Fünfter Castor-Behälter mit Atommüll nach Ahaus verlagert
Die Atommüll-Transporte quer durch NRW gehen weiter. Ein fünfter Spezialbehälter ist am Ziel. Der Großteil der Straßentransporte steht noch bevor. Dafür ist mehr Zeit beantragt worden.
Ein Schwerlasttransporter verlässt mit einem Castor-Behälter den Standort Jülich. (Archivbild) Christoph Reichwein/dpa
© Christoph Reichwein/dpa
Der fünfte von insgesamt 152 Castor-Behältern mit Atommüll aus dem ehemaligen Forschungsreaktor Jülich hat das Zwischenlager in Ahaus erreicht. Ein Schwerlasttransporter brachte den Behälter in der Nacht ohne Zwischenfälle ans Ziel, wie die Polizei mitteilte. Dabei fuhr ein Konvoi von verschiedenen Fahrzeugen über Autobahnabschnitte. Die Polizei sicherte den Atommüll-Transport quer durch NRW erneut mit einem Großaufgebot ab.
In der Summe handelt es sich bei der Verlagerung von 152 Castor-Behältern um einen der größten Atommüll-Transporte auf der Straße seit Jahrzehnten. Rund 300.000 Brennelement-Kugeln sind in den Spezialbehältern eingepackt. Dem Start der Transportserie Ende März gingen Gerichtsentscheidungen voraus.
Im früheren Forschungszentrum Jülich lagern Castor-Behälter. Sie sollen von Jülich ins 170 Kilometer entfernte Ahaus transportiert werden. (Archivbild)Andreas Endermann/dpa
© Andreas Endermann/dpa
Mehr Zeit beantragt
Die Atommüll-Transporte von Jülich nach Ahaus werden sich möglicherweise länger hinziehen. Das Transportunternehmen Orano habe die Verlängerung der Transportgenehmigung um ein Jahr bis Ende August 2028 beantragt, sagte ein Sprecher der JEN Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen. Sie ist die Auftraggeberin der Transporte. Ziel sei ein zeitlicher Puffer. Das zuständige Bundesamt nennt kein Datum, wann über den Antrag entschieden wird.
Der Schwertransporter mit dem Castor-Behälter wird von Konvoi begleitet. (Archivbild)Christoph Reichwein/dpa
© Christoph Reichwein/dpa
Großaufgebot der Polizei
Aus Sicherheitsgründen wurden im Vorfeld weder der Termin noch die genauen Fahrtrouten und Alternativstrecken der Transporte bekanntgeben. Die Polizei sperrte für die Fahrt jeweils einzelne Autobahnabschnitte. Die Polizei hat den jüngsten Castor-Transport mit schätzungsweise Hunderten Beamten auf der Strecke sowie an den Start- und Zielpunkten geschützt.
Der Schwertransporter mit dem Castor-Behälter wird von Konvoi begleitet. (Archivbild)Christoph Reichwein/dpa
© Christoph Reichwein/dpa
Wieder Proteste
Schon die ersten vier nächtlichen Transporte von jeweils einem Castor-Behälter verliefen ohne Zwischenfälle. Sie fanden am 24./25. März, 21./22. April, 5./6. Mai und am 20./21. Mai statt. Parallel zu den Castor-Transporten demonstrierten in der Vergangenheit an mehreren Stellen Menschen gegen die Verlagerung des hoch radioaktiven Atommülls quer durch das dicht besiedelte Bundesland.
Auch diesmal gab es Protestaktionen in Jülich und Ahaus gegen den Transport. Nach Angaben der Polizei beteiligten sich in Jülich an zwei Versammlungen insgesamt neun Menschen. An einer Mahnwache in Ahaus nahmen demnach in der Spitze 30 Personen teil.
Ein Schwertransporter mit einem Castor-Behälter fährt beim ersten Transport an Teilnehmern einer Anti-Atomkraft-Demonstration vorbei. (Archivbild)Christoph Reichwein/dpa
© Christoph Reichwein/dpa