Eishockey

„Klare Fehlentscheidung“: Wirbel um drittes Gegentor

Warum verzichtet Bundestrainer Kreis auf eine sogenannte Challenge beim umstrittenen Ausgleich der USA? Die Entscheidung sorgt für Diskussionen im deutschen Eishockey-Team.

Von dpa

21.05.2026

Torhüter Philipp Grubauer moniert beim dritten Gegentor auf Torhüterbehinderung. Die deutsche Trainerbank intervenierte dagegen nicht.Andreas Becker/KEYSTONE/dpa

Torhüter Philipp Grubauer moniert beim dritten Gegentor auf Torhüterbehinderung. Die deutsche Trainerbank intervenierte dagegen nicht.Andreas Becker/KEYSTONE/dpa

© Andreas Becker/KEYSTONE/dpa

Der späte 3:3-Ausgleich gegen die USA sorgt bei Deutschlands Eishockey-Team für mächtig Ärger. NHL-Torhüter Philipp Grubauer sprach nach dem 3:4 nach Penaltyschießen gegen den Weltmeister von einer „klaren Fehlentscheidung“. Nicht nur den Goalie wunderte, weshalb Bundestrainer Harold Kreis den Treffer nicht mit einer sogenannten Challenge überprüfen ließ.

„Die Entscheidung, nicht zu challengen war absolut richtig“, erklärte DEB-Sportvorstand Christian Künast am Donnerstag. „Anhand der Bilder, die zur Verfügung stehen, hätte man die Entscheidung nicht klar widerlegen können“, erklärte Künast. Eine Bestätigung gab es laut Künast vom Oberschiedsrichter des Weltverbandes IIHF. Auf den Fernsehbildern war allerdings klar zu erkennen gewesen, dass der Ausgleich der USA fünf Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit irregulär war. 

Bundestrainer Kreis erklärte seinen Verzicht auf die Überprüfung: „Der Schiedsrichter hat gesagt, für so eine Aktion gibt es keine Challenge.“ Der 67-Jährige erhält im Normalfall ein Zeichen von Video-Analysten, wenn es Aussicht auf eine Challenge gibt. Nationalspieler Frederik Tiffels hatte dazu beim Schiedsrichter auf dem Eis wegen einer Challenge nachgefragt. „Der Puck war die ganze Zeit frei“, erklärte der Referee seine Wahrnehmung. 

Kreis moniert fehlenden Pfiff

Grubauer hatte beim Stand von 3:2 für Deutschland aber eine Hand auf dem Puck. Die US-Amerikaner stocherten weiter, bis die Scheibe frei sichtbar war und Tommy Novak zum 3:3 traf. „Niemand hat verstanden, warum er nicht pfeift“, monierte Kreis. Den ausgebliebenen Pfiff hätte der Bundestrainer nicht überprüfen lassen dürfen. Für eine Torhüterbehinderung seien die Bilder laut DEB-Wahrnehmung nicht eindeutig gewesen. Womöglich hat Kreis aber auch das Risiko gescheut.

Ist eine Trainer-Challenge durch Videobilder erfolgreich, wäre das Tor zurückgenommen worden. Kann die Entscheidung vom Schiedsrichter auf dem Eis durch Videobilder nicht eindeutig widerlegt werden, würde das Tor zählen und die deutsche Mannschaft hätte als Strafe zwei Minuten mit einem Spieler weniger agieren müssen. 

Auswirkungen bei erfolgloser Challenge

„Das darf man nicht außer Acht lassen“, sagte Kreis. Bislang gehörte das Unterzahlspiel der Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes in diesem Turnier klar zu den Schwächen. Eine Zwei-Minuten-Strafe kurz vor Schluss wegen einer verlorenen Challenge hätte die Wahrscheinlichkeit einer Niederlage deutlich erhöht. So erkämpfte die deutsche Mannschaft zumindest einen Punkt und hat weiterhin Chancen auf den Viertelfinal-Einzug.

Kreis verzichtete bereits zum WM-Start gegen Finnland (1:3) beim ersten Gegentreffer auf eine Überprüfung. Auch dort wurde Grubauer vom Gegner klar behindert.

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