiter im Fokus. Ein Blick auf drei Clubs, die an diesem Wochenende besondere Geschichten erzählen - selbst wenn es mit der sportlichen Sensation nicht klappt.
VfB Krieschow: 560 Einwohner und der Traum von der Sensation
Ein Dorf im Ausnahmezustand: Der Oberligist VfB Krieschow aus dem 560 Einwohner kleinen Ortsteil von Kolkwitz macht sich bereit für die DFB-Pokalpartie gegen den Bundesligisten FSV Mainz 05 am Sonntag (15.30 Uhr/Sky). Für den Höhepunkt macht seit Wochen eine aus etwa 50 Ehrenamtlichen bestehende Arbeitsgruppe den Sportpark Krieschow DFB-Pokal-tauglich, anstatt in das benachbarte Leag-Energie-Stadion von Zweitliga-Aufsteiger Energie Cottbus zu ziehen.
Der DFB goutierte die Bemühungen und leistete bei den Umbauarbeiten ebenso Unterstützung wie der übertragende Sender Sky. Die Ehrenamtlichen verdoppelten mit mobilen Tribünen die Zuschauerzahl von 2.000 auf 4.000 Plätze. „Das Ganze drumherum, die vielen Medien, da sieht man, was in den letzten Wochen abgegangen ist“, sagt Krieschows Trainer Robert Koch.
Im Landespokalfinale gegen den Nachbarn Cottbus gelang dem VfB der große Coup, jetzt träumt der mit Abstand kleinste der sieben in der ersten Pokalrunde vertretenen Fünftligisten, der seit der Saison 2017/2018 in der Südstaffel der Oberliga Nordost spielt, auch im DFB-Pokal von einer Sensation.
Bislang 1:27 Tore: Trainer von Jeddeloh II startet fünften Coup-Anlauf
Vier Spiele, vier Niederlagen, 1:27 Tore: So lautet die bislang verheerende DFB-Pokal-Bilanz von Kristian Arambasic. Nun steht der Trainer des Viertligisten SSV Jeddeloh II vor seinem fünften Versuch. Einmalig? „Ich kenne zumindest keinen, der mit drei bzw. vier Vereinen dabei war“, sagt der 49-Jährige der Deutschen Presse-Agentur vor dem Spiel am Sonntag (13.00 Uhr/Sky) gegen den Zweitligisten 1. FC Heidenheim.
Der SSV ist der vierte Club, mit dem Arambasic einen Anlauf startet. Die bisherigen Partien im Überblick:
- 2013: SG Aumund-Vegesack - TSG Hoffenheim 0:9
- 2019: FC Oberneuland - Darmstadt 98 1:6
- 2020: FC Oberneuland - Borussia Mönchengladbach 0:8
- 2022: BSV Rehden - SV Sandhausen 0:4
„Das war so ein besonderes Spiel und war auch sicherlich die beste erste Halbzeit, die ich in dem Wettbewerb bis jetzt erlebt habe“, sagt Arambasic zu seinem Pokal-Debüt, direkt gegen einen Bundesligisten. Zur Halbzeit stand es tatsächlich noch 0:0, dann drehte der Favorit auf.
Weniger glorreich lief die erste Hälfte im Jahr 2020 für den Trainer. Als es nach 25 Minuten bereits 0:4 stand, habe Arambasic zum Linienrichter gesagt: „Meister, wir haben alles gesehen, der Platz ist geil, die Jungs haben ein bisschen gekickt. Sag deinem Kollegen auf dem Feld: „Pfeif ab, Feierabend, reicht“.“ Der habe ihm nur lachend entgegnet, dass er noch 65 Minuten durchhalten müsse.
Ob er mit Jeddeloh II seine Bilanz aufbessern kann? „Du spielst als das gallische Dorf gegen die Römer. Jeddeloh, das ist gefühlt eine Kreuzung, da ist dann unser Platz und acht Häuser. Das war es“, sagt Arambasic zu den Kräfteverhältnissen.
Der SSV Jeddeloh II - warum eigentlich II?
Es gibt einen großen Irrglauben um den SSV Jeddeloh II. Der Club aus der Regionalliga Nord ist hinsichtlich des Namens nämlich nicht die zweite Auswahl hinter einer besseren ersten Mannschaft, sondern ein kleiner Ort in der Nähe der Stadt Oldenburg. Das Nachbardorf Jeddeloh I liegt vier Kilometer nördlich. Das große Pokalspiel findet übrigens weder in Jeddeloh I noch Jeddeloh II statt: Der SSV zieht in das Oldenburger Marschweg-Stadion um.
SC St. Tönis aus Tönisvorst: 30.000 Einwohner, 48 Millionen Äpfel
Für Eintracht Frankfurt gibt es vom SC St. Tönis 11/20 vor dem ungleichen Pokalduell (Freitag, 18 Uhr/Sky) keine Drohungen, sondern eine lieb gemeinte Empfehlung. „Wenn ihr bei uns seid, probiert einen Apfel. Ohne einen Apfel solltet ihr nicht nach Hause fahren“, sagte Uwe Ring, ein langjähriger Betreuer des Oberligisten, im Gespräch mit dem Hessischen Rundfunk in Richtung möglicher Gäste.
Laut eigenen Angaben gibt es in der Stadt des Frankfurter Pokalgegners in Tönisvorst am Niederrhein insgesamt 400.000 Apfelbäume und jedes Jahr 48 Millionen Äpfel, Spieler und Fans des SC St. Tönis bezeichnen sich selbst folglich gern als „Apfelpflücker“.
Das Pokalspiel wird allerdings nicht in Tönisvorst, sondern in Krefeld im geschichtsträchtigen Grotenburg-Stadion ausgetragen. Dort feierte Bayer Uerdingen im März 1986 im Europapokal der Pokalsieger nach einer 0:2-Hinspiel-Niederlage und einem 1:3 zur Halbzeit gegen Dynamo Dresden noch einen 7:3-Sieg und zog so ins Halbfinale ein.
Mit seinen bisherigen vier Pokalauftritten mit verschiedenen Teams kommt Arambasic auf eine Bilanz von 1:27 Toren.David Inderlied/dpa
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Alexander Bittroff spielt seit 2025 in Krieschow. (Archivbild)Uwe Anspach/dpa
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