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Militärbischof Overbeck für Wehrpflicht und Hormus-Einsatz

Essens Bischof Franz-Josef Overbeck ist für eine rasche Wiedereinführung der Wehrpflicht – dann auch für Frauen. In der Straße von Hormus soll die deutsche Marine bei Sicherungsaufgaben helfen.

Von dpa

03.05.2026

Der deutsche Militärbischof plädiert für eine deutsche Beteiligung an einem möglichen Einsatz an der Straße von Hormus. (Archivbild)Axel Heimken/dpa

Der deutsche Militärbischof plädiert für eine deutsche Beteiligung an einem möglichen Einsatz an der Straße von Hormus. (Archivbild)Axel Heimken/dpa

© Axel Heimken/dpa

Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck hat sich für eine rasche Rückkehr zur Wehrpflicht ausgesprochen und plädiert für eine deutsche Beteiligung an einem möglichen Einsatz in der Straße von Hormus. Die Sicherheitslage in Europa und der Welt lasse keine Zeit für langes Zögern, sagte der Bischof von Essen, der zugleich seit fast 16 Jahren das Amt des Militärbischofs bekleidet.

„Deutschland darf sich nicht heraushalten“

In der Straße von Hormus sieht Overbeck nicht nur ein militärisches, sondern vor allem ein wirtschaftliches Bedrohungsszenario mit direkten Folgen für Deutschland. „Da wird wieder ein Krieg geführt mit den Mitteln der Wirtschaft – das ist die Waffe, und die ist wirksam“, sagte er. Eine Beteiligung der Bundeswehr – konkret der Marine – sei daher geboten. Allerdings nur im Verbund mit Partnern: „In der hochkomplexen Weltlage, in der wir befindlich sind, können wir uns einfach nicht mehr raushalten.“ 

Die Bundesregierung hatte mehrfach ihre Bereitschaft erklärt, sich an Maßnahmen zur Sicherung der Straße von Hormus etwa bei der Minenräumung und der Seeaufklärung zu beteiligen – unter der Voraussetzung eines klaren Mandats und konkreter Abstimmungen. 

Militärbischof Overbeck: Ohne Wehrpflicht ist der geplante Ausbau der Bundeswehr nicht zu schaffenBernd Thissen/dpa

Militärbischof Overbeck: Ohne Wehrpflicht ist der geplante Ausbau der Bundeswehr nicht zu schaffenBernd Thissen/dpa

© Bernd Thissen/dpa

Freiwilligkeit reicht nicht

Parallel dazu plädiert Overbeck für die rasche Wiedereinführung der Wehrpflicht. Der Aufwuchs der Bundeswehr von derzeit gut 186.000 auf angestrebte 260.000 Soldatinnen und Soldaten bis Mitte der 2030er-Jahre sei mit einem freiwilligen Dienst allein nicht zu erreichen. „Ich halte die Situation für zu gefährlich, als dass man da ewig warten kann“, betonte Overbeck.

Zwar kämen mehr Freiwillige als noch vor einigen Jahren, doch nicht annähernd in dem Maße, wie es die Planungen der Bundeswehr erfordern. Viele, die neu zur Truppe stoßen, gäben auch nach kurzer Zeit wieder auf – teils schon nach wenigen Tagen. 

Hinzu komme, dass die notwendige Infrastruktur fehle. Kasernen seien abgebaut worden, neue müssten erst gebaut werden. Der Aufbau werde nicht so schnell gelingen wie politisch erhofft.

Gesellschaftsjahr statt Kaserne – aber verpflichtend

Die Wehrpflicht muss nach Überzeugung Overbecks für Männer und Frauen gelten. Im Jahr 2026 sei die Gleichstellung von Mann und Frau nicht mehr nur ein Versprechen, sondern gelebte Realität. Wer nicht zur Bundeswehr wolle, solle einen zivilen Ersatzdienst leisten – ein verpflichtendes Gesellschaftsjahr. „Wehrpflicht oder Gesellschaftsjahr, je nach Form des Einsatzes“, sagte Overbeck. 

Für eine gesetzliche Neuregelung sei allerdings eine Verfassungsänderung nötig – und damit eine Zweidrittelmehrheit im Bundestag, die derzeit politisch kaum erreichbar sei, ohne die AfD einzubeziehen. Overbeck sprach sich klar gegen eine Zusammenarbeit mit dieser Partei aus.

Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck berichtet von der Belastung der Soldaten durch die Trennung von ihren FamilienBernd Thissen/dpa

Der katholische Militärbischof Franz-Josef Overbeck berichtet von der Belastung der Soldaten durch die Trennung von ihren FamilienBernd Thissen/dpa

© Bernd Thissen/dpa

Familien bleiben zurück

Abseits der Personalfragen beschreibt Overbeck die zunehmende Belastung, die Auslandseinsätze für Familien bedeuten. Anders als früher, als Ehefrauen und Kinder Versetzungen meist mitgemacht hätten, blieben Familien heute in der Regel am Heimatstandort. Viele Frauen seien berufstätig und wirtschaftlich selbstständig. Das sei auch bei den Vorbereitungen für den geplanten Einsatz von 5.000 Soldatinnen und Soldaten in Litauen zu spüren. „Ich bin mir nicht so sicher, ob so viele Familien mitziehen, wie die Leitung der Bundeswehr sich das vorstellt.“

Trennung als seelsorgerliche Daueraufgabe

Familiäre Probleme gehörten zu den häufigsten Themen in der Militärseelsorge. Die Sorge um Partnerschaft und Familie sei das, was Soldatinnen und Soldaten am stärksten bewege. Die Scheidungsrate unter Bundeswehrangehörigen zähle zu den höchsten in Deutschland. Besonders schwierig werde es, wenn Soldaten nach langen Einsätzen nach Hause kämen und Rollen neu ausgehandelt werden müssten. Diese Konflikte erforderten seelsorgerliche, aber auch therapeutische Begleitung.

Franz-Josef Overbeck ist seit 2011 Militärbischof der Bundeswehr und zugleich Bischof des Bistums Essen.

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