Politik Inland

Aktivisten legen neue Opferzahlen zu Irans Protestwelle vor

Iranische Aktivisten nennen nach den Massenprotesten deutlich höhere Opferzahlen als die Regierung. Das ganze Ausmaß der Gewalt kommt wegen der Internetblockade nur langsam ans Licht.

Von dpa

24.01.2026

Bei den Massenunruhen im Iran könnten Aktivisten zufolge weitaus mehr Menschen getötet worden sein als bislang bekannt. (Foto Archiv)Uncredited/UGC/AP/dpa

Bei den Massenunruhen im Iran könnten Aktivisten zufolge weitaus mehr Menschen getötet worden sein als bislang bekannt. (Foto Archiv)Uncredited/UGC/AP/dpa

© Uncredited/UGC/AP/dpa

Bei den Massenprotesten im Iran könnten deutlich mehr Menschen getötet worden sein als bislang bekannt. Das Menschenrechtsnetzwerk HRANA mit Sitz in den USA meldete nach eigenen Angaben 5.137 bestätigte Todesopfer. Zusätzlich prüft HRANA 12.904 weitere Fälle. Außerdem sollen mindestens 7.402 Menschen schwer verletzt worden sein.

Die Aktivisten weisen darauf hin, dass die Auswertung und Überprüfung von Todeszahlen Zeit in Anspruch nehmen. Seit drei Wochen gebe es Internetabschaltungen und -störungen. Das genaue Ausmaß der Gewalt sei deshalb noch unklar. 

Irans Regierung nennt deutlich niedrigere Zahlen

Nach offizieller Darstellung gab es bei den Aufständen 3.117 Tote. Mehr als 2.400 Menschen seien bei „terroristischen Aktivitäten“ ums Leben gekommen, behauptete der iranische Botschafter in Genf. Die iranische Regierung macht die Erzfeinde Israel und USA für die vielen Toten verantwortlich. Unabhängige Belege legten die iranischen Behörden nicht vor.

Die Proteste waren Ende Dezember ausgebrochen. Ausgelöst durch die schwere Wirtschaftskrise im Land gingen zunächst Händler auf die Straßen. Vor gut zwei Wochen kam es in den Metropolen am 8. und 9. Januar dann zu Massenprotesten, die brutal niedergeschlagen wurden.

Sorge vor einem Krieg

Ranghohe iranische Militärs haben laut dem Staatssender PressTV die USA vor einem Angriff gewarnt. Der stellvertretende Kommandeur der Islamischen Revolutionsgarden (IRGC), General Mohammad Karami, erklärte demnach: „Die Reaktion des Irans wird die Feinde jede Abenteuerlust bereuen lassen.“

Brigadegeneral Seyyed Majid Mousavi, Kommandeur der Luft- und Raumfahrtabteilung der Revolutionsgarden, drohte demnach mit einer „entschlossenen Reaktion“. Er erklärte: „Trump redet viel, aber er sollte sich sicher sein, dass er seine Antwort auf dem Schlachtfeld erhalten wird.“

Die Militärs reagierten auf Äußerungen von US-Präsident Donald Trump am Donnerstag. Trump hatte angekündigt, eine „riesige Flotte“ sei auf dem Weg in die Gewässer nahe dem Iran. 

Irans Präsident Massud Peseschkian hatte bereits am vergangenen Sonntag den USA mit einem „umfassenden Krieg“ gedroht, falls sie den obersten Führer, Ajatollah Ali Chamenei, angreifen sollten.

Wegen einer seit drei Wochen anhaltenden Internetblockade kommt das ganze Ausmaß der Gewalt im Iran nur langsam ans Licht. (Foto Archiv)-/dpa

Wegen einer seit drei Wochen anhaltenden Internetblockade kommt das ganze Ausmaß der Gewalt im Iran nur langsam ans Licht. (Foto Archiv)-/dpa

© -/dpa

Das könnte Sie auch interessieren
Abu Dhabi ist der Schauplatz der trilateralen Verhandlungen zwischen Washington, Moskau und Kiew über ein Ende des Kriegs in der Ukraine. (Archivbild)Sina Schuldt/dpa
Update -

Politik Inland

zur Merkliste

Ukraine-Krieg: Verhandlungen in Abu Dhabi vorerst beendet

Seit fast vier Jahren läuft der von Kremlchef Putin begonnene Krieg gegen die Ukraine. Die diplomatischen Bemühungen für ein Ende der Gewalt sind zäh. Nun ist eine weitere Verhandlungsrunde zu Ende.

Ein Protestzug gegen Castor-Transporte geht in Bottrop über eine Brücke über die A2.Henning Kaiser/dpa
Update -

Politik Inland

zur Merkliste

Protest im Ruhrgebiet gegen Castortransporte nach Ahaus

Wann die geplanten Castortransporte nach Ahaus starten, ist noch unklar. Im Ruhrgebiet, auf der Hälfte der 170 Kilometer langen Strecke, gibt es am Samstag einen Demonstrationszug.

Politik Inland

zur Merkliste

US-Verteidigungsstrategie: Europa ja, aber nicht der Fokus

Die nationale Sicherheitsstrategie von Trumps Regierung hat die europäischen Partner geschockt. Jetzt veröffentlicht sie ihre Verteidigungsstrategie, in der auch Europa vorkommt.